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Meldung des Tages: Europa rüstet auf — stößt dabei jedoch auf eine harte Grenze, die der Markt noch nicht einpreist
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Der USA Bären-Thread


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A.L.:

Die Ethik-Probleme der Eurozone

9
30.09.12 12:04
Ein Staatswesen - auch ein übergeordnetes wie die europ. Staatengemeinschaft - hat nur dann eine Chance, sich (wirtschaftlich) zu bewähren und zusammenzuwachsen, wenn die "EU-Bürger" die dafür nötige Ethik entwickeln.

An diesem idealerweise positiven Verhältnis der Bürger zum Staat und zur Staatsidee mangelt es leider zurzeit in vielen EU-Staaten ganz erheblich. Vielen Leuten, inbesondere in korrupten Ländern wie GR, I und P, ist der eigene Hintern immer noch tausend Mal wichtiger als das Gemeinwohl.

Das Grunddilemma der Eurozone ist somit: Wenn es schon innerhalb der einzelnen EU-Staaten diese Staatsethik - im Sinne des Kant'schen "Kategorischer Imperativ" - nicht gibt,  wie soll sie dann in einem - aus purer Not - per gemeinsamer Wirtschaftsregierung zusammengeschweißten Überstaat (Eurozone) aufkommen?

Ich bin im Prinzip fortschrittsgläubig und überzeugt, dass die Menschheit auf lange Sicht zu Besserem und Höherem emporstrebt. Es gibt neben der technologischen auch eine kulturell-historische Evolution (wie schon Hegel erkannte). D.h. ich bin kein Geschichts-Pessimist wie Nietzsche oder Theodor Lessing.

Daher dürfte sich auch das Zusammenfinden der EU-Staaten zu Euroland langfristig als historischer Fortschritt erweisen. In diesem Sinne sind auch die separatistischen Scharnagls dieser Welt klar rückschrittlich und fortschrittsfeindlich.

Die große Frage bleibt aber, wie diese mangelnde Ethik in den Einzelstaaten und erst recht in der kommenden Staatengemeinschaft etabliert werden soll. Per "ordre de mufti" von oben? Oder gar durch zwanghafte Fernkontrolle aus Brüssel samt Einmischung in die staatlichen Haushalte? Das dürfte nur die heute bereits vielerorts in Europa hochkochenden sozialen Spannungen verstärken.

Wir blicken in Europa auf ein Jahrzehnt verkorkster Laissez-faire-Politik zurück, die zu den aktuellen Schieflagen geführt hat. Ursache war - neben den unzureichenden Maastricht-Kriterien, die obendrein laufend verletzt wurden - , dass Politiker kurzfristige Wachstumsinteressen vor langfristige Nachhaltigkeitsüberlegungen gestellt hatten. In den PIIGS ist uns das Erbe dieser Politik in Gestalt der ruinösen Staatsverschuldung, die teils auf massive Bankenrettungen zurückgeht,  erhalten geblieben.

Eine ethische - auf Nachhaltigkeit angelegte - Heilungsmethode kann nur darin bestehen, die bisherigen Schulden-Exzesse geordnet rückabzuwickeln. Dies geschieht ja auch in Gestalt der Sparauflagen für die PIIGS. Dieser Ansatz ist daher zu begrüßen.

Im ersten EMU-Jahrzehnt hat sich in den PIIGS jedoch auch ein Anspruchsdenken etabliert, das im Sinne obiger Prämissen unethisch ist. Zur geordneten Rückabwicklung würde gehören, dass die PIIGS-Bevölkerungen - die Gesamtproblematik würdigend - starken Lohnkürzungen zustimmen. So viel "Staats-Ethik" ist aber offenbar zuviel verlangt. Daher sind von Athen über Rom bis Madrid die Leute auf den Barrikaden. Sie verteidigen damit - in einer Form von unethischem Anspruchsdenken (und missverstandenem Fortschrittsdenken) - vermeintlich erreichte Besitztümer, die in Wahrheit, da überwiegend kreditbasiert, im wahrsten Wortsinn nur auf (inzwischen meist faulem) Papier existierten.

Meine Zweifel am Gelingen des laufenden EU-Rettungsexperiments auf Basis von Geldflutungen (die ebenfalls unethisch sind) rühren daher, dass es den Bürgern in den EU-Staaten, insbesondere in den PIIGS, noch an der nötigen Staatsethik mangelt. Sie sind damit objektiv "historisch rückständig" (wenngleich sie subjektiv einen Fortschritt zu verteidigen glauben). Gegen diese Widerstände ließe sich die europäische Wirtschafts-Gemeinschaft nur mit starker institutioneller Gewalt (EU-Eingriffe in nationale Budgets) und zahlreichen anderen Zwängen etablieren. Bei hinreichender ethischer Reife der Bürger wäre dieses Ziel auch ganz ohne Zwänge erreichbar.

Hier wird also gleichsam mit der Brechstange - dazu zählen auch Draghis Billionenflutungen - zur Unzeit "historisch vorgegriffen". Das Resultat wird mMn nicht sein, dass damit eine "Gemeinschafts-Ethik" in den Köpfen der EU-Bürger etabliert wird, sondern dass im Gegenteil die derzeit bereits national grassierende "Un-Ethik" auf den Gesamtkomplex Eurozone übertragen wird. Die Eurozone wird zum Selbstbedienungsladen, in dem jedes Land auf Kosten der anderen eigene Vorteile sucht. Und Draghis schafft dazu mit Gelddrucken die "finanziellen Grundlagen".

Das ist von Vorn bis Hinten unethisch - und zum Scheitern verurteilt.

Meine Sorge ist, dass die kurzfristigen, um Neuverschuldung, Umschuldungen und Kredithebelung kreisenden Adhoc-Pseudolösungen am Ende sogar die (wirtschaftliche) Basis dafür zerstören, dass Europa langfristig organisch zusammenwachsen kann.

Der zu befürchtende finanzielle Zusammenbruch dürfte mMn schneller kommen als die erforderliche - und historisch gewöhnlich eher langsam (über Generationen) voranschreitende - ethische Reifung.


In dem Sinne bin ich - unter Draghis Prämissen - ein Pessimist, was die Zukunft der Eurozone betrifft. Wobei sich nicht ausschließen lässt, dass der finanzielle Zusammenbruch, den Draghis Politik letztlich heraufbeschwören dürfte (sei er deflationär oder hyperinflationär), am Ende doch noch den Grundstein dafür legt, dass sich Europas Historie langfristig zum Positiven entwickelt.

In Deutschland brauchte es auch der Zerstörungen eines Adolf Hitler, um die Demokratie - die in der Weimarer Republik (@Malko: vor allem in München) noch aggressiv bekämpft wurde, als heute allgemein anerkannte Staatsform zu etablieren.
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Malko07:

#100326: Die Revolution

8
30.09.12 12:16
in München wurde von Freikorps zusammen geschossen, die aus dem Norden einmarschierten. Während der NS-Zeit war der Widerstand im katholischen Süddeutschland und Rheinland größer, aber bei weitem zu wenig, als in Norddeutschland.
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A.L.:

# 322 - netter Essay, aber:

4
30.09.12 12:37
Der Handelsblatt-Autor verkennt, dass die Wirtschaftswissenschaften von jeher zu den Geisteswissenschaften (Sozialwissenschaften) zählen. Ökonomen versuchten Anfang des 20. Jahrhundert sogar in einer Art Eifersüchtelei, vom anerkannt hohem Image der Naturwissenschaften (damals vor allem Errungenschaften in der Physik) zu profitieren. Dies war einer der Gründe, warum sie so viele "weltfremde" mathematische Modelle kreiierten, die - wie sich später erwies - stramm an der Realität vorbeigehen.

Auch die Finanzkrise von 2008 geht auf die (teils böswilliger) Anwendung solcher rigorosen mathematischen (Bewertungs-)Modelle zurück. Dies führt offenbar erst jetzt langsam zu einer Art Bewusstseinserweiterung bei den Ökonomen, dass ihre bisherige Lehre eher eine Leere war.

Der HB-Autor irrt in seiner These:

Eine Öffnung hin zu den Geisteswissenschaften tut bitter not: Nur durch den interdisziplinären Austausch mit Philosophen, Soziologen, Historikern, Literaturwissenschaftlern und Juristen kann die Volkswirtschaft ihre verheerende Verengung zur Business-School-Economy überwinden.

Tatsächlich geht es wohl eher auf eine Rückbesinnung auf die eh geistes-sozialwissenschaftlichen Wurzeln der Ökonomie, wobei künftig insbesondere interdisziplinäre Ansätze zu verfolgen sind. Die naturwissenschaftlich geprägte "fixe Vorstellung" einer Exaktheit wirtschaftswissenschaftlicher Modelle war/ist eine Wahnvorstellung, die maßgeblich zur aktuellen Finanzkrise seit 2008 beitrug.
Antworten
A.L.:

# 327

4
30.09.12 12:42
Die rechten Eskapaden in München endeten erst 1923, als es in Berlin einen Generalstreik gegeben hatte ("Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will"). Dieser hatte zur Folge, dass sich das Reichsheer gegen die Münchener Putschisten um Adolf Hitler und Ludendorff stellte, die 1923 im "Marsch auf die Feldherrenhalle" eine gesamtdeutsche Militärdiktatur erkämpfen wollten. Hitler kam nach der Niederlage in Festungshaft, wo er "Mein Kampf" schrieb.
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A.L.:

# 324

3
30.09.12 13:08
Das Wort "Staatsknete" hat Steinbrück aus dem USA Bären-Thread ;-)
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Gegenpol:

#327

6
30.09.12 13:22
Eine Frechheit den katholischen Norddeutschen im Oldenburger Münsterland mangelnden Widerstandswillen gegenüber den Nationalsozialisten zu attestieren. Das ist eine Verdrehung der historischen Tatsachen!

Der Kampf um die christliche Erziehung in den Schulen

Der oldenburgische Kirchen- und Schulminister Julius Pauly wollte dem Land Oldenburg in der Schulpolitik eine Vorreiterposition verschaffen. Sein Bemühen richtete sich auf die Durchdringung von Erziehung und Bildung mit den nationalsozialistischen Ideen. Damit war der Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem Staat in der Schulpolitik verschärft. Schon 1932 hatte die oldenburgische Regierung die Aufhebung der beiden Oberschulkollegien verfügt. Nach Hitlers Machtübernahme wurden dann auch die daraus hervorgegangenen konfessionellen Abteilungen im Kirchen- und Schulministerium aufgelöst. Katholische Lehrer, die sich den neuen Gegebenheiten nicht anpassen wollten, wurden entlassen oder strafversetzt.
An den Gymnasien in Vechta und Cloppenburg wurden überzeugte Nationalsozialisten eingesetzt. Das oldenburgische Schulgesetz schränkte die Konfessionalität des Schulwesens weitestgehend ein. Völlig war der Einfluss der Konfessionen nicht auszuschließen, weil eine verfassungs- und konkordatsrechtliche Absicherung der Konfessionalität gegeben war.
Zu einem offenen Eklat kam es, als Minister Pauly aus Verärgerung über die kirchliche Einsegnung einer neuen Volksschule in Bösel einen Erlass herausgab, der die Entfernung aller religiösen Symbole aus den Schulen zum Inhalt hatte. Daraufhin kam es zu großen Protestaktionen. Auch die Bekenntnissynode der evangelisch-lutherischen Kirche schloss sich diesen Protesten an. Auf einer Kundgebung am 25. November 1936 in Cloppenburg, zu der 6.000 Menschen erschienen waren, musste Gauleiter Röver den sogenannten "Kreuzerlass" zurücknehmen.

www.offizialatsbezirk-oldenburg.de/index.php?myELEMENT=56354
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A.L.:

# 320

3
30.09.12 13:43
Wenn Siemens heute noch seinen Hauptsitz in Berlin hätte statt in München (die Verlagerung erfolgte im Zuge der deutschen Nachkriegsteilung), dann hätte sich um 2000 auch die Computerindustrie nicht rund um München, sondern rund um Berlin angesiedelt. Die Geldströme im Länderfinanzausgleich würden dann eher von Berlin in Richtung München fließen, um die dortige mittelalterlich geprägte Agrarwirtschaft (vorwiegend Hopfen-, Malz- und Meerrettich-Anbau) zu stützen.

Die Sonderrolle des zeitweise viergeteilten Berlins als wirtschaftliche Rückständigkeit fehlzuinterpretieren ist historisch reichlich kurzsichtig. Hauptbeweggrund scheint dabei zu sein, dass Berlin im verhassten (da eher "linken") Norden liegt.
Antworten
permanent:

Übertreibungen schaffen sich eine Antithese,sorgen

4
30.09.12 13:55

also für fruchtbare Diskussionen.

Nach diesem Motto wird von einigen Teilnehmer hier im BT an der Verbreitung der eigenen Meinung gearbeitet.

In vielen Fällen sollten wir uns mehr auf das wesentliche beschränken.

Permanent

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learner:

Luxus geht immer! Jetzt auch für Bären?

 
30.09.12 13:59
Der USA Bären-Thread 540903
Wo isi checkerlarsen?
Antworten
learner:

Die französischen Luxusgüterkonzerne sind

5
30.09.12 14:02
nicht so weit abgestürzt. Sieht für einen Bären trotzdem verführerisch aus.
(Verkleinert auf 46%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 540904
Wo isi checkerlarsen?
Antworten
Malko07:

Gegenpol, du hast recht. Meine

2
30.09.12 14:12
geographische Darstellung war etwas zu eng. Genauer hätte es heißen müssen, dass in allen katholisch geprägten Gegenden der Widerstand größer war als in den protestantisch geprägten Gebieten. Erstere befinden sich primär im Westen (auch im Münsterland - ich hatte das Münsterland geistig dem Rheinland zugeschlagen - Entschuldige) und im Süden.

Es gibt aber manche, die glauben Hitler wäre allein an allem  Schuld und Draghi würde allein die Beschlüsse der EZB tätigen. Aber wen wunderst .., eben stark ethisch "ausgeprägte" Persönlichkeiten.

Dabei haben sicherlich nicht die Heutigen Schuld, ob sie nun im Süden, Norden, Westen oder Osten wohnen. Es soll allerdings Leute geben, die meinen München mit Hitler gleichstellen zu müssen, wenn ihnen nichts anderes mehr einfällt und diesbezüglich das heutige Bayern anklagen zu müssen. Kleine Geister eben.
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Malko07:

#100332: Die Folgen des

5
30.09.12 14:25
2. Weltkrieges sind mMn von allen zu tragen und dies gilt heute besonders noch für die Folgen in den neuen Bundesländer und für Berlin (Teilung ein Ergebnis des 2.Weltkrieges). Es gilt aber auch dort die Gelder sinnvoll einzusetzen und nicht zu verbrennen. Wowereit's Partys sind keine Folge des 2. Weltkrieges. Es fehlt der Anreiz für einen Ansatz, der die wirtschaftliche Lage mittelfristig verbessern würde. Die Berechnung des heutigen Finanzausgleichs ist trotzdem fehlerhaft. Er lässt zu viele im Westen (alten Bundesländer) zu stark außen vor. Es ist ja auch nicht so, dass er ein Glaubenssatz wäre. Dafür wurden die Regeln schon zu oft geändert, auch außerplanmäßig. Und wenn Regeln nicht stimmen, wird man in einer Demokratie darauf aufmerksam machen und auch eine Änderung einklagen dürfen.

Auf die Diskussion was wäre wenn ... wenn z.B. Napoléon gesiegt hätte ... usw. will ich mich nicht einlassen. Ist zu kindisch.
Antworten
permanent:

Geschichte ist Vergangenheit die wir nicht mehr

7
30.09.12 14:30

beeinflussen können, aus der wir aber lernen können.
Die Zukunft kann man gestalten, so sollten wir uns der Zukunft zuwenden ohne die Geschichte zu vergessen aber nicht die Geschichte in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen.

Permanent

Antworten
Malko07:

Da weiß man was man hat

2
30.09.12 15:03
Der USA Bären-Thread 14259994
Kanzlerin Merkel muss den Deutschen nach Ansicht von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück zur Euro-Krise "endlich die Wahrheit sagen". Er meint damit: Die Griechen brauchen noch viele Jahre lang Unterstützung - und Deutschland müsse ihnen mehr Zeit geben.
Antworten
Dreiklang:

Der US-Finanzimperialismus begann 1944, die Folgen

6
30.09.12 16:26
haben wir bis heute.

In Bretton-Woods wurde der $ als alleinige Weltleit/Weltreservewährung durchgesetzt. Großbritannien wurde vor der Staatspleite gerettet, zugleich war damit die Rolle des Pfundes als Weltreservewährung beendet. Den USA standen ab Etablierung des $ als Fiat-Money-Leitwährung die Weltgütermärkte quasi kostenlos zur Verfügung, doch die Situation war zunächst umgekehrt: Die USA erzielten Handelsbilanzüberschüsse, US-Güter waren weltweit, gerade auch in Europa, sehr begehrt. Und die USA konnten die Nachfrage auch erfüllen: 1951 standen sie für fast 60% des Welt-BNP. (Das BNP der USA übertraf 1951 erstmals wieder das BNP von 1944, nachdem sie ihr BNP von 1938 - 1944 mehr als verdoppelt hatten). Doch der Dollar  war ein knappes Gut: Für andere Länder an diese Devise zu kommen war angesichts der neg. Handels/Leistungsbilanz  nur über Verschuldung oder US-Hilfen möglich. Der Marshall-Plan war insofern eine geradezu zwingende Konsequenz von Bretton-Woods. Die bereitgestellten $ wurden für den internationalen Handel nun dringend benötigt. Nachkriegs-Westdeutschland etwa hatte trotz des Marshallplans aufgrund Besatzungskosten eine negative Zahlungsbilanz  mit den USA, konnte aber die Zahlungen durch Exporte erwirtschaften. Diese Dollar stammten aus den US-Hilfen für andere europäische Länder - so schob also der Marshallplan auch die westdeutsche Wirtschaft an. Einem Deutschen, der die Inflationszeit 1918 - 1923 erlebt hatte, musste der $ als Zauberwährung erscheinen. "Gelddrucken" und "Kapital schaffen" schienen eins geworden zu sein.


Bretton-Woods konnte nur mit einer angebotsorientierten Wirtschaft und der Politik eines knappen $ funktionieren.
Die Grenze des Systems wurde in den 60er Jahren erreicht, als bei steigender Nachfrage sowohl die  U.S.-Inflation als auch der "Kapital"-Export ( = monetärer Export) anzogen. Den Ländern des Br.Woods-Systems hatten den Wechselkurs aufrechtzuhalten, indem sie $ kauften, und somit  selbst Geld druckten. Das bedeutete, Inflation zu importieren. Stufenweise wurde daher  die Dollarstützung verlassen. Der Dollar floatete nun - behielt aber bis heute seinen Status bei  als "Weltreservewährung", in der ein Großteil der intern. Transaktionen, insbesondere für Energie und Rohstoffe, abgewickelt wird. Doch die Grundlage dafür, nämlich der knappe $, ist (längst) nicht mehr gegeben.
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daiphong:

#36 " in allen katholisch geprägten Gegenden.."

 
30.09.12 17:09
eine beliebte These in manchen Kreisen.
Eine kleine Auswahl der "besseren" Ergebnisse zeigt, sooo einfach geht das nicht.

NSDAP-Ergebnisse Reichtagswahl 1933  
Köln-Aachen    30,1 %
Berlin               31,3 %
Bremen            32,7%
München          37,0 %
Hamburg          38,9 %
Niederbayern   39,2 %
Leipzig              40,0 %
Oberbayern-Schwaben 40,9 %
Weser-Ems       41,4 %
Württemberg    42,0 %
Preußen geamt  43,7 %
Deutsches Reich gesamt  43,9 %
Antworten
daiphong:

Bayern gesamt 43,1%

 
30.09.12 17:23
Antworten
daiphong:

#37 damit kommen wir der Sache schon näher:

 
30.09.12 17:59
die finanzielle Belastung der Wiederveinigung, und die Finanzmetropole München samt Umgebung, immerhin mit Abstand der größte Profiteuer der deutschen Teilung.

#20 "Weit über 20% der bayerischen Bevölkerung ist inzwischen für eine staatliche Eigenständigkeit und was noch viel schlimmer ist, inzwischen findet eine immer größer werdende Mehrheit die Wiedervereinigung als falsch."

ach ja?
Antworten
permanent:

Rom greift in Regionen hart durch

8
30.09.12 18:12

Nach Verschwendung : Rom greift in Regionen hart durch

Weniger Abgeordnete, scharfe Kontrollen: Rom will bei den italienischen Regionen durchgreifen. In der Provinz soll Schluss sein mit Schlendrian und süßem Leben auf Kosten der Steuerzahler.
 

Rom Die Regierung in Rom zieht Konsequenzen aus dem Skandal um die Verschwendung und Veruntreuung öffentlicher Mittel in den Regionen. Sie plant nach italienischen Medienberichten vom Sonntag ein Dekret, das die Ausgaben in Regionen, Provinzen und Kommunen einschränkt. So sollen die Zahl der Abgeordneten reduziert, Diäten gekürzt und die Kontrolle über die Ausgaben verschärft werden.

Rund 600 Sitze in Parlamenten könnten wegfallen, berichtet die Tageszeitung „Corriere della Sera“. Auch der Rechnungshof soll mehr Befugnisse erhalten. Über das Dekret soll am Donnerstag beraten werden.

Anlass ist der „Laziogate“-Skandal um Verschwendung und Untreue in der mittelitalienischen Region Latium. Die Abgeordneten sollen in einem Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag verprasst haben, der für Krankenhäuser oder Schulen fehlt. Sie hatten rauschende Partys gefeiert und sich selbst großzügig aus den Kassen bedient. Die Präsidentin der Region Latium, Renata Polverini, war am Montag zurückgetreten. Am Freitag wurde das Regionalparlament aufgelöst.

Unter Druck ist vor allem die PdL (Volk der Freiheit) von Silvio Berlusconi. Der ehemalige PdL-Fraktionschef in Latium, Franco Fiorito, soll mehr als eine Million Euro private Ausgaben aus der Fraktionskasse finanziert haben. Seit Monaten wird auch gegen den Präsidenten der Lombardei, Roberto Formigoni (PdL) wegen Korruptionsverdachts ermittelt.

Antworten
Malko07:

Ich sprach von Widerstand

4
30.09.12 18:17
und dazu gibt es gute Untersuchungen, die jedem zugänglich sind. Man kann z.B. die Zahlen der politischen KZ-Insassen  und deren Herkunft anschauen. Und diese Geschichte begann erst 33.

Wieso München der größte Profiteur der Teilung sein sollte und nicht Frankfurt oder Köln? Wo sind dazu belastbare Zahlen. Die angebliche Zuwanderung von Konzernen aus anderen Gegenden war nicht so maßgeblich. Die meisten in Frage kommenden Konzerne stammen aus München und haben sich dort weiter entwickelt. Es gibt im wesentlichen eine Ausnahme und das war Siemens. Siemens-Halske wollte sich eigentlich in NRW niederlassen. Das wurde dort aber von der dortigen Politik verhindert. Man wollte sich nicht die Löhne bei Kohle und Stahl verderben lassen. München hat also diesbezüglich nicht von der Teilung sondern von der mangelnden Weitsicht der Politik in NRW profitiert.

Aber es ist einfach schön seine Vorurteile zu pflegen. Diejenigen, die etwas geleistet haben, haben eben Glück gehabt oder waren Schmarotzer, diejenigen die alles gegen den Baum gefahren haben waren fleißige Arbeiter und wurden von den bösen Bayern ausgesaugt.
Antworten
Malko07:

HSH Nordbank, auch eine typische Landesbank

 
30.09.12 18:35
Dreiklang:

Bernanke und Krugman machen den gleichen Fehler

11
30.09.12 18:35
Sie identifizieren Keynes mit nachfrageorientiert. Und folgern daraus, dass durch Schaffung von "Nachfrage" mit monetären Mitteln vulgo Gelddrucken die Krise behoben werden kann.

Keynes ist aber nicht nachfrageorientiert, sondern auf die Kopplung zwischen Angebot und Nachfrage orientiert. Wenn man Keynes' Überlegungen richtig wiedergeben will, muss es heißen: In einer Überangebotskrise , verbunden mit deflatorischer Entwicklung, muss die Stärkung der Nachfrage die angemessene Antwort sein.

Ob die "Great Depression" mit einer Überangebotskrise verbunden war, ist eine eigene Betrachtung wert. Aber ist die Entwicklung seit 2008, die "Finanzkrise", durch die Entwicklung eines Überangebots , oder durch deflatorische Tendenzen, ausgelöst worden?

Die Antwort ist nein. Das Jahr 2008 sah noch einen geradezu parabolischen Anstieg des Ölpreises, sowie anderer Rohstoffe. Das Problem der USA ist, dass die Schaffung von (noch so viel) Nachfrage im Land selber kein Angebot (und damit keine Arbeitsplätze) schafft,  weil die Nachfrage längst vom Angebot entkoppelt ist ("Globalisierung"). Denn die Nachfrage, die Bernanke mit seinem Fiat-Money in den USA hervorbringt,  wird vom  Angebot, das   in China / den Ölstaaten hergestellt / gefördert wird, gedeckt. Aber nicht vom Angebot in den USA selbst. Damit bleibt QE strukturell wirkungslos.

Um die Arbeitsplätze in die USA zurückzubringen, sind erhebliche Lohnsenkungen erforderlich. Diese lassen sich mit dem "amerikanischen Lebensstandard"  nicht ohne weiteres in Einklang bringen.  Diese Arbeitsplätze will  in den USA (bisher) niemand haben.
Antworten
Malko07:

Berlin

 
30.09.12 18:54
Berlin: Berlin liegt bei den Steuereinnahmen zwar nur auf Platz 11 aller Bundesländer und kommt dabei nur auf 75 Prozent des Durchschnitts. Doch nach allen Stufen des Finanzausgleichs liegt die Hauptstadt auf Platz eins bei den Einnahmen und bei einem Schnitt von 139 Prozent (Zahlen von 2009). Mit 4148 Euro je Einwohner steht man dank der bundesstaatlichen Hilfe fein da – Bayern kommt auf 2887 Euro, Brandenburg auf 3370 Euro je Einwohner. Auch wenn ein Stadtstaat noch kommunale Aufgaben zu erledigen hat, die teuer sind und die in den Etats der Flächenstaaten nicht berücksichtigt sind – ein Armenhaus ist Berlin nicht. Fast ein Drittel des Berliner Etats – gut 4,6 Milliarden Euro – werden aus dem Finanzausgleich finanziert. Was den Griechen ihre Nordeuropäer, sind dem Berliner seine Süddeutschen.

www.tagesspiegel.de/politik/...igt-sich-in-berlin/4214866.html
Antworten
daiphong:

#45 welche Vorurteile?

 
30.09.12 18:58
München hat enorm profitiert, Punkt. Von bösen Bayern war meinerseits nie die Rede.
Die universelle Schmarotzer-Denkweise kultiviere ich nicht.
Antworten
A.L.:

# 336

3
30.09.12 19:05
Damit haben wir das Niveau der Bildzeitung glücklich unterboten und nähern uns strammen Schrittes dem Bayernkurier.

Möchte gern wissen, ob sie dem Bölkstoff auf der "Wies'n" dieses Jahr irgendein Halluzinogen zugesetzt haben, das "Nationalschaum vor dem Mund" erzeugt.
Antworten
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