Blickt man in Permanents Ökonomen-Thread der ehemaligen Stammbären, fällt auf, dass eigentlich intelligente Leute - neuerdings erstaunlich kritiklos - dem "Aufschwung" huldigen. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund, dass die Börsen seit nunmehr fünf Jahren ohne schwere Rücksetzer gestiegen sind und "der Markt ja immer Recht hat" - egal wie stark er manipuliert wurde.
Dass umgekehrt die wenigen hier verbliebenen Stammbären die grassierende Marktmanipulation (nach wie vor) als stark verzerrend und nicht nachhaltig kritisieren, wird als "Verschwörungstheorie" abgetan. Wir seien halt "Verzocker", die von den Anstiegen frustriert sind, und suchen nun einen "Schuldigen", etwa in Gestalt Bernankes, Draghis oder "der Goldmänner".
Doch die Tatsache, dass die Märkte in der Tat stark manipuliert sind, lässt sich leicht belegen: Beim Staatsanleihen- und MBS-Kauf der großen Zentralbanken ist das längst kein Geheimnis mehr. Die Aufkäufe werden sogar offiziell in den Rang eines (Keynes-)Programm erhoben. Ziel ist, die Zinsen am langen Ende "herunter zu manipulieren" - d.h. gegen den Markt zu beeinflussen. Hinzu kommen betrügerische Aktivitäten wie die gezielten Manipulationen des Euribors (Zins-Manipulationen) durch europäische Banken. Wohl dem, der das Alles für rechtens, "normal" und für "freie Marktwirtschaft" hält.
Wenn ich diese offenkundigen Manipulationen seitens der Zentral- und Zockerbanken als nicht nachhaltig und "radikal" abkanzle, kommen die Belehrer [Permanent, Musicus] aus dem Ökonomen-Thread, um mich hier endlich "zur Vernunft" zu bringen. Andere machen es sich noch einfacher und stellen mich in die Radikalenecke - je nach Tageslust in die rechts- oder linksextreme oder gar antisemitische [Fillorkill].
Es fällt auf, dass dieselben Leute, die mich nun in geradezu religiösem Eifer belehren wollen, zur Begründung ihres eigenen Standpunkts im Ökonomen-Thread relativ kritiklos das Geschwätz von Handelsblatt, Wall Street Journal und Marketwatch/CNBC wiedergeben, wo Redakteure das "Lied" ihrer Anzeigenkunden (Fondsindustrie) und ihrer Klientel (Politiker) singen. Contrade hat diesen Sell-Side-Irrsinn in # 730 treffend auf den Punkt gebracht.
Zur "Alles-ist-gut-Gebetsmühle" zählt auch, die autokratischen (= keiner demokratischen Kontrolle unterworfenen) Zentralbank-Manipulationen als "ganz normale Geldpolitik" hinzustellen - gern ergänzt mit dem Merkel'schen Dauerbrennerargument, dass diese Politik "alternativlos" sei, weil sonst Niedergang und Vandalismus drohten. Dementsprechend werden auch Draghi und Bernanke in Schutz genommen. Weidmann hingegen wird, ähnlich wie ich, in die "Radikalenecke" gestellt, obwohl er erzkonservative Geldpolitik anstrebt.
So kommt es zum Kuriosum, dass Leute, die sich selber als eher konservativ ("Geschäftsleute") verstehen, einer äußerst unsoliden - weil letztlich gemäß Mises zwangsläufig im Währungskollaps endenden - Geld- und Fiskalpolitik das Wort reden.
In USA stammt seit 2009 ein Großteil des berichteten BIP-Wachstums aus Staatsausgaben, die aus der Notenpresse finanziert werden. Man sieht es an den aktuellen Zahlen: Sobald die Ausgaben im Militärbereich reduziert werden (vor Obamas Wiederwahl wurden die Militärausgaben stark gesteigert, um 3,1 % BIP-Wachstum "vorzeigen" zu können), kommt in USA das erste Schrumpfquartal seit 2009 (# 723).
Faktisch haben Geithner, Bernanke und Co. im 4. Quartal über 300 Mrd. Neuverschuldung ergebnislos verballert. Und das soll - gemäß Konsens (inkl. Ariva-Nachbeter) - noch konstruktive Geldpolitik sein? LOL.
Wir lernen daraus: Die laufende Gehirnwäsche auf allen Kanälen (# 730) geht (zumindest vorerst noch) auf. Sie reicht von den fragwürdigen staatlichen "Zahlen"-Friesieren über schön-redend-verlogene Hedonisten-Politiker bis zur selbst verordneten Sell-Side-"Euphorie" der Finanzindustrie. Mich erstaunt, dass dieses ideologische Konglomerat selbst ehemals kritische Geister aus dem Bären-Thread "umkrempelt", die offenbar aus ihrem konservativen Selbstverständnis heraus nicht wagen (= Merkel-Syndrom), ernsthaft hinter die Kulissen des globalen Potemkin'schen Aufschwungsdorfes (= überall Zentralbank-Schulden-finanziert) zu schauen. Es ist ja auch so wonnig, im großen Ganzen aufzugehen. Wer ausschert wie Weidman, wird platt gemacht...
Für mich ist der "konservative Exodus" der ehemaligen Stammbären ein Kontraindikator und ein Top-Signal erster Güte. Deren Abwanderung wird zwar formal u. a. mit meinem "zunehmenden Radikalismus" und/oder mit der Aussperrung Malkos begründet. Man muss sich jedoch - im Sinne meiner Kontraindikator-Hypothese - fragen: Ist es wirklich Zufall, dass Malkos (zuvor eher verkappte) Provokationen mit steigenden Börsenkursen immer stärker wurden und immer mehr unter die Gürtellinie zielten? Haben die prozyklischen Markt- und Politikversteher nicht gerade durch die - alle Fundmental-Kritik scheinbar vom Tisch wischenden - Börsen-Hochs Oberwasser gewonnen? (Man blicke dazu nur mal in die Historie des BT nahe dem 2007-Hoch, als mit steigenden Börsenständen ebenfalls die Bullen-Häme wuchs). Die Bullen-Häme kommt übrigens von denselben Leuten, die am Tief in 2009 äußerst pessimistisch waren und u. a. die Pleite großer deutscher Autokonzerne prophezeiten (= typische Kleinanleger?).
A.L.