In US-Medien wie dem CNBC-Artikel unten (head tip to Permanent) mehren sich Stimmen, die für 2013 starke Kursverluste für AAA-Staatsanleihen aus USA, Deutschland und Großbritannien vorhersagen. Die "Bond-Blase" soll also 2013 platzen.
Als Grund werden Hinweise der Fed (in den "minutes" von 4. Jan.) angeführt, dass QE in 2014 enden soll. (Ich halte dies übrigens für "jaw bowing" - verbale Drohgebärden - , um einer Überhitzung im Bond- und Aktienmarkt gegenzusteuern. In normalen Zeiten hätte die Fed mit Leitzinserhöhungen "gedroht"). Außerdem habe QE inzwischen an Wirkung verloren, weil die Bond-Zinsen bereits extrem tief und kaum weiter zu drücken sind.
Damit das Ganze zu einer Bull-Spinstory wird, fügt der im CNBC-Artikel zitierte Fondmanager David Roche auch gleich hinzu, wohin das viele im Bondmarkt frei werdende Geld fließen "soll" - nämlich in den Aktienmarkt.
In meinem detaillierten Kommentar am Ende dieses Postings erhebe ich gegen diese Interpretation schwere - und wie ich meine triftige - Bedenken...
Adding to a rising chorus of analysts warning of a potential bond market crash in 2013, is David Roche, president of Independent Strategy, who says
…All of these safe haven bond markets are about the most dangerous thing you can hold," Roche told CNBC on Thursday.
Worries about an impending bust in the world's largest sovereign bond market - the U.S. - have heightened following the release of the Federal Reserve's latest minutes on January 4, which hinted that the beginning of the end is in sight for the central bank's ultra-loose monetary policy.
The Fed's hawkish tone sent bond yields climbing higher, with the benchmark 10-year note hitting an 8-month high at the beginning of the month, however, they have since pared back losses.
Yields on benchmark Treasurys have fallen around 200 basis points over the past five years as weak economic growth and volatile stock markets sent investors into safe-haven bonds.
But now there are several factors that point to a bond bubble burst in 2013, said Roche.
An earlier-than-anticipated return of inflation in the second-half of the year as a result of past easy monetary policy and "extreme" valuations in the asset class will drive the crash, together with what Roche sees as "a lessening impact of quantitative easing (QE) on sovereign bond markets, principally due to declining marginal returns." (siehe: Der Kollaps zentralbanklicher Planwirtschaft in xxx).
The Fed, which has launched three rounds of bond purchases since the financial crisis hit - the most recent being QE3 in September 2012 - has played a critical role in suppressing debt yields. However, with yields already so low, the effectiveness of quantitative easing is now being called into question, Roche said.
"The talk is of changing tack — even in the Fed according to its last minutes and at the Bank of England, where it is almost consensus that QE is a spent force.
Once central banks stop buying, the bull market bond story is over because it is central banks that have been rigging the bond market, buying between 30-40 percent of all net new issuance," Roche said.
Either a halt to central bank bond purchases or inflation
would mean a wall of money would flow out of the credit space and towards equities and commodities, he added..... (Auslassung)
....Roche said a 200 basis point increase in 10-year Treasury yields, would cause a 15-20 percent decline in the value of those bonds....(lange Auslassung)
www.cnbc.com/id/100386296Mein detaillierter Kommentar: Dass die durch massive Marktmanipulation der Zentralbanken auf Mondkurse gehobenen AAA-Staatsanleihen - und in derem Schlepptau Unternehmensanleihen (auch wegen ZIRP) - in 2013 nachgeben könnten (evtl. sogar deutlich), halte auch ich für möglich. Eben weil bei QE der Grenznutzen bereits überschritten ist.
Siehe dazu die Grafik zum "Lebenszyklus zentralbanklicher Planwirtschaft" in # 514:
www.ariva.de/forum/...SA-Baeren-Thread-283343?page=4100#jumppos102514Wall Street propagiert derzeit vorauseilend, dass die im Bondmarkt frei werdenden Gelder in den Aktienmarkt fließen werden. Dies glauben bei Ariva auch Permabullen wie Lehna.
Dabei wird mMn Folgendes unterschätzt:
Es gibt wegen der massiven weltweiten Zentralbankmanipulationen eine historisch noch nie da gewesene Parallelblase am Aktien- und Bondmarkt. Sämtliche Assets inkl. Rohstoffe wurden "im Tandem gehoben". Ursache war die Unmenge an billigem Geld - zum einen aus Geldgedrucke (QE, LTRO), zum anderen aus der Nullzinspolitik.
Wenn Staatsanleihen - wie im CNBC-Artikel angekündigt - deutlich fielen, weil Anleger (u. a. aus Inflationsangst) auscashen, dann würden deren Renditen zwangsläufig hochschießen.
Damit endete die staatliche und zentralbankliche "Hyperliquidität", die die 2007 ausgetrocknete "private Hyperliquidität" ersetzte. Dem System würde - mit anderen Worten - massiv (Spiel-)Geld entzogen.Damit könnte der General-Trend seit 2009 umgekehrt werden, der dadurch gekennzeichnet war/ist, dass sämtliche Assetklassen - Aktien, Bonds, Rohstoffe usw. - im Tandem stiegen. Diese "Parallelblase" in allen Assets würde dann "synchron rückabgewickelt" - und es GÄBE keine Umschichtungen von Bonds in Aktien.
Das Umschichtungsdenken ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Zentralbanken noch "normal" agierten - und nicht wie jetzt als Markt-verzerrende Ober-Bailouter, Staatsfinanzierer und "Keynesianische Zentralplaner".
Steigende Zinsen am langen Ende, die zwangsläufig aus den Bondverkäufen resultierten, würden die Inflationsängste weiter verstärken. In einer Weltwirtschaft, die kaum organisch wächst, kämen dann berechtigte "Stagflation"-Sorgen auf.
Stagflation ist in dem Kontext nichts anderes als die nächsthöhere Stufe der jetzigen "finanziellen Repression": Aktuell verliert Geld durch Gelddrucken ca. -2 % pro Jahr an Wert, während die Leitzinsen bei Null sind. Bei Stagflation verliert Geld dann z. B. -5 % pro Jahr an Wert, während die Leitzinsen bei 3 % sind. Das ist unter Geldentwertungs-Aspekten "äquivalent". Fatal indes ist es für die Staaten, die im Zuge von QE/LTRO Unmengen an Staatschulden herausgegeben haben. Denn dadurch würde sich der Anteil an Steuergeldern, der für Zinszahlungen ausgegeben werden muss, drastisch erhöhen - was die eh schon angeschlagenen Staatsbilanzen noch tiefer in den roten Bereich drückte. Es hat schon einen guten Grund, dass die staatlich Schuldenquote nach herkömmlicher ökonomischer Lehrmeinung nicht über 100 % steigen sollte, weil sonst bei aufkommender Inflation die Gefahr besteht, dass der Staat pleite geht. Das ist - nach derselben Definition - der Fall, wenn mehr als 40 % der Steuereinnahmen für den Zinsdienst aufgebracht werden müssen.
In vielen Staaten LIEGT die Schuldenquote bereits über 100 %, neuerdings auch in USA (103 %). Steigende Zinsen sind in dem Kontext Gift. Deshalb hält die Fed ja auch so eisern an QE fest.
Steigen die Zinsen, wird in ALLEN hoch verschuldeten Staaten - nicht zuletzt in USA - die fiskale Lage zunehmend prekär. Mit "noch mehr Schulden" und Schuldengrenzenaufstockung ist dem dann kaum mehr beizukommen.
Bondverkäufe am langen Ende sind daher ein Gefahrensignal!
Die Inflationisten-Fraktion (zu der seit einigen Jahren auch die Permabullen zählen) behauptet - dessen ungeachtet - nimmermüde, dass steigende Inflation "gut" für den Aktienmarkt sei, weil Aktien ja Sachwerte sind und bei Inflationsgefahr nachgefragt würden, weil Anleger "in Sachwerte fliehen".
Ich möchte als Gegenargument auf die Stagflation der 1970er Jahre verweisen. Sie leitete eine 16-jährige Periode ein, in der Aktien stark volatil seitwärts liefen. Der DOW kam in der Zeit nie über 1000 Punkte hinaus, erlitt aber periodische Einbrüche um bis zu -42 Prozent:
www.ariva.de/forum/Der-Doomsday-Baeren-Thread-245194?page=0#jumppos2 (siehe auch den Chart am Ende dieses Postings)
Auch damals wuchs die Wirtschaft nicht, hatte aber immerhin noch Potentialwachstum. Dieses fehlt heute zusätzlich. Die Lage ist derzeit also weit schlimmer als in den 1970ern.
FAZIT:
Wenn Longbonds tatsächlich fielen (was angesichts latenter Deflationsgefahren und daraus resultierendem "Renditenotstand" keinesfalls sicher ist, siehe Argumente von David Rosenberg), dann würden höchstwahrscheinlich alle anderen Assetklassen inkl. Aktien mit fallen. Die Zeichen stünden dann auf "risk off". Die von Bullen propagierte Umschichtung von Bonds in Aktien würde nicht stattfinden.
Wenn in US-Bonds stärker fielen als europäische, könnte es auch renditegetriebene Umschichtungen in US-Bonds geben, was den Dollar stärkte. Dies würde die "risk off"-Tendenzen - auch im Aktienmarkt - weiter verstärken.