Haben die USA den Ölpreisverfall aus geostrategischen Gründen initiert, um den westlichen Sanktionen gegen Russland deutlich mehr Gewicht zu verleihen und synchron dazu missliebige Staaten wie Iran und Venezuela zu treffen?
Oberflächlich betrachtet wäre so etwas nicht zur Gänze auszuschliessen, auch weil man sich bei vielen Ami-Triumphalisten nie so ganz sicher sein kann, inwieweit sie hier mit ihrer Kurzfrist-Denke "Winner takes all" es mal wieder nicht schaffen, über den berühmten Tellerrand hinauszublicken. Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, etc., nun ja, das waren eben auch so durchgehend richtig-wichtige Erfolgsgeschichten auf dem Weg zum Super-Hegemon :-((
Denn es ist ein sicherlich gewichtig einzukalkulierender Fakt, dass ein andauernder dramatischer Crash der Ölpreise in bislang gesehener Größenordnung auf mittlere Sicht erheblich größere geopolitische Risiken in sich bergen könnte, als das billigere Öl kurzfristig strategisch & wirtschaftlich nutzt.
Nun, stellen wir das Worst-Case-Szenario einer russischen Staatspleite mal kurz weit hinten an und werfen einen Blick auf den Crude-Öl-Chart. Vor dem kirchturmartigen Ausbruch in 2007/08 war ca. drei Jahre lang der Bereich von 50-55 US-Dollar eine scheinbar wichtige und oft angelaufene Unterstützung, die auch dementsprechend mehrmals getestet wurde. Ob hier möglicherweise eine für die Haupt-Ölproduzenten wichtige Kostendeckungslinie verläuft, ist sicherlich recht schwierig zu beurteilen, als Möglichkeit wäre dies jedoch durchaus in Betracht zu ziehen.
Manch ein Spekulant mag sich hier wie nun animiert fühlen, bei den aktuellen Kursen mögliche Long-Positionen zu eröffnen sprich ein Engagement in Öl angesichts des dramatischen Preiseinbruchs einzugehen. Mal ganz abgesehen davon, dass in einem deflationären Umfeld ein Ölpreis von 55-60 US-Dollar per Barrel möglicherweise immer noch zu hoch sein dürfte, empfehle ich an dieser Stelle den recht aufschlussreichen Kommentar von C. Kirchner
"Juckt Ihnen auch der Finger in Sachen Öl?"
welcher unter folgendem Link einsehbar ist
menschenzahlensensationen.wordpress.com/...inger-in-sachen-ol/Kirchner gibt hier einige gute Ansatzpunkte bzgl. Anlagevehikel, welche den Termin-Markt dominieren, über Lagerkosten, "Rollproblematiken" bei den Kontrakten, über Missverständnisse bei den Rohstoff-Renditen, usw., usf.. Sicherlich lesenswert!
Ebenfalls interessant fand ich an dieser Stelle die Aussage von Werner Zittel, Ludwig-Bölkow-Systemtechnik und Member der Energy Watch Group, der in einem Interview mit der FR darauf aufmerksam macht, welches Szenario sich bei einem sich dauerhaft etablierenden niedrigen Ölpreis ergeben könnte:
FR: Wagen Sie eine Prognose? Wie hoch wird der Ölpreis, der heute bei unter 70 Dollar pro Barrel liegt, in einem Jahr sein?
Zittel: Ich beantworte das anders: Wenn der Ölpreis in einem Jahr noch so niedrig liegt, dann erleben wir eine Marktbereinigung, an deren Ende viele der Erdöl-Firmen nicht mehr existieren werden. Sogar die Multis wie Shell, BP oder Exxon Mobil, die alle hoch verschuldet sind, könnten in Schwierigkeiten kommen. Deren Kreditwürdigkeit hängt auch von der finanziellen Bewertung ihrer Ölreserven ab. Sie ist umso niedriger, je tiefer der Ölpreis fällt. Ich erinnere an den Dezember 1998, als der Ölpreis auf zwölf Dollar pro Barrel fiel. Viele Firmen verschwanden oder fusionierten, und kurz darauf begann die Preisrallye auf 140 Dollar.
www.fr-online.de/wirtschaft/...ll-enden-,1472780,29278220.htmlDiese Prognose deckt sich in etwa mit dem Statement von Kirk Spano in
#114269:
"We are actually seeing what is likely to be the last great chance to buy oil and gas stocks"
Was sich dann wiederum ebenfalls ein Stück weit mit meiner Aussage aus
#114211 deckt, in der ich davon ausgehe, dass der aufgrund der aktuellen Situation künftig kommende und wahrscheinlich doch stärker als bisher angenommene eintretende Rückgang der weltweiten Ölförderung im Endeffekt bereits die Saat künftig wieder steigender Preise in sich tragen könnte. Denn wir müssen an dieser Stelle festhalten, dass ohne die Fracking-Aktivitäten der USA und Kanada die Ölförderung der Restwelt gemäß den Daten der EIA das Gipfel-Plateau in der Fördermenge seit den Jahren 2005/06 nunmehr nicht mehr nachhaltig überwinden konnte.
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!