www.fuw.ch/article/deflation-ist-eine-grosse-gefahr-fur-europa/
Das Interview gibt die typische Meinung eines US-Blähapostels wider, der auch in Europa eine Blähung nach QE-Vorbild herbei zu reden versucht - egal ob das Finanzsystem und letztlich die ganze Welt bei so viel Blähungen im eigenen Gestank verreckt.
Auszug aus Interview:
FUW: Sind Sie jetzt nicht etwas gar hart im Urteil über Draghi? Sein Versprechen im Juli 2012, er werde alles tun, um den Euro zu retten, hat doch zu einer enormen Beruhigung in der Eurozone geführt.
Eichengreen: Stimmt. Seine Rede war ein prächtiges Beispiel für den Einfluss, den eine Zentralbank auf die Finanzmärkte ausüben kann, wenn sie entschieden handelt. Mit dieser Rede hat Draghi das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion vom Tisch genommen. Jetzt geht es aber um die Bekämpfung der Deflationsgefahr.
FUW: Was kann die EZB dagegen tun?
Eichengreen: Sie könnte nach dem Beispiel der US-Notenbank ein Anleihenkaufprogramm auflegen. (...da haben wir's, A.L.) Oder, wie es die Bank of England getan hat, ein Funding-for-Lending-Programm, bei dem Geschäftsbanken Liquidität von der Zentralbank erhalten, wenn sie Kredite vergeben.
FUW: Herrscht denn im Unternehmenssektor immer noch eine Kreditklemme?
Eichengreen: Ja. In den Peripherieländern sinkt die Kreditvergabe an die Haushalte und Unternehmen immer noch mit einer Jahresrate von 3%. Grosse Konzerne können sich am Bondmarkt finanzieren, aber kleine Firmen erhalten nach wie vor kaum Kredit.
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A.L.:
Man kann nur darüber rätseln, ob Eichengreen das oben Gesagte wirklich ernst meint oder ob er nur der laufenden US-Flutungsagenda das Wort redet.
Nimmt man ihm beim Wort, machen seine Aussagen keinen Sinn. Denn wenn die Gewinnaussichten gut genug wären für kleine Betriebe, würden die Banken die Kredite auch so vergeben. Das wird ja zuvor sorgfältig mit Business-Plänen und Ertragsanalysen untersucht. Wenn die Banken abwinken, hat das meist einen guten Grund: Die Risiken sind - gemessen an den potenziellen Erträgen - zu hoch. Es gibt den Kredit nicht, und dies sogar aus gutem Grund: Die Bank möchte mit der Kreditvergabe kein Geld verlieren.
Wenn das zu investierende Geld jedoch nicht aus der Privatwirtschaft kommt, sondern von Draghi wie ein Karnickel aus dem EZB-Zauberhut gezogen wird, kann die normalerweise unterbleibende Kreditvergabe zwar erfolgen. Das geht aber nur, weil das Geld dafür von Draghi "aus dünner Luft" geschöpft wurde und nicht mit realer Arbeit hinterlegt ist. Die Kreditvergabe würde mit Phantomgeld erfolgen. Wenn es beliebig nachdruckbar ist, wird die wichtigste Maxime einer funktionierenden Papiergeldwirtschaft verletzt - nämlich Knappheit der Mittel. Jeder, der zuvor gearbeitet und Geld gespart hat, fühlt sich verschaukelt, wenn Geld nun plötzlich "ohne Arbeit" aus dem Hut gezaubert werden kann.
Die Firmen würden mit Draghis "frischem Geld" zwar neue Geschäftszweige eröffnen können (z. B. Provinzflughäfen in der span. Pampa) und dafür zunächst auch Leute einstellen - sprich: es gäbe eine scheinbare "Wirtschaftserholung". Die damit gleichzeitig wachsende Verschuldung (privat und staatlich) würde jedoch überproportional steigen.
Genau deshalb schießt in USA das Schulden/BIP-Verhältnis seit QE-Beginn in 2008/9 steil nach oben. Faktisch haben die Amis damit "unrentabel" Geld ausgegeben (auf Kredit), das nur unterproportional BIP-Wachstum erzeugt hat. Dies lässt sich an harten Zahlen festmachen: USA hatte 2007 eine Schuldenquote von 67 %, aktuell sind es 110 %. Das erkaufte Wachstum war mickrig, während die Verschuldung im Vergleich drastisch stieg. Kein Kaufmann würde einen solchen "Betrieb" weiterführen.
Das Gleiche würde mit dem EZB-Geld geschehen, das per Draghi-Kredit in wenig aussichtsreiche "Geschäfte" gesteckt würde - nämlich solche, die bei objektiver CRV-Analyse (= private Kreditgeber riskieren ihr hart erarbeitetes eigenes Geld)
gar nicht erst in Angriff genommen würden.
Erhält die Firma den Kredit trotz des schlechten CRVs von Draghi, enstünde ein neuer Geschäftszweig, der unter marktwirtschaftlichen Aspekten mit hoher Wahrscheinlichkeit unterproportionale Erfolge "erwirtschaftet" und unrentabel bleibt.
Dies wird auch nicht durch eine ökonomische Skalierung (economy of scale) wieder gut gemacht. Wenn tausender neuer Firmen unrentabel arbeiten, ändert sich am Grund-Dilemma überhaupt nichts. Es würde nur - wegen neuer Einstellungen, Bauaktivitäten ("Brücken nach nirgendwo") - einen Strohfeuer-Schub geben.
Die Hoffnung aller Bläh-Strategen bleibt, dass durch ein solches Strohfeuer auf magische Weise die "Selbstheilungskräfte" gerufen werden und sich aus der Geld-Blase ein nachhaltiger Aufschwung entwickelt. In USA ist davon jedoch - aller Propaganda in den Medien zum Trotz - bislang herzlich wenig zu sehen. Das das Gelddruck-Experiment in Japan und Europa besser funktioniert, ist wenig wahrscheinlich.
Für die Amis würde, wenn Draghi nun "nachzieht", lediglich Zeit gekauft, um weiter auf das globale Selbstheilungswunder zu warten. Doch wenn es in USA und (so wie es aussieht) in Japan nicht geklappt hat, dann dürfte es im maroden Europa, wo jeder Staat sein eigenes Süppchen kocht, erst recht nicht funktionieren.
Am Ende wären die "Draghi-Firmenkredite" nur eine (garantiert unrentable) Quersubventionierung durch die europä. Steuerzahler. Das Ganze stellt lediglich eine Kreditausweitung dar, die daran krankt, dass die Kredite in wenig aussichtsreiche Geschäfte gesteckt werden. Damit ist unterm Strich "sub-par"-Performance förmlich garantiert, vermutlich sogar Verluste.
Jegliches Pseudowachstum aus solchen unwirtschaftlichen (bzw. planwirtlichaftlichen) Kreditausweitungen würde inflationsbereinigt - und erst recht neuverschuldungsbereinigt - zu einer faktischen Schrumpfung führen, auch übergreifend beim realen BIP.
FAZIT: Wachstum aus der Notenpresse ist ein Phantom, dem die halbe Welt inkl. IWF hinterher hechelt, ohne zu bedenken, dass es das "Perpetuum mobile" auch in der Geld- und Finanzwirtschaft nicht gibt. Wer so etwas predigt und/oder einfordert, handelt letztlich verantwortungslos.