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...Eine harte Landung würde die Finanzmärkte auf eine harte Probe stellen. Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist China schlicht zu groß, um ignoriert zu werden...
..."Die Verflechtungen zwischen China und dem Rest der Welt (sind) eher realwirtschaftlicher als finanzieller Art", bringt Axa Investment Managers die Gemengelage auf den Punkt. Die Welt hat also nicht den Zusammenbruch einer chinesischen Bank zu fürchten, sondern den Einbruch der dortigen Nachfrage.
...Hauptleidtragende wären die wichtigsten Handelspartner Chinas, die allesamt in Asien beheimatet sind. So entspricht das Volumen der taiwanesischen Ausfuhren etwas mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Für Malaysia und Südkorea liegt der Anteil bei 12 Prozent. Im Falle Australiens, das dank der Rohstoffausfuhren nach China in den vergangenen 20 Jahren den größten Wirtschaftsboom der Landesgeschichte erleben durfte, belaufen sich die Exporte auf etwa 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Societe Generale schätzt, dass eine harte Landung in China auf 2 Prozent Wirtschaftswachstum das taiwanesische Wachstum um 4,5 Prozentpunkte stutzen würde. Für Südkorea und Malaysia geht Chefvolkswirtin Michala Marcussen von einem Minus von 2,5 Prozentpunkten und für Australien von 1,2 Prozentpunkten aus.
Was das weltweite Wirtschaftswachstum angeht, schätzt Marcussen den negativen Wachstumseffekt auf 0,7 Prozentpunkte. Was Deutschland angeht, kann hingegen Entwarnung gegeben werden.
Auch wenn fast die Hälfte aller Ausfuhren aus der Europäischen Union (EU) nach China von deutschen Unternehmen stammt, so ist die Bedeutung des chinesischen Absatzmarktes für die hiesige Wirtschaft insgesamt weiterhin nur gering. Das Volumen der deutschen Exporte beläuft sich auf nicht einmal 3 Prozent des deutschen BIP.
Entsprechend niedrig dürfte mit 0,2 Prozentpunkten der Wachstumsabschlag als Folge einer chinesischen Wirtschaftsflaute ausfallen. Für die USA setzt die Societe Generale gerade einmal ein Minus von 0,1 Prozentpunkten an.
Was würde eine harte Landung in China für die Finanzmärkte konkret bedeuten? Was die Aktienmärkte angeht, dürften die Verluste umso größer ausfallen, je stärker die wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China sind. Hauptverlierer dürften also chinesische Aktien selbst sein, gefolgt von den Börsen der wichtigsten Handelspartnern. Da aber eine systemische Krise unwahrscheinlich ist, ist mit einem Zusammenbruch der globalen Aktienmärkte nicht zu rechnen. [A.L.: Das seh ich anders...]
Wie die Ergebnisse einer Umfrage der Societe Generale unter institutionelle Anlegern zeigt, schätzen die Befragten die zu erwartenden Verluste am chinesischen Aktienmarkt auf nicht einmal 30 Prozent. [A.L. Chinas Aktienindex SSE steht aber jetzt schon bei 2000, knapp über dem Krisentief aus dem Winter 2008/2009, das bei 1850 lag. Zieht man von den aktuellen 2000 noch mal 30 % ab, landet man bei 1400.]
Für den S&P-500 soll es gerade einmal 12 Prozent nach unten gehen, die erwarteten Verluste an den europäischen Börsen werden nur unwesentlich höher gesehen. Zum Vergleich: Nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 halbierte sich der S&P-500 in den Folgemonaten fast, der Dax fiel von Ständen von über 6.000 auf rund 3.600 Punkte zurück. [A.L.: Ich schätze die Verluste für den SP-500 aus einer schweren China-Krise auf mindestens -30 bis -40 %, schon allein, weil dann die ganze Margin-Long-Zocker aus dem Markt gedrängt werden.]
Eine harte Landung in China würde wohl auch das endgültige Ende des "Rohstoff-Superzyklus" bedeuten, der auf der scheinbar unersättlichen chinesischen Nachfrage fußt. [A.L.: Ein Großteil der Aktienanstiege seit 2008, auch in USA, entfällt auf Rohstoff- und Ölwerte...] Die Verluste gerade bei konjunktursensiblen Metallen könnten daher höher als bei Aktien ausfallen. Nach schwächeren Wirtschaftsdaten aus China hat Kupfer seit Jahresbeginn bereits 10 Prozent an Wert eingebüßt. Der Preis von Eisenerz ist seit Anfang 2013 sogar um 20 Prozent gefallen. Allein am Tag nach Bekanntwerden des Einbruchs der chinesischen Exporte im Februar brach der Eisenerz-Preis um 8 Prozent ein....
A.L.: 2008 brachen erst die Rohstoffe stark ein, danach die Aktien. In beiden Fällen ging es um -50 % runter. Das wird diesmal nicht anders sein.