Dow Jones Transportation: Schiebezone mit Kipp-Gefahr
Lieber Leser,
was war das Analysten-Leben früher einfach.
Gut, natürlich verklärt die Erinnerung wie immer im Leben so manches.
Aber ohne Eingriffe der Notenbanken in bislang nicht gekannten Dimensionen, wie wir sie aktuell erleben, konnten Markt-Auguren sich noch auf die Konjunktur-Frühindikatoren verlassen.
Die alte Rechnung: Kräftige Konjunktur = steigende Kurse
Die Rechnung war einfach: Mehrten sich die Anzeichen, dass die Konjunktur in die Gänge kommt, war Kauf-Zeit für Aktien. Kippten die Indikatoren, dachten Markt-Beobachter über Gewinnmitnahmen nach.
Einer der bekanntesten und am einfachsten anzuwendenden Frühindikatoren ist der Dow Jones Transportation Index, der die 20 größten Transportunternehmen der USA beinhaltet.
Konjunkturelle Veränderungen schlagen als erstes auf dieses Gewerbe durch. Schließlich müssen Rohstoffe zu den Produktionsstätten gebracht und die hergestellten Waren weiter verteilt werden.
Zog der Dow Jones Transportation an, war das in der Regel ein sicheres Zeichen dafür, dass bald auch die Kurse in den anderen Indizes folgen würden. Fiel er hingegen, war Gefahr im Verzug.
Aktien geben Gas und lassen den Transport-Index zurück
Nun sollten logisch denkende Menschen erwarten dürfen, dass der Anstieg der bekannten Aktien-Indizes wie Dow Jones, S&P500 und auch DAX in den letzten Monaten von einem weiter boomenden Transportgewerbe mit entsprechend haussierenden Aktien begleitet würde.
Zumindest seit Anfang Juni stellt sich die Lage aber weitaus komplizierter dar. Konnte der S&P500 um +12% aufsatteln, sehen wir beim Dow Jones Transport nur eine Nullrunde.
Ketzerisch wie ich bin, fühle ich mich in meiner - an dieser Stelle schon oft geäußerten These - bestätigt, dass es nicht die Konjunktur ist, die die Kurse treibt. Es ist die Sorge vor Inflation, die das Anleger-Geld in Sachwerte wie Aktien und Rohstoffe strömen lässt.
Dow Jones Transportation: Akute Gefahr des Kippens
Seit der ersten Juni-Woche befindet sich der bekannte amerikanische Transportindex in einer Schiebezone zwischen rund 4.950 als Unterstützung und 5.200 Zählern als Widerstand. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 4.911 zeigte sich erneut wenig Stärke.
Ein Fall unter 4.900 Punkte würde darüber hinaus ein Point&Figure-Verkaufssignal auslösen. Wenn dann auch noch das am 4. Juni im Bereich zwischen 4.700 und 4.800 markierte Tief nicht halten sollte, dürften recht schnell Kurse um 4.000 Punkte (Tief des Jahres 2011) auf der Agenda stehen.
Alles nicht so schlimm: Wen kümmert schon die Konjunktur?
Sollten wir das oben beschriebene Szenario sehen, entspräche das einem deutlichen Zeichen dafür, dass sich die Konjunkturaussichten weiter kräftig eintrüben.
In "normalen" Zeiten wäre ich dann mehr als alarmiert und würde Sie ausdrücklich vor Aktien-Investments warnen. Aber die Notenpressen rotieren munter weiter und das frisch gedruckte Geld strömt immer noch überreichlich in den Wirtschaftskreislauf.
Die Zinsen werden wohl noch eine ganze Weile historisch niedrig bleiben und der Investoren-Hunger nach Sachwerten mangels Anleihen-Alternativen somit groß.
Ich gehe also davon aus, dass auch eine sich weiter abschwächende Konjunktur die Flucht in Aktien nicht allzu stark abbremsen wird. Natürlich wird es immer wieder zu Rücksetzern kommen, die manche Investoren demotivieren werden. Auf mittel- und langfristige Sicht werden Sie jedoch weitaus höhere Kurse als die aktuellen sehen.
Ihr
Jörg Mahnert
Mahnerts Handelssignale [mahnerts-handelssignale@vnr.srv3.de]
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