dass die vereinigten Zockerbanker und Hedgefonds passend zu den Worten oder auch nur zum Raunen des Großen Vorsitzenden Bernanke ihre Algo-Maschinen anwerfen, d.h. gemäß den Fed-Vorgaben traden bzw. daytraden.
Das ist aber per se nicht damit gleichbedeutend, dass die Geldpolitik der Fed tatsächlich eminiment wichtig wäre. Sie wird dadurch nur wichtig
gemacht.
Erinnert Ihr Euch noch? In der Frühzeit des Bärenthreads war lange das beherrschende Thema, ob der Euro zum Dollar steigt oder fällt. Viele Leute (auch Trader bei QV) blickten nur noch auf den Euro, um entsprechend long/short Aktien und/oder Rohstoffe zu gehen. Das war zu einer Zeit, als die Fed- und EZB-Zinsen sowie die Politik der Notenbanken noch halbwegs "normal" waren (Leitzins ca. 4 %).
Zum damaligen Generalthema gehörte auch die vor allem von Gold-Bugs mit dem Brustton der Überzeugung und teils mit Endzeit-Dramatik vorgetragene Behauptung, dass "der Dollar wertlos" werde. Für Markt-Akteure aller Couleur war die alles beherrschende Frage, ob der Euro steigt oder fällt - was wiederum nach damaliger Spinstory einzig und allein von der Rohstoff- und Öl-Nachfrage Chinas und Asiens abhängen sollte, die damals als Ersatz-Lokomotiven für den lahmenden Westen bezeichnet/gewertet wurden.
Heute wissen wir, dass das eine gigantische Spinstory war, die allein dazu diente, damit Goldman und Co. erfolgreich den Dollar-Carrytrade in Rohstoffen "spielen" konnten. Die scheinbar "endlose Geldquelle" war damals nicht das Dollardrucken der Fed, sondern die private Geldschöpfung über Dollar-Kredite, die dann in Rohstoffe, Aktien usw. flossen.
Die These vom wertlos werdenden Dollar wurde damals so lange wiederholt und mit begleitenden Algo-Trades "verifiziert", bis fast ausnahmslos alle an diese Story glaubten.
Um so überraschender war, dass der Dollar im 2008-Crash wider Erwarten - und entgegen der zuvor propagierten Generalthese -
erstarkte, EUR/USD fiel bis unter 1,20 - und dies, obwohl USA Auslöser der Bankenkrise war.
Heute spielen Goldman und Co. stattdessen das QE-Spiel, und vom Euro ist kaum mehr die Rede. Ob der Euro steigt oder fällt, hat inzwischen kaum noch Einfluss auf US-Aktienkurse. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass die Big-Five sowie die Hedgefonds in deren Fahrwasser den Parameter "Euro" in ihren Algo-Maschinen nun untergewichtet oder eliminiert haben.
Das Thema ist durch.
Der Markt brauchte was Neues. Da nahmen die Zockerbanker - was sich in der 2008-Krise auch anbot - halt QE. Das war auch insofern praktisch (und scheinbar "überzeugend"), als QE zugleich das Geld lieferte, mit dem sie zocken konnten. QE wirkt sich zwar teils auch realwirtschaftlich aus, weil damit die enorme US-Neuverschuldung "refinanziert" wird - aber keinesfalls in dem Ausmaß, wie Goldmans Maschinen das heute "einschenken".
Kein Börsenmensch denkt heute noch in den obsoleten "Steigt/Fällt der Euro?"-Kategorien. Goldman und Co. haben inzwischen sämtliche Trader und Fonds "umdressiert". Das neue "Generalthema" lautet (fast ausschließlich): "Geht QE weiter oder nicht"?
Auch hier im Thread singen einige umgefallene Altbären und Neubullen neuerdings fast ausschließlich das Fed-Lied, wonach "Aktien nie mehr fallen können", weil "QE immer weiter laufen wird" und angeblich auch "nie mehr gestoppt" werden kann.
Dabei kommen sie keine Sekunde auch nur auf die Idee, dass die vereinigten Goldman bzw. die Fed ihnen damit erneut einen Bären (oder präziser: einen Bullen) aufgebunden hat. Oder (akademischer): dass sie einer Ideologie aufsitzen, die Amerika nützt.
Ich bin überzeugt, dass das QE-Spiel in einigen Jahren im Rückblick genauso absurd erscheinen wird wie heute die damalige Euro/Dollar/Rohstoff-Story - die ich übrigens bereits damals als "Dogma" in Zweifel gezogen hatte, siehe hier:
www.ariva.de/forum/Lemmings-Anti-Rohstoff-Thread-340852An der Börsen gelten alle Regel exakt so lange, bis sie nicht mehr gelten. Dieser Zeitpunkt ist meist gekommen, wenn alle Marktteilnehmer eine Regel als "ehern" und unumstößlich betrachten - und Leute, die daran zweifeln, aggressiv "zur Besinnung" gerufen werden (man erinnere sich an meine damaligen "Hahnenkämpfe" mit Biomüll...)
Die Sollbruchstelle könnte mMn kommen, wenn sich die US-Wirtschaft eintrübt, die Fed QE noch weiter hochschraubt und die Aktienmärkte TROTZDEM abverkaufen. Und die Regelbrecher werden dabei vermutlich sogar dieselben sein, die die "QE-Regel" vorher so mühsam in die Traderköpfe gehämmert hatten.
Und warum? Weil man mit "Baffle with Bullshit" das meiste Geld verdienen kann. Man braucht dazu nur eine riesige Schafsherde, die - nach langem Training - in die gewünschte (falsche) Richtung läuft, und das Kapital bzw. die Marktmacht (Algomaschinen), um die ganze Herde anschließend mit einem Überraschungs-Coup brutal zu "scheren". Das wird mMn noch 2013 passieren.