Münchau schreibt:
"In Japan fragten sich Volkswirte schon seit langem, wie man das Wachstum des nominalen Bruttoinlandsproduktes erhöhen kann. Stellen Sie sich Letzteres als die Summe von Realwachstum und Inflation vor. Wenn beide null sind, dann ist die Summe natürlich auch null."Was soll denn "nominales" Wachstum aus Gelddrucken bringen? USA hat gezeigt, dass QE die Beschäftigungslage kaum verbessert hat.
Nominales Wachstum ist zudem Augenwischerei. Spanien oder Italien könnten ebenfalls die Neuverschuldung von derzeit 4 auf 15 % des BIP anheben und das Geld z. B. in den Ausbau von Autobahnen und Flughäfen (= Staatsaufträge an Firmen) stecken. Dann hätten wir plötzlich in Italien 12 % (oder so, ein Teil greift sich die Mafia) nominales Wachstum, die Beschäftigung würde steigen (Straßen- und Flughafenbau) und alles wäre "underbar" - jedenfalls in Münchaus/Abes/Bernankes/Draghis/Krugmans Milchmädchenrechnung.
Die Crux ist, dass dabei zugleich die Schulden-Quote Italiens von zurzeit 125 auf 140 BIP-Prozent hochschießen üwrde. Das wäre dann schon fast nicht mehr rückzahlbar. Gemäß Konvention gilt ein Staat als nicht mehr rettbar, wenn er mehr als 40 % der Steuereinnahmen für Zinszahlungen ausgeben muss.
Was hätte Italien davon? Kurzfristig ein paar Jobs und "schöne nominale Wachstumzahlen". Und im Gegenzug fünf weitere Flughäfen und ein paar neue Autobahnen, die aber kaum benötigt werden. In einer von Deflation geplagten Wirtschaft entsteht durch den Bau von Straßen und Flughäfen im Staatsauftrag KEIN organisches Wachstum. Es ist dann nämlich keine staatliche Anschubinvestition mehr, die private Folgeinvestitionen auslöst (= Multiplikatoreffekt).
Ich ärgere mich regelrecht über diesen - halb naiv, halb böswillig - rübergebrachten Nonsens mit dem "nominalen Wachstum".
Wachstum sollte immer in Relation zur Neuverschuldung gemessen werden. Nur dann erhält man aufschlussreiche Zahlen.
Wenn in Italien bei -2% Ausgabenkürzung eine BIP-Schrumpfung von -2 % resultierte - alle Welt schreit dann entsetzt "Deflation!" - , dann ist das nicht besser oder schlechter, als wenn mit 15 % Neuverschuldung 15 % "nominales Wachstum erzeugt" wird. Nur das bei letzterer Variante heute kaum mehr ein Volkswirt "Inflation!" schreit, weil der Zunft längst die Vernunft abhanden gekommen ist.
Organisch ist das Wachstum in beiden obigen Beispielen Null. Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechtert sich sogar, wenn der Staat zu viele "sinnlose" Investitionen tätigt, weil dann die Staatsschulden und die Zinszahlungen steigen, ohne dass zusätzlicher Cash-Flow für Tilgung/Zinszahlung erzeugt wird. Autobahnen, Flugplätze und "Brücken ins Nirgendwo", die keiner braucht, sind Fehlinvestitionen (Deshalb funktioniert Planwirtschaft ja auch so schlecht.). Die Staatspleite ist dann nur noch eine Frage der Zeit.
"Nominales Wachstum" erfreut allenfalls Statistiker, die dann mit Ponzi- und Prozent-Tricks "heile Welt" vorgaukeln können.
Ich muss leider mit Bedauern feststellen, dass der einst sehr vernünftige und von mir geschätzte Herr Münchau in letzter Zeit überwiegend Unfug predigt, der eines ernsthafen Volkswirtes nicht mehr würdig ist.
Seine Ausführungen passen zu den unausgegorenen Sermonen anderer Endzeit-Fluter wie Krugman - allesamt Leute, die zu viel von Bernankes und Draghis "Manna" gekostet und dabei den Restverstand versoffen haben.
Man kann die Denkfehler auch mit Münch(h)aus(ens) oben gelieferter Formel entlarven. Münchau schreibt (oben, kursiv)...
Realwachstum + Inflation = nominales Wachstum
....und ergänzt: "Wenn beides Null ist, ist natürlich auch die Summe Null". Das sei auch Japans Dilemma.
Leider jedoch steigt durch das vermeintliche Allheilmittel "Gelddrucken" das Realwachstum nicht - wie QE in USA und Japan zweifelsfrei gezeigt hat. Es bleibt somit bei Null. Aus obiger Formel wird dann
0 (= Realwachstum) + Inflation = nominales Wachstum
oder kürzer
Inflation = nominales Wachstum
Das ist, als Formel ausgedrückt, exakt die von mir oben kritisierte Augenwischerei.
2 % Inflation = 2 % nominales Wachstum
3 % Inflation = 3 % nominales Wachstum
4 % Inflation = 4 % nominales Wachstum
5 % Inflation = 5 % nominales Wachstum
6 % Inflation = 6 % nominales Wachstum...
Jedes beliebige "nominale Wachstumsziel" ließe sich mit passender Neuverschuldung "herbeidrucken".
Letztlich ist die Formel sogar bei Deflation (Sparbeschlüsse für die PIIGS) noch "richtig", denn:
- 2 % Inflation (= Deflation) = -2 % nominale Wirtschaftsschrumpfung
(Diese Formel enspricht dem PIIGS-Dilemma unter den Sparbeschlüssen).