Ich bin kein Hellseher. "Der Markt" selber verrät einem, was er vorhat. In die Zukunft blicken zu wollen ist ein nettes Freizeitvergnügen, aber bekanntlich mit erheblichen Fehlern behaftet.
Man kann daher nur Bauchmeinungen posten, mit Betonung auf "Bauch" (= Erfahrung, aber auch trügerische Emotionen) und "Meinung" (den Markt interessiert nicht, was A.L. glaubt).
Nach diesem Disclaimer nun also meine Bauchmeinung. Wenn QE endet und die Zinsen anziehen, sollte es an den Börsen einen kräftigen Einbruch geben. Der Junkbond-Markt nimmt das bereits vorweg. Insbesondere die Nullzinspolitik hat Junk aller Art auf Mondkurs gebracht. Dabei spielte auch Momentum (Gier) eine wichtige Rolle.
Wenn das jetzt wieder ausgepreist wird, dann schlägt das Aufwärts- in Abwärts-Momentum um und die Gier zunehmend in Angst, was üblicherweise in einer Schlussverkaufspanik endet. Wir sahen 2008, wie der SP-500 von 1550 auf 666 im März 2009 fiel. Das war ein extremer Rückgang, aber für einen "Bärenmarkt" mit 6 Monaten fast schon zu kurz. Normalerweise hätte es bei der 2008-Blase samt Weltfinanzkrise ein Szenario wie in der Großen Depression geben sollen, d.h. einen 10-jährigen Bärenmarkt. D.h. hatte ja z. B. auch Niall Ferguson im Juni 2009 gemutmaßt (# 774).
Je nach Auffassung gibt es Leute, die behaupten, der "Bärenmarkt seit 2000" sei noch im Schwange (sie wurden stiller, als 2013 das 2008-Hoch übertroffen wurde). Andere wiederum behaupten, der 2008-Kollaps sei nur eine Korrektur im langfristigen Aufwärtstrend gewesen (sie dürften demnächst wieder stiller werden ;-)).
Da die Märkte extrem manipuliert sind (der Bondmarkt sowieso via QE, der Aktienmarkt wird in einigen Staaten ebenfalls von Zentralbanken hochgekauft) und die Börsen zunehmend zu einem Politikum geworden sind - "Seht her, wie schön alles gestiegen ist, der Wirtschaft geht es doch prima, Jobs sind überflüssig, wer beizeiten Aktien gekauft hätte, wäre gemeinsam mit Buffett reich geworden..." ;-) - hängen die Kursentwicklung weniger von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab als von den Launen der Zentralbanker. Es ist Planwirtschaft, und die soll ja eigentlich immer funktionieren - weil Politiker, wenn es nicht genügend wächst, einfach die Wachstumsziele erhöhen In China wird das munter betrieben. Die PIIGS scheinen das auch vorzuhaben, in Spanien hieße es kürzlich, die Regierung solle mit "Maßnahmen" das Wachstum erhöhen...
Aber ich schweife ab. Konkret zu Deiner Frage: MMn werden die Börsen nächste Woche wieder steigen. Wenn sich die Lage in der Ukraine beruhigen sollte (Irak ist mMn zweitrangig), dann ist auf Sicht von vier Wochen auch ein Doppeltop in den großen Indizes drin. Wegen des QE-Ende und sinkender Ex-Rekordgewinne dürfte ab dem Doppeltop (oder - im bärischen Falle - nach einem 50 % RT auf dem Weg dorthin) die nächste Abverkaufswelle folgen. Werden dann die heutigen Stände unterboten, droht charttechnisches Ungemach.
Ob sich das in einem weiteren schweren Absacker (ähnlich Sommer 2012) manifestiert, hängt von Draghi und Co. ab. Wenn Draghi beschließt, die Zeit für Euro-QE sei gekommen, oder Yellen meint, QE4 sei angesichts der Börsenschwäche "alternativlos", dann kann man charttechnische Signale in den Wind schlagen.
Die Worte der Großen Vorsitzenden an den Zentralbanken erhalten auch deshalb so viel Gewicht, weil die vereinigten Goldmänner exakt so traden, wie es die Worte der Zentralbanker "vorgeben": Raunt Draghi was von großer Flutung, dann reicht das schon, dass Hedgefonds aller Couleur ihre Algomaschinen anwerfen. Bloße Worte der Zentralbanker-Planwirtschaft scheinen in der Ära der Finanzialisierung allen Geschehens gewichtiger als realwirtschaftliche Entwicklungen, auch wenn diese einen Bärenmarkt vorankündigen. Langfristig wird diese dämliche Blähpolitik als Scherbenhaufen enden, mit Tiefs unter dem von März 2009.
Wann das kommt, weiß niemand. Dass es kommen muss, ahnt jeder.