Keine Lust große Reden zu halten, da unnötig. Um den Grund des vor uns liegenden Jahrzehnte langen Bärenmarktes zu verstehen, bedarf es des Studiums meiner vorangegangen Beiträge seit Threaderöffnung im Feb. 2007.
Die Rohstoffe, speziell Rohöl und Kupfer, haben bereits den Rückwärtsgang eingelegt. Rohstoffschwäche war auch in der Zeit kurz vor der Lehman-Pleite in 2008 ein aufschlussreicher Vorlaufindikator, der auf die bevorstehende extreme "Risk-off"-Periode in allen Assetklassen hindeutete. Dies kann man in meinem "Anti-Rohstoff-Thread" für den Zeitraum von 2008 bis 2010 hautnah am Geschehen nachverfolgen:
www.ariva.de/forum/Lemmings-Anti-Rohstoff-Thread-340852Rohstoffschwäche übt mittelfristig Druck auf sämtliche "Risk on"-Trades (inkl. Aktien, Junkbonds, EM-Währungen usw.) aus. Das dürfte auch in 2013/2014 nicht anders sein.
Rohstoffblasen platzen u. a. deshalb als erste, weil die Realwirtschaft (z. B. in China) eng an Rohstoffen hängt. Momentumrittertum wie im Aktienmarkt greift dort nur in Grenzen. Wenn der Rohstoffverbrauch wegen Deflationstendenzen (sinkene Reallöhne, rückläufige Investitionen, Flaute in China usw.) sinkt, können Goldman, JPM und MS den Preis schwerlich weiter nach oben treiben. Am schlechtesten gelingt dies beim Baltic Dry Index, der nicht weit vom 2008/2009-Tief notiert.
Da organisches Wachstum in USA nach wie vor nicht vorhanden ist, bedarf es weiteren QEs, um die Neuverschuldung und daraus finanzierte Stimulusprogramme zu refinanzieren. Allerdings lässt die Wirkung von QE immer stärker nach, so dass Yellen entweder weiter erhöhen müsste (was die Glaubwürdigkeit der Fed mMn stark beeinträchtigt nach dem seit Mai währenden Tapering-Geschwätz) oder aber den weiteren graduellen Rückgang des US-BIP-Wachstums, das nur noch knapp über 1 % liegt, wohl oder übel in Kauf nehmen müsste.
Die Induzierung einer künstlichen Rohstoffinflation, um Deflation zu verhindern, ist bereits 2008 kläglich gescheitert. Wenn wie bei Rohstoffen die Realwirtschaft stark involviert ist, halten sich die Manipulationsmöglichkeiten in engen Grenzen.
Auch das aktuelle "Hochjubeln" des Euro (analog zu 2008, als er bis 1,60 stieg) mit der lächerlichen Behauptung, die Eurozone würde sich erholen, wird diesmal keinen Erfolg mehr haben. Der Markt zweifelt an der Euro-Rallye bereits jetzt (Volumen wird im Anstieg immer dünner, siehe # 278).
Seit in 2010 die PIIGS-Krise aufgeflammt ist, gibt es keine nennenswerte Korrelation mehr zwischen EUR/USD und "risk on" (Rohstoff- und Aktien-Haussen). Der seitdem ersatzweise genommene "Risk-on"-Indikator USD/JPY (Abenomics-Carrytrade) zeigt ebenfalls deutliche Chart-Schwächen (siehe Chart unten), was wie die Rohstoff-Schwäche nicht Gutes verheißt.
In der Eurozone bremst der starke Euro die Konjunktur zusätzlich. Ein starker Euro ist das Letzte, was die PIIGS jetzt noch brauchen können. Interventionen der EZB
(Zinssenkung, LTRO
#2) können fundamentale Strukturschwächen in den PIIGS nicht beseitigen, weil Geldpolitik dafür schlicht und einfach das falsche Werkzeug ist. Dies gilt auch für USA und Japan.
STAY SHORT, LONG IST MORD!
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Der "Risk on"-Indikator USD/JPY sieht ähnlich angeschlagen aus wie Rohstoffe. Hier der USD/JPY-Chart seit Beginn von Abenomics. Die steile Aufstiegsphase (grün) ist ausgetoppt und zeigt bereits Umkehrtendenzen. Ich rechne im Falle einer länger anhaltenden "risk-off"-Periode mit einer Fortsetzung entlang der orangen Linie. Japan hat zwar eine riesige Staatsverschuldung (245 %), jedoch sehr reiche Bürger, die zugleich größte Gläubiger der Amis sind.