und dann mal kurz den Blick über den Tellerrand schweifen lassen. Denn die scheinbar intakte heile Welt der schönen Zentralbank-Rally verleitet die Bullen dazu, die langfristig negativen "Nebenwirkungen" der Notenbankpolitik" auszublenden. Da Medaillen jedoch stets zwei Seiten besitzen, macht es Sinn, nicht nur diejenige zu betrachten, welche einem gut gefällt.
Interessanterweise sind es nicht irgendwelche Doom&Gloomer oder Perma-Bären, die zur aktuellen Situation auch ihre Bedenken äußern, im Gegenteil, darunter befinden sich sogar Leute, welche von der momentanen Situation an den Aktienmärkten und ihren steigenden Kursen recht gut profitieren.
Der Vermögensverwalter Hendrik Leber (Acatis) äußert sich in einem Interview dahingehend, dass die Notenbanken durch die Ausgabe von Banknoten gegen Schulden oder minderwertige Assets Ansprüche geschaffen haben, denen kein Gegenwert entgegensteht. Die Rechnung zahlen die Pensionäre, so Leber. Alle Leute, die im Sozialversicherungssystem stecken, werden spätestens in 20 bis 30 Jahren die Zeche zahlen. Die Sozialversicherungen kaufen einen großen Teil der Staatsschulden in Form von Staatsanleihen, auch weil sie die Regierung durch die Aufsicht oder die Solvabilitätsregeln die Versicherungen geradezu, dazu zwingt.
So stehen auch die Lebensversicherungen und Pensionskassen nach der Zinssenkung im Regen. Denn viele Pensionsfonds und Versicherer stecken einen Großteil ihrer Gelder in festverzinsliche Anlagen. Mit Bundesanleihen lassen sich aber nur noch sehr niedrige Renditen erzielen. Der Präsident des deutschen Versicherer-Verbandes GDV, Alexander Erdland, warnt deshalb auch vor negativen Folgen für die private Altersvorsorge: 2012 verzeichneten die Lebensversicherer seinen Angaben zufolge für ihre Kunden zinsbedingte Mindereinnahmen von vier Milliarden Euro. Das wirkt sich auf die Höhe der Auszahlungen aus.
Mr. Market kommentiert die Auswirkungen der aktuellen EZB-Zinsentscheids aktuell ebenfalls in seinem Blog recht treffend:
"Wenn Sie demnächst von Ihrer Krankenversicherung eine drastische Beitragserhöhung erhalten, dann liegt das unter anderem daran, dass die Versicherungen den Rechnungszins senken müssen. Und die Ursache dafür sind die Notenbanken. Gleiches gilt für Ihre Lebens- und Rentenversicherungen. Was immer Sie da beim Abschluss für schöne Zahlen zu prognostizierten Renditen gelesen haben, vergessen Sie diese gleich. Sie werden nur die vertraglich garantierten Mindestbeträge erhalten. Und selbst für die müssen sich die Versicherungen extrem strecken um diese zu erwirtschaften. Es ist also nicht übertrieben zu sagen, die aktuelle Politik der Notenbanken führt zu verschärfter Altersarmut weiter Kreise der Bevölkerung. Und das ist nur eine Facette der üblen Konsequenzen die die aktuelle Politik der Notenbanken hat."
Thorsten Polleit sieht es ähnlich:
"So sinkt bei de facto Nullzinsen der Anreiz zur Ersparnis- und Kapitalbildung. Gleichzeitig steigt der Anreiz zum Konsum. Es kommt zur "Kapitalaufzehrung": Die laufenden Ausgaben gehen auf Kosten des künftigen Wohlstands.
Weiterhin schafft der Niedrigzins akute Probleme etwa bei Unternehmen, deren barwertige Pensionsverbindlichkeiten immer weiter anwachsen und nun an der Eigenkapitaldecke der Unternehmen zehren. Auch bei langfristigen Sparern steigen die "Versorgungslücken" weiter an durch die Tiefzinspolitik."
Der Start-Trading Blog "Wer glaubt noch an die Märchen der EZB":
"Durch das Senken der Zinsen soll die Wirtschaft in der Eurozone angekurbelt werden. Ein stimulierender Effekt soll dadurch entstehen. Dieses Märchen glaubt doch heute niemand mehr. Die Zinsen waren zuvor bei 0,75%. Das war schon tief und was hat es bisher gebracht? Nichts. Die Wirtschaft in der Eurozone kränkelt weiterhin. Warum nun der nächste Schritt, die Zinsen auf 0,5% zu senken, eine Besserung hervorrufen soll, dass weiß nur die Europäische Zentralbank.
Viel wahrscheinlicher ist, dass diese Maßnahme gar keine Wirkung entwickeln wird. Das ist auch naheliegend, da kein Unternehmen billiges Geld nachfragen wird, um zum Beispiel zu investieren, wenn es keine Aussicht auf Verkäufe ihrer Produkte hat. Kein Konsument wird sich ein Auto oder andere Güter kaufen, wenn er Sorge um seinen Arbeitsplatz hat. Das billige Geld wird also wieder einmal nur bis zu den Banken gelangen, die die Vorteile für sich selbst nutzen werden. Der Nutzen für die Bevölkerung ist gleich null.
Der Effekt einer Stimulierung würde nur funktionieren, wenn der kränkelnde Patient nicht todkrank wäre. So aber verpufft er. Man kann auch an der Entwicklung der Null-Zins-Politik der amerikanischen Notenbank FED verfolgen, dass auch ultrabilliges Geld den Patienten nicht heilen wird. Die Lösung heißt also nicht billiges Geld."
Zum Thema Altersvorsorge las ich übrigens heute morgen, dass hier u.a. Tages- und Festgeldkonten empfohlen werden. Dort würden die Anleger von Zinsen, die die Bank ihnen zahlt, profitieren. Das ist doch Volksverarsche pur, nicht wahr?
Es mag sich jeder selbst ausrechnen, inwieweit sein Vermögen bzw. Ersparnisse durch die finanzielle Repression sprich negativen Realzinsen in den nächsten Jahren aufgezehrt werden.
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!