Ich möchte aus dem ausgezeichneten Artikel von Sinn noch folgenden, mMn besonders wichtigen Absatz zitieren.
Sinn:
"Sicher, ein Zuwachs der Staatsverschuldung führt kurzfristig zu einem Nachfrageschub, der die Auslastung des Produktionspotenzials erhöht und auch die Arbeitslosenrate verringert. Aber er ist ein bloßes Aufputschmittel, das den Reformdruck vermindert und das Wachstum des Produktionspotenzials behindert."
Das ist exakt das Problem, vor dem ich hier im Thread schon zig mal gewarnt habe:
1. "Wachstum" aus unverhältnismäßig starker Neuverschuldung führt nur zu kurzfristigen Scheinblüten, nicht aber - über "Multiplikatoreffekte", Stimmungsverbesserungen", "Erholungs-Gewäsch in den Medien" usw. - zu einem selbsttragenden organischen Wachstum.
2. Die Konsequenz daraus ist, dass eine Geldpolitik, die obige starke Neuverschuldung (1) fordert und fördert - dazu zählen QE, Abenomics und das, was Draghi hinsichtlich Euro-QE aushecken wird -, langfristig kontraproduktiv ist und das Grundproblem der Überschuldung nur verschlimmert (siehe die von Sinn im Artikel prognostizierten Schulden/BIP-Quoten für die PIIGS).
3. Da Sinn hier unumstößliches ökonomisches Grundlagenwissen vorträgt, das jeder schwäbischen Hausfrau sofort intuitiv klar ist ("es bringt nichts, mehr auszugeben, als man zurückzahlen kann"), lässt dies nur den Schluss zu, dass die Akteure, die diese Geldpolitik weltweit propagieren (Fed, Bernanke, Yellen, Wall Street, Washington) daraus einen handfesten Nutzen für sich - auf Kosten der Restwelt - ziehen wollen.
4. Im Falle der Amerikaner ist es der weltweite Aufkauf von Sachwerten und Firmen mittels Dollarkrediten (siehe aktuell die geplante Übernahme der franz. Firma Alstom durch General Electric), wobei diese Dollarkredite später durch aggressive US-Geldpolitik entwertet werden. Damit werden die vermeintliche "Käufe" nachträglich zu einem partiellen Raub.Die dahinter stehende Betrugsabsicht ist vergleichbar dem US-Subprime-Beschiss des letzten Jahrzehnts. All dies sind Auswüchse der von den angelsächsischen Ländern forcierten Politik der "Finanzialisierung" allen Weltgeschehens, zu der im letzten Jahrzehnt auch die gefeierte "Liberalisierung der Finanzmärkte" zählte, die 2008 im Weltfinanzkrisen-Crash endete.
5. Entscheidend für den Erfolg der in (4) genannten Strategie ist, dass der US-Dollar möglichst lange den Status der Weltleitwährung beibehält. Diesen sichert auch der gigantische US-Militärapparat samt Willkürpolitik der Amis ab (siehe Wimmer, # 142). Denn ohne die mit dem Weltleitwährungs-Status einhergehende "Geld-Illusion" würde die Restwelt ihre Vermögenswerte nicht für Cyber-Dollars aus der Druckerpresse der US-Notenbank hergeben.
6. China und Russland haben den impliziten Betrug aus dem "Dollar-Trade" (4) bereits durchschaut. China will den Öl- und Goldhandel jetzt am Dollar vorbei in Yuan abwickeln (# 137). Auch der "Schurkenstaat" Iran liefert Öl an China unter Umgehung des US-Dollars.
7.Die Amerikaner reagieren auf den drohenden Verlust ihrer Führungsrolle (politisch, ökonomisch und beim US-Dollar) mit immer stärkerer außenpolitischer und militärischer Gewalt. Das zeigte sich in Irak, Libyen und Ägypten (Reinstallation des Militärregimes, die in freien Wahlen demokratisch gewählten Muslimbrüder kamen in den Knast oder wurden von der ägypt. Handlanger-Justiz zum Tode verurteilt). Auch das Schüren der Ukraine-Krise geht in diese Richtung. Die Opposition am Maidan wurde nicht nur von ukrainischen Oligarchen finanziert, die in dem Pleitestaat durch "westorientierte" politische Willfährigkeit EU- und IWF-Geld abgreifen wollen, sondern auch zu erheblichen Teilen aus USA. Strategie der Amis ist, durch fortlaufende Provokationen einen Stellvertreterkrieg mit Russland loszutreten - den wir aktuell bereits in Ansätzen sehen. Dieser Stellvertreter-Krieg dient dazu, sich am Erzfeind Russland für das Snowden-Asyl zu rächen, der Eurozone finanziell zu schaden (stärkt implizit den Weltleitwährungsstatus des US-Dollars) und vor den US-Wahlen von den gravierenden eigenen innenpolitischen Problemen abzulenken, die darin bestehen, dass die US-Wirtschaft trotz Mega-Dollargedrucke nicht organisch wächst (womit wir wieder bei obigem Sinn-Zitat bzw. Punkt 1 dieser Aufzählung angelangt sind).