USA hat das Problem, dass die Wirtschaft um nur 1,5 % pro Jahr wächst, während gleichzeitig die Staatsverschuldung (die dieses Wachstum im Wesentlichen "generiert") um jährlich 7,5 % steigt. Da dies nun schon "seit Lehman" so läuft, ist es kein Wunder, dass die US-Schuldenquote auf inzwischen 107 % gestiegen ist. Das ist bereits höher als in manchen PIIGS.
Was also können die Amis dagegen tun? Sie könnten "sparen" (d.h. die Neuverschuldung reduzieren). Doch dann würde das eh schon anämische BIP-Wachstum erst recht zurückgehen, und die Wirtschaft womöglich sogar "deflationär schrumpfen".
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass BIP-Wachstum bzw. das BIP höher zu veranschlagen, als es tatsächlich ist. Genau dieses Taschenspielertricks will sich jetzt das US-Statistikamt bedienen. Dem US-BIP werden ab Juli "intangible assets" zugeschlagen, die es schlagartig um 3 % erhöhen.
Das BIP-Wachstum würde dann im 3. Quartal geradezu "explodieren": Allein schon wegen Zurechnung der "intangible assets" steigt es um 3 %. Hinzu kommen die 1,5 % tatsächliches BIP-Wachstum. D.h. die Amis könnten dann im 3. Quartal 4,5 %-Wachstum "vermelden" - was bei der üblichen "annualen" Angabe einem BIP-Wachstum von "sensationellen" 18 % entspricht.
Na, und wenn die Wirtschaft derart extrem "wächst", dann ist das mit der Staatsverschuldung (QE-Gelddrucken) doch gar nicht mehr so schlimm, oder? 18 % annuales BIP-Wachstum (Statistikamt-erzeugt) bringt bei 8 % Neuverschuldung rund 10 % inflationsbereinigtes Wachstum - wie einst in der "guten alten Zeit"....
Die News-Fritzen bei CBS, CNBC und Co. dürften sich geradezu "überschlagen" wegen dieser Erfolgsmeldung. Sofort würden auch Goldman und Co. das DOW-Kursziel auf 25.000 heben und vorrechnen, dass der DOW dann "angesichts des neuen Wachstumsschub", gepaart mit der "Energierevolution" durch Fracking, "immer noch sehr billig" wäre.
Die Lehmankrise würde als "komplett überwunden" dargestellt, die US-Banken wieder als "kerngesund" und die Restwirtschaft als strotzendes Bollwerk in einer ansonsten darbenden Welt. Amerika stünde, wie die Spindoktoren zu verkünden sich nicht nehmen ließen, vor einem ebenso ungeahnten wie ungeheuren Durchbruch. "Endlich greifen die QE-"Maßnahmen", würden sie herausposaunen.
Na, und zeigt das nicht, dass auch Japan jetzt genau das Richtige tut? Wenn es in Amiland klappt, dann werden es doch wohl auch diese schusseligen Japse irgendwie hinbekommen. Der Nikkei steigt ja bereits wie an der Schnur gezogen. Und haben die Börsen nicht "immer Recht"? Im Nachhinein können selbst finsterste Pessimisten nicht mehr leugnen, dass der ganze Anstieg der Weltbörsen seit 2009 eine einzige "große Vorwegnahme" der nun laufenden Entwicklung war! Inzwischen sollte auch den letzten konservativen Spaßbremsen dämmern, dass Gelddrucken TATSÄCHLICH die Lösung aller Probleme und der Heilige Gral der "neuen Wachstumswirtschaft" ist. Die Börsen haben es wieder mal - wie üblich - als Erste erkannt.
Höchste Zeit also, dass auch in Europa die kleinkarierten Vorurteile pfennigfuchserisch-doktrinärer Notenbanker, Politiker und sonstiger Bedenkenträger beiseite gewischt werden, damit die EZB endlich mit einer hauseigenen grandiosen Geldflut das Tor zum erlösenden "ewigen Wachstum" aufstoßen kann. Genau wie es IWF-Chefin Lagarde - mal warnend, mal frohlockend - unablässig fordert (# 768). Immerhin war Lagarde Europameisterin im Schwimmen. Daher hat sie mit Fluten, durch die sie Arm rudernd vorprescht, bereits seit frühester Kindheit animierenden Hautkontakt.
Nach diesem Bläh-doyer zurück zu den Amis. Was genau sind denn nun diese "intangible assets", die die Statistiker ab Juli dem BIP zuschlagen wollen? Ganz einfach: Es sind Hollywood-Filme, Videos, Magazine, iTune-Songs - all diese von "den kreativsten Köpfen der Welt" (aka Disney) hervorgebrachten Text-, Ton- und Bild-Werke, die weit mehr sind als schnöde Unterhaltung - nämlich BIP-wirksame Assets. Außerdem sollen dazu ab Juli die potenziell bahnbrechenden Ergebnisse der US-Industrie- und Grundlagenforschung (R&D) zählen. Bislang flossen die mit R&D verbundenen Kosten negativ ins US-BIP ein. Ab Juli wird R&D von den US-Statistikern als "Investment" bzw. "intangible Assets" (= BIP-positiv) bewertet. Allein dies "schindet" 2 % Extrawachstum für's BIP.
Fehlt eigentlich nur noch, dass in USA demnächst der "Erholungswert" der tollen Naturparks, Landschaften und schönen Seen dem BIP zugeschlagen werden, weil dieser potenziell Gewinn steigernd für die Freizeit-Industrie genutzt werden könnte. Nicht zu vergessen die frische Brise an Atlantik und Pazifik, die fast so belebend wirkt wie die (dünne) Luft, aus der die Fed tagtäglich ihr frisches Geld schöpft...
www.zerohedge.com/news/2013-04-21/...ing-addition-intangibles-economy
...What exactly will constitute GDP growth going forward? In a word, intangibles: films, books, magazines and iTunes songs.
“We’re capitalising research and development and also this category referred to as entertainment, literary and artistic originals, which would be things like motion picture originals, long-lasting television programmes, books and sound recordings,” said Mr Moulton.
(he he he. "Long lasting tv programs" - war auch höchste Zeit diese den "langlebigen Wirtschaftsgütern" zuzuschreiben... A.L.)
At present, R&D counts as a cost of doing business, so the final output of Apple iPads is included in GDP but the research done to create them is not. R&D will now count as an investment, adding a bit more than 2 per cent to the measured size of the economy.
...the only reason for this artificial "boost" to the US economy which apparently can be any old arbitrary number agreed upon by a few accountants, and which always goes up post revision, never down, is to make US debt/GDP under 100% once again, if only very briefly. Surely a few months later something else can be "added" to GDP making the US economy appear better than it is once more....