Höchstwahrscheinlich schwant Bernanke selber, dass Aktienmarktanstiege den Massenkonsum nicht recht beflügeln können, eben weil "der Vermögenseffekt nicht stark genug in die Breite geht" (Gärtner).
Es könnte aber sein, dass Bernanke ein Art Überschwapp-Effekt vom Aktienmarkt auf den US-Hausmarkt für möglich hält - im Sinne einer neuen "generellen Assetblase". Dafür spricht, dass US-Finanzmedien jeden noch so lächerlichen Anstieg der Hauspreise geradezu tosend bejubeln und mit Prozentrechnungs-Tricks eine starke Erholung ab den Preistiefs vorzugaukeln versuchen, die real nicht nennenswert zu beobachten ist (hatte ich in diversen Postings im BT bereits dargelegt).
Hauspreisanstiege sind pychologisch wichtig, weil sie Hausbesitzer von der Last des negativen Eigenkapitals befreien. Dabei ist es egal, ob dieses "negative equity" durch Hauskauf am Blasenhoch (mit nachfolgendem Preisverfall) oder durch zu hohe hypothekare Beleihung (HELOC) in dieser Zeit entstanden ist. Nach starken und nachhaltigen Hauspreisanstiegen würden sich die US-Hausbesitzer wieder "fiktiv schuldenfrei" fühlen. Ich schreibe "fiktiv", weil der gestiegene Hauswert dann zwar wieder den Kredit deckt, der Kredit selbst aber dadurch nicht geringer geworden ist. D..h. gesunken ist dann lediglich die "psychologische Last" aus dem Kredit. Dennoch würde dies weiteren Konsum anschieben - wegen Wegfall dieser psychologischen Last.
---------
EXKURS:
Hier gibt es interessante Parallelen zur (US-)Staatsverschuldung. Diese wird ja auch als umso weniger belastend betrachtet, je stärker das BIP wächst, OBWOHL die absolute Summe der Staatschuld wegen fortlaufender Neuverschuldung immer weiter steigt. US-Hausbesitzer hatten dieses Modell gleichsam auf ihr Privatleben übertragen (wozu sie Bernanke auch explizit "animierte"), indem sie das Haus als Geldautomaten zweckentfremdeten. In beiden Fällen liegt ein Schneeball-System vor, das von der Erwartung "ewigen Wachstums" bzw. "ewiger Preisanstiege" getrieben wird. Bernanke hatte zur Rechtfertigung der Hausblase 2005 sogar verkündet, dass die Hauspreise seit der Großen Depression nicht mehr gesunken seien und dass nichts für eine Preisumkehr spreche. Das war ein fataler Irrtum, der zum Bankencrash in 2008 führte.
Die gleiche Erwartung hegt Bernanke heute bezüglich "ewigen BIP-Wachstums". Da sich dieses organisch nicht einstellen will (eine Folge der Überschuldung), druckt Bernanke das erforderliche Geld zum Füllen der Lücken kontinuierlich nach (QE-Eternity). Hier beginnt bereits der Selbstbetrug. Die nächste "böse Überraschung" steht für Bernanke in Haus, wenn er eingestehen muss, dass die QE-Wirkung mit der Zeit verpufft, dass QE nur die Risiken erhöht hat, und dass QE inflationsbereinigt und realwirtschaftlich folgenlos geblieben ist; d.h. dass die US-Wirtschaft TROTZ fortlaufendem QE nicht mehr weiter wächst oder gar schrumpft (Tendenz zeigte sich bereits in IV/2012). Dann dürfte es mit dem Washington/Wallstreet-Hedonismus und dessen Wahn, mit Schulden alle Probleme lösen zu können, vorbei sein. Die Fed hätte sämtliches Pulver ergebnislos verschossen. Dem Platzen der Haus/Kredit-Bubble in 2008 würde dann das - von Bernanke ebenfalls für "unmöglich" gehaltene - Platzen der Stimulus-Bubble folgen.
------
Dies bestätigt auch das Ergebnis der Studie von Karl Case (zitiert im Gärnter-Blog): Die Studie fand "at best weak evidence of a link between stock market wealth and consumption." [But] "when housing prices go up, people really do seem to spend more — so a housing recovery is worth cheering".
Bernankes PROBLEM ist jedoch, dass der US-Hausmarkt von der durch ZIRP und QE angeschobenen "generellen Assetblase" nur stark unterproportional profitiert. Der o. g. Überschwapp-Effekt findet nicht in erhofftem (bzw. er-spekuliertem) Umfang statt. Es gibt halt keine Haus-Futures, die die Fed pumpen könnte (ersatzweise kauft sie MBS). Außerdem ist der 5 Billionen Dollar schwere US-Immobilienmarkt schlicht "zu schwer" zum Aufpumpen. Man sollte dem Kürzel TBTF (too big to fail) noch ein zweites, weit wichtigeres zufügen:
THTL = too heavy to lift
Daher rührt auch der unbeschreibliche Hype für jede paar Dollar Hauspreisanstieg in den US-Finanzmedien. Diese sind offenbar darauf "gebrieft", zumindest psychologisch das herbeizubeten, was die Realität partout nicht liefern will: Die Illusion der Rückkehr zu ewigem (Preis-)Wachstum.
REALITÄT NR. 1
Neubauverkäufe in USA nach 1990:
(Erholung = wo?) (Verkleinert auf 92%)

