Der massive Ausverkauf in Gold erfolgte im Future- bzw. "Papiergold"-Markt. Irgendwer hat, nachdem Gold ohnehin schon stark von 1900 auf 1500 nachgegeben hatte, eine unlimitierte Verkaufsorder im Äquivalent von 400 Tonnen Gold abgegeben, was den Goldpreis um 200 Dollar runterbrachte - der stärkste Rückgang seit 33 Jahren.
Diesem Verkäufer mangelte es, könnte man meinen, an Sensibilität. Hätte er sein Gold nicht zu besseren Preisen loswerden können, indem er es in kleineren "Portionen" sukzessive am Markt verkauft hätte (= versteckte Distribution)?
Diese Unsensibilität scheint laut Zerohedge (Artikel unten) jedoch planmäßig gewesen zu sein. Es gab offenbar einen "Big Player", der sehr genau wusste, dass er mit dieser riesigen unlimitierten Verkaufsorder einen wahren Erdrutsch im Goldpreis auslösen würde.
Wer es genau war, lässt sich kaum herausfinden. Infrage kommt ein großer Hedgefonds (Goldman?), der bereits zuvor Shortposis aufgebaut hatte und diese "in die Verkaufspanik hinein" glattstellen wollte. Ebensogut könnte aber auch eine große Notenbank wie die Fed hinter dieser gezielten Marktmanipulation stehen. Denn wenn Gold fällt, wirkt Gelddrucken ja scheinbar weniger inflationär - was das Gelddrucken als "nachhaltige Maßnahme" rechtfertigt. (Die Fed hat übrigens zu ungefähr derselben Zeit, als die Riesenverkaufsorder lanciert wurde, angekündigt, ihre Anleihenkäufe reduzieren zu wollen, was einer - Inflation entgegenwirkenden - geldpolitischen Straffung entspricht. Tja, und wenn es weniger Inflation gibt, was soll man dann noch mit so viel Gold ;-)....).
ZH kommt am Ende des langen Artikels (Link unten) zu dem Schluss, dass der Rücksetzer im Goldpreis eher Einstiegskurse liefert, weil der fundamentale "Case" für Gold wegen des weltweiten Gelddruckens nach wie vor gegeben sei.
Goldman "rät" aktuell, Gold-Shorts zu covern und long in Gold zu gehen. Bei 1600 hatte GS noch Gold-Shorts "empfohlen" (ebenso Soros). Aus solchen Sellside-Empfehlungen der Goldmänner wird man allerdings nicht recht schlau - obwohl sie sich in diesem Fall bewahrheiteten - , weil Goldman meist das Gegenteil von dem tut, was die Firma "öffentlich" empfiehlt. Es kann daher auch gut sein, dass "Rücksetzerkauf-Bullen" mit weiteren Futures-Abverkäufen seitens Goldman gesqueezt werden sollen.
Eine alternative Erklärung (von mir) ist, dass wir aktuell den Beginn des Auspreisens der "ewigen Geldflut" sehen. Die Spinstory, dass Alles weiter steigen muss, "weil" die Notenbanken drucken (betet ja inzwischen auch bei Ariva jeder Hinz und Kunz nach), hören wir seit nunmehr 5 Jahren. Viele Assets (vor allem Mist wie Junkbonds) sind wegen dieses Mantras bereits sehr viel höher gestiegen, als es fundamental gerechtfertigt wäre.
Zu meiner These passt, dass wir den Abverkauf ja auch bei anderen Rohstoffen wie Kupfer sehen. Die kursierende Begründung für die Kupferschwäche lautet, dass der Bau-Boom in China abebbt und daher die Kupfernachfrage sinkt. Mag sein. Ebensogut könnte aber - ähnlich wie beim Gold - der lange Uptrend "ausgelutscht" sein, so dass es schlichtweg an Dip-Buyern mangelt, die die Kurse hoch halten.
Ähnliches könnten wir demnächst am Aktienmarkt sehen, WENN sich erst mal ein Downtrend etabliert hat. Der würde dann ebenfalls "länger als erwartet" anhalten. Vor einer solchen Entwicklung haben die Notenbanker offenbar eine enorme Angst, da Aktienhöchstkurse ja ihre "Aushängeschilder" für eine angeblich solide Wirtschaft sind.
Womöglich erfolgte das gezielte Goldpreis-Drücken auch in Hoffnung, dass Zocker (aka "Anleger") von Gold in Aktien umschichten - man las entsprechende "Empfehlungen" in der US-Finanzpresse. Das würde ebenfalls für eine Notenbank (Fed) als "Täter" sprechen....
www.zerohedge.com/news/2013-04-23/...s-paper-gold-ultimate-disconnect
Auszug aus dem sehr langen ZH-Artikel:
...these large speculators are so big that they can affect the market as well as profit from it. When they initiate massive positions in a bull market, they drive the price of the futures contracts even higher. Similarly, when they remove their positions or actually go short, they can push the market lower.
So what happened a week ago was that a massive order to sell 400 tons of gold all at once hit the market. Within minutes the price plummeted, and over a two-day period resulted in the largest drop of the price for futures delivery of gold in 33 years: down $200 per ounce.
We don't have the name of the entity that did this. However, the way the gold was sold all at once suggests that the goal was not to get the best price. An investor with a position of this size should have been smart enough to use sensible trading tactics, issuing much smaller sell orders over a period of time. This would avoid swamping the market; and some of the orders would be filled at higher prices and thus generate more profit. Placing a sell order big enough to affect the overall market price suggests that someone with powerful backing wanted to drive the price of gold down.
Such an entity could have been a large speculator who already had a sizable short position and could gain by unloading some of its short position once the market momentum had driven the price even yet lower. Or it could be a central bank – one that might be happy to have the gold price move lower, as it would provide cover for its printing of more new money. Of course, it could be some entity that owned long contracts and wanted to get out of the position all at once. We don't know, but this kind of activity, resulting in the biggest drop in 30 years, raises more than just suspicion when we consider how important the price of gold is to many markets around the globe....