Das liest sich heute bei SPON in der Tat weniger "programmatisch" als bei Münchau. Und es deckt sich teils sogar mit BT-Thesen.
Einwände haben ich dennoch: So wird am Anfang des SPON-Artikels betont, dass Draghi keine Deflation sieht und DAHER keine Anleihenaufkäufe nötig seien. So weit, so gut.
Diese Argumentation impliziert aber im Umkehrschluss, dass - sobald Draghi Deflation attestiert - Anleihenaufkäufe eben DOCH nötig seien. Und das ist eben, vor allem in D., höchst umstritten. Weiterhin ist grundsätzlich strittig, ob Draghi überhaupt zu solchen Marktmanipulationen legitimiert ist, oder ob er sich diese Macht nicht vielmehr ohne demokratische Legitimierung (aber "von Goldmans Gnaden") ANMASST.
Die Kritik im BT in grundlegender. Hier lautet die These, dass Zentralbanken grundsätzlich nicht die Aufgabe haben, eine "Sollinflation" zu erzeugen. Ihre einzige Aufgabe ist, den Geldwert stabil zu halten. In einer Deflation gewinnt Geld per def. an Wert, weil Waren immer billiger werden. Damit ist dem Hauptziel der Inflationsvermeidung bereits genüge getan.
Die fixe Angelsachsen-Schnapsidee, dass Notenbanken zudem als Konjunkturbeschleuniger, Bankenbrand-Feuerlöscher und Staatsfinanzierer herhalten sollen, teile ich nicht. Diese Schnapsidee wird auch nicht besser, wenn Japan sie (im übrigen erfolglos) nachäfft.
Dass der Artikel postuliert, dass keine Deflationsgefahr besteht, ist aber schon mal Meilen viel besser als Münchaus Dauer-Dröhnung, die Deflation stehte bereits als Schreckgespenst am Horizont und müsse proaktiv durch Gelddrucken "bekämpft" werden.
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Im heutigen SPON-Artikel heißt es an einer Stelle : "Sie [die PIIGS] exportieren wieder mehr, ihre Defizite gegenüber dem Ausland sind verschwunden." Das stimmt so nicht. Wahr ist, dass die Handelsbilanzdefizite der PIIGS gesunken sind. Aber eben nicht, weil mehr EXportiert wurde, sondern weil wegen Dauerkrise-, Rekord-AL, Geld- und Kreditmangel weniger IMportiert wurde.
Wieso ist dieser Unterscheidung wichtig? Exportstärke klingt, als würden sich die PIIGS wirtschaftlich nennenswert erholen. Diese Formulierung ist aber Augenwischerei, weil die meisten schon immer Nettoimporteure waren. Früher konnten sie die chronischen Handelsdefizite durch Währungsabwertungen ausgleichen. Heute müssen sie durch krisenbedingten Konsumverzicht ihre Importe bremsen. D.h. die Betonung liegt hierbei auf KRISE.
In vielen Gazetten steht, dass Europa Peripherie sich erhole. Das ist genauso kurzsichtig wie Behauptungen, steigende Aktienmärkte in USA seien Zeichen einer realen Erholung. Die PIIGS-Anleihenrenditen sinken, weil große Fonds im Zuge der seit Jahresbeginn grassierenden Emerging-Markets-Krise aus EM-Währungen rausgehen und das Geld spekulativ in Euro-Bonds schwacher Bonität parken. Motor der Zuflüsse ist also nicht eine PIIGS-Erholung, sondern Umschichtungen infolge der EM-Währungskrisen. Wohl dem, der auch dies zu unterscheiden weiß.
Aber vielleicht wird der BT ja noch eines Tages das Erlösungswunder vollbringen, alle verschatteten Anlegerseelen zu illuminieren - eben weil die christliche Nächstenliebe gebietet, jeder verirrten Seele zum Licht zu verhelfen.