Hier mal eine knappe Zusammenfassung von mir aus # 618:
Eine spanische Bank ist pleite und hat bereits alle Wertpapiere in ihrem Besitz an die EZB verpfändet. Um aus der finanziellen Klemme zu kommen, leiht sie sich nun von einem Dritten - gegen Gebühr - z. B. deutsche Staatsanleihen und reicht diese anschließend bei der EZB ein. Bei diesem REPO-Geschäft erhält sie von der EZB 100 % des Nominalwerts in Cash, obwohl ihr die Anleihen überhaupt nicht gehören.
Der "Dritte" ist z. B. J. P. Morgan London. JPM hat einen großen Namen und kann sich die Staatsanleihen z. B. von einem großen Rentenfonds in Frankfurt - ebenfalls gegen Gebühr - leihen. Der deutsche Rentenfondsmanager freut sich, weil die Staatsanleihen (samt Zinseinkünften) in seiner Bilanz verbleiben und er obendrein noch "Einnahmen aus Wertpapierleihe" kassieren kann. Das ist in der Ära knapper Renditen auf sichere Staatsanleihen ein willkommenes Zubrot.
JPM erhält diese Staatsanleihen nun als Leihe vom dt. Fonds und verleiht sie an die bankrotte spanische Bank weiter. Dafür nimmt JPM von den Spaniern ebenfalls ein Gebühr, die wegen des höheren Ausfallrisikos allerdings deutlich höher ist als die, die JPM an den Frankfurter Rentenfonds zahlen muss. JPM nutzt daher seinen "großen Namen", um als Mittelsmann die saftige Gebührendifferenz einzustreichen. Und JPM-CEO Dimon zahlt sich am Jahresende einen extragroßen Bonus.
Die spanische Bank erhält nun von JPM die deutschen Staatsanleihen (die juristisch nach wie vor dem dt. Rentenfonds gehören) und reicht sie als REPO bei der EZB ein. Die Bank erhält 100 % Cash darauf, obwohl sie bankrott und eigentlich nicht mehr kreditwürdig ist.
Der ganze Deal steht und fällt damit, dass die spanische Bank am Fälligkeitstag X die Anleihen bei der EZB wieder auslösen kann. Ist das Geld am Tag X indes verbraten - z. B. wegen "überraschender" Verluste aus weiteren faulen Krediten, zu hoher Boni und/oder einem weiteren Konjunktureinbruch in Spanien - dann platzt das ganze Geschäft. Die spanische Bank hat dann praktisch die Staatsanleihen der Frankfurter Fondsgesellschaft "verspielt".
Bilanziell wird das Ganze weder bei der spanischen Bank noch bei JPM noch beim deutschen Rentenfonds "sichtbar". Letzterer hat die Staatsanleihen ja formell immer noch in der Bilanz, wenn auch mit der Fußnoten-Anmerkung "verliehen".
Das Gesamtvolumen dieser Tri-Party-Repo-Geldschöpfung liegt bei 6 Billionen Euro, was in etwa dem BIP Chinas entspricht.
Am 15. März sind etliche solcher Tri-Party-Deals in die Hose gegangen. Zyprische Banken konnten die geliehenen Anleihen, die sie als REPO deponiert hatten, wegen Geldknappheit nicht mehr auslösen. Die Leihe platzte. Im Bankerjargon heißt das "fail to deliver".
Teilweise war nicht einmal mehr nachvollziehbar, wo sich die verliehenen Anleihen überhaupt noch befinden. Das war der magische Moment, an dem die EU ihr neues "Bail-in"-Konzept präsentierte. Das Schneeball-System der "unter-der-Hand-Geldschöpfung" (unter Einbeziehung von REPO/EBZ) hatte ein Stadium erreicht, in dem das Ponzi-Rad bei bestem Willen nicht mehr weiter zu gedreht werden konnte. Also mussten nun erstmals die Bankkunden mit ihren Einlagen ran.
Spannend bleibt, was eigentlich mit den Rentenfonds und (Lebens-)Versicherungen passiert, die diese "AAA-Staatsanleihen" in ihrer scheinbar immer noch makellosen Bilanz führen, obwohl der Gegenwert längst in den PIIGS und Zypern "verspielt" worden ist. 6 Billionen sind ja kein Pappenstil.