U. a. in # 790 hab ich geschrieben, wie wichtig die "Psychologie" - man könnte auch sagen, der "Hype" - ist, um den "Bullenmarkt" (aka das Ponzi-System) weiter nordwärts zu treiben.
Da viele Marktteilnehmer Charttechniker sind und auch viele Handelssysteme auf CT basieren, gibt es sogar einen Zwang, dass sich die Charts weitgehend entsprechend dem, was psychologisch zur Stützung vonnöten ist, verhalten.
Ein starker Rücksetzer von über -30 % könnte diese Psychologie kaputt machen, starke Zweifel aufkommen lassen und und das Ponzi-System mithin zerstören. Er "darf" daher nicht passieren. Es ist insofern kein Wunder, dass der Markt an kritischen Unterstützungen (ein Tribut an die CT-ler) zuverlässig "von magischer Hand" wieder gehoben wird.
Die Beobachtungen von Longorshort (LoS) in # 818 waren charttechnisch schlüssig und im Endergebnis korrekt, eben weil die Anstiege eine notwendige Voraussetzung sind, um die Party am laufen zu halten - sprich: Anleger (inkl. Fonds) in den Markt zu ziehen und ihn damit höher zu treiben.
LoS nennt in # 820 aber zugleich die Gefahren, nämlich die Tatsache, dass das Bankensystem und zunehmend auch die Staaten am Rand der Pleite stehen. Diese Fundi-Bomben werden von den Märkten aus o.g. Gründen hedonistisch ignoriert.
Denn bei einem starken Markteinbruch würden die News, die jetzt unterdrückt werden (Zypern-Pleite, Hollands 10-Mrd. Bankschieflage usw.) sehr viel stärker zur Kenntnis genommen: Die News-Schreiberlinge würden sie in einen Kausalbezug mit den Kurverlusten bringen und so das Abwärtsmomentum "selbst tragend" machen.
Im Moment läufte es noch umgekehrt: Am Freitag wurden von den Marktmeinungs-Machern die Anstiege der ISM- und Verbrauchervertrauen-Zahlen (= Stimmungsindikatoren) "gefeiert", obwohl die viel wichtigeren Fundi-Daten zum Housing- und Arbeitsmarkt sowie zuvor zur US-BIP-Schrumpfung grottig ausgefallen waren.
LoS hat daher in # 820 selber die implizite "Widerlegung" von # 818 gepostet. Die Anstiege sind vor dem Hintergrund der starken Schieflagen ein von Hype und CT gesteuerter Ritt auf der Rasierklinge. Es kann durchaus noch weiter steigen - und müsste es charttechnisch auch, weil nur so die Pferde weiter saufen. Doch das Kapital der Kleinanleger, die jetzt wie üblich als letzte in den Markt drängen, ist endlich. Und die Großen wollen verdienen, bislang "nach oben", bei Versiegen der "Deppen-Quelle" aber auch gern nach unten. QE-Kapital lässt sich für Trades aller Art einsetzen ;-) Wer also meint, das viele Geld müsse die Märkte zwingend nach oben bringen, könnte am Tag X auch ganz gehörig daneben liegen.
Dass dieser Tag X nicht mehr allzu fern ist, zeigt die ans Lächerliche grenzende Selbstgefälligkeit in manchen eher bullischen Threads, und daher auch mein "frecher" Link in # 807.
QE hat zwar eine Präferenz für long, weil QE eigentlich system-destablisierend ist (wegen Währungszersetzung). Daher müssen die Anstiege die Zweifel beiseite wischen bzw. für die Geldwertverluste aus QE (über-)kompensieren.
Wenn es hart auch hart geht, werden sich die Zockerbanken aber auch nicht scheuen, den so wunderbar hochgehypten Markt in Grund und Boden zu shorten. Sie sind letztlich diejenigen, die durch das QE/Fed-Kapital die Macht haben, den Markt so zu lenken, dass sie maximal verdienen. Und da es vor Bulligkeit nur so trieft, wird die Richtung maximaler Gewinne demnächst "südwärts" zu suchen sein. Dafür sprechen auch die meisten Aktiensentiment-Indikatoren.
Der Markt verhält sich stets so, dass die Masse abgestraft wird (und die Zockerbanken,. die ihn - in Kooperation mit der Fed und den News-Outlets - steuern) maximale Gewinne einfahren). Und dass die Masse zurzeit ueber-Bullisch ist, muss ich wohl nicht betonen.