Im zweiten Halbjahr könnte dann ein größerer Rutsch (-25 % oder mehr) kommen. Diese Erwartung entspricht auch der von Felix Zulauf (hatte ich vor ca. zehn Tagen hier im Thread gepostet).
Unklar ist, ob wir jetzt schon das "Zwischentief" (entsprechend obiger Vermutung) gesehen haben. Ernsthaft kalkulieren lässt sich das nicht, weil z. B. niemand weiß, welche Folgen der Geldentzug aus den EM auf die globale Wirtschaft hat und inwieweit die Fed beim Tapering darauf Rücksicht nimmt. Wahrscheinlich pausiert die Fed erst, wenn die Unternehmensgewinne in USA deutlicher zurückgehen.
Der Rücksetzer im Nasdaq im April 2000 war weitaus heftiger, da ging es um über -30 % gen Süden. Aktuell beträgt der Rückgang ab den letzten Tops lediglich -10 %, so dass theoretisch noch Luft nach unten wäre. Damals waren allerdings auch jede Menge "Normalos" im Markt, mit richtigem (erarbeitetem) Geld und typischen Eigenschaften wie Angst, "Sorge ums Dasein" usw.
Im "new normal" hingegen liegt der Markt in den Händen der großen Hedgefonds/Goldmänner und ihrer emotionslosen Maschinen. Und natürlich in Händen der mit den großen Zockerbanken kooperierenden Zentralbanker. Zockerbanker machen ihr Geld, indem sie sich jeweils gegen den Konsens aufstellen. Dieser war die letzten 5 Jahre eher bärisch, also stieg es non-stop.
Wenn die Großzocker jedoch sehen (z. B. an den offenen Positionen), dass die
breite Masse wieder allzu bullisch geworden ist - wie jetzt um die Jahreswende - , zögern sie nicht, gnadenlos den Stecker zu ziehen. Die Fed unterstützt sie bei diesem Kurs- bzw. Paradigmen-Wechsel mit zähem Tapern, obwohl die AL- und sonstigen Daten eher schwächlich ausfielen. (Grund: Der Konsens ist felsenfest überzeugt, dass die Fed die Märkte oben halten will, es gibt also eine Basis für "baffle with bullshit").
Der Downtrend seit Jahresbeginn ist inzwischen allerdings zu einer Art neuem Konsens geworden, da scheinen fünf Wochen bereits auszureichen. Die Frage bleibt daher, ob die Großzocker nun einen Shortsqueeze inszenieren wollen (für o. g. technische Erholung mit Doppeltop) oder ob sie noch die "getrappten" Margin-Longs "ausnehmen" wollen. Davon gab es schließlich eine ganze Menge.
Für die Shortsqueeze-Variante spricht, dass gestern im WSJ ein Artikel erschien, der darauf "hinwies", dass das Tief noch längst nicht erreicht sei.
www.wsj.de/article/...42704579362612339140906.html?mod=trending_now_1
Dieser Artikel belegt Platz 1 unter den am meisten gelesenen Artikeln.
Da schrillen im Groß- bzw. Kleinhirn des Langzeit-geschundenen Bären sofort die Alarmglocken. Ich werte solche "Botschaften" als das übliche kontraindikatorische Medien-Signal, dass "big money" mal wieder alle zum Narren halten will (d.h. mit einem "überraschenden" Anstieg).
Ich setze daher, obwohl die Indizes nach wie vor viel zu hoch stehen und alles überbewertet ist und Tapering weiter läuft und und und...., zurzeit NICHT strategisch auf short, würde aber nach einem möglichen Doppeltop im Sommer wieder einsteigen.
Sorry, falls ich damit die Neubären hier desillusioniere.
Sieht man sich Langzeit-Charts an, fällt auf, dass die meisten großen Anstiege in einem Doppeltop endeten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es jetzt im ersten Rutsch "durch fällt", hat daher historisch wenig Evidenz.
Dennoch ist solch ein "Durchfall" (ohne Doppeltop) nicht ausgeschlossen, da bei den extremen Derivatepositionen der Zockerbanken (allein JPM hält Derivate im Gegenwert des Welt-BIP) auch eine von diesen nicht gewünschte Eigendynamik (nach unten) entstehen kann.
Auch in einem Ultrabären-Szenario (1929-artiger Crash) sollte man sich an das damalige Drehbuch halten. Einem -40 % Absturz folgte damals ein 50 % Retracement, erst danach kam der Endrutsch, der den Dow -90 % tiefer beförderte.
Ich glaube allerdings, dass die Macht der Zentralbanken zurzeit (noch!) zu groß ist für ein solches Szenario. Die gesamte Zockerwelt wartet, dass Draghi "liefert"; und dem fehlt eigentlich nur noch die "Stunde der Not" - z. B. Dax -20 % ;-))
