Überall - von Marketwatch in USA bis n-tv bei uns - dröhnen dieselben "Marktflüsterer", die den 2008-Crash nicht kommen sahen, dass der Aktienmarkt zurzeit sehr günstig bewertet sein soll: Das KGV sei deutlich niedriger als 2007, weil die aktuellen Unternehmensgewinne so hoch sind.
Wir haben deshalb angeblich - trotz Höchstständen - Einstiegskurse ;-)
Der Aktienmarkt wird nicht nach den laufenden Gewinnen (bzw. dem aktuellen KGV) bewertet, sondern nach dem "Forward"-KGV, d. h. nach den Gewinnen, die Wall Street in der Zukunft erwartet. Dabei üben sich die Gurus regelmäßig in Hedonismus. Gewinne gemäß "Forward-KGV" - aktuell z. B. die für 2015 - werden stets um rund 5 % zu hoch angesetzt und dann im Laufe der Zeit nachträglich runterrevidiert, d.h. der Realität angepasst.
Die "Schlangen" im Chart unten zeigen die mit der Zeit abfallenden Konsensschätzungen. So wurden z. B. (in der obersten Schlange) im Jahre 2011 die forward-Gewinne für 2013 mit 120 Dollar veranschlagt. Aktuell ist diese Linie auf nur noch 107 Dollar gesunken.
Dass alle diese Schlangen "fallen", ist Ausdruck des verbreiteten Wallstreet-Hedonismus. Es wird anfänglich groß was versprochen, was die Realität dann aber nicht einhält. Am schlimmsten war es 2009. Im Jahr 2007 wurden für 2009 forward-Gewinne von 118 Dollar "vorhergesagt". Als das Jahr 2009 erreicht war, lagen sie jedoch um die Hälfte tiefer - bei 60 Dollar. (Dies ging mit einer Halbierung des SP-500 einher...)
Geht man nicht davon aus, was Wall Street für die Zukunft wähnt, sondern davon, was am Ende von diesen Erwartungen übrig bleibt, so ergibt sich eine Gewinnkurve, die zurzeit waagrecht abflacht (gelb gepunktete Linie). Demnach wie das Hedonismus-bereinigte Gewinnniveau für 2013 NIEDRIGER sein als das für 2007. Da Aktien fast so hoch notieren wie 2007, ist das KGV daher zurzeit noch HÖHER als am Blasen-Top in 2007.
Aktien sind folglich mitnichten günstig bewertet.
ZH: Yet what the second chart below shows is that when one normalizes for the recent historical pattern in earnings, the consensus 2013 earnings forecast will once again be a major disappointment, and will end up being drastically reduced. In fact, if one extrapolates the inverted curved yellow line of what actual S&P earnings have been in recent years, it is very likely that not only has the broader economy peaked, but so have corporate revenues, margins and earnings, and at this point any profit growth will be very limited at best.
www.zerohedge.com/news/2013-02-09/...-earnings-were-projected-be-2007
In USA scheinten Umsätze, Margen und Gewinne zurzeit auszutoppen, dürften künftig daher sinken. Der Markt hat diese kommende Abwärtsrevidierungen nicht nur nicht eingepreist, sondern stattdessen die (in der Tat) hohen aktuellen Gewinne per Strichverlängerung "forward" extrapoliert - genau wie für 2009...
Enttäuschung ist daher vorprogrammiert.
FAZIT: Aktien sollte man verkaufen und/oder shorten. Zig verkaufende Insider wie Google-Finanzchef Schmidt, der gerade angekündigt hat, für 2,5 Mrd. Dollar Google-Aktien abzustoßen, sind ein weitaus besserer Indikator als das Gesülze der Bläh-Gazetten.
(Verkleinert auf 62%)

