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Der USA Bären-Thread


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lumpensamml.:

nochmal zu Indien

14
05.09.12 22:59
In punkto Kopierfreudigkeit vs. Kreativität und v.a. bzgl. der individuellen Freiheit gebe ich dir recht, Malko. Bei allem anderen sind meiner Meinung nach die Chinesen den Indern voraus. Indien schafft es z.B. nicht, aus dem "Boom" wenigstens eine halbwegs adäquate Infrastruktur aus dem Boden zu stampfen. Da lob ich mir fast noch die leeren Städte mit beleuchteten Autobahnen in China.

Und was mich immer am meisten schockiert: Das Leben des einzelnen zählt dort, obwohl offiziell eine Demokratie, noch weniger als in China. Ist er aus einer unteren Kaste, kümmert sich kein Schwein drum, wenn er beim Pissen auf der Autobahn (dort auch auf der Überholspur Usus) überfahren wird. Um jede Kuh wird ein weiter Bogen gefahren. Ein Mensch? Ja mei! Da haben wir noch ne Milliarde von. Diese Haltung zieht sich durch den ganzen Alltag.

Was die vielgerühmten Entwicklungszentren der Westler angeht. Die wurden größtenteils in den letzten 2 Jahren auf ein praktikables Maß zurecht gestutzt bzw. umfunktioniert. D.h. jetzt erfüllen die Ingenieure dort Aufgaben, die hier auch ein Azubi machen kann. Viele der Bosse, die da zu forsch investiert haben, wollen sich den Irrtum nicht eingestehen. Denn auch im kommerziellen Bereich sieht es nicht besser aus. Dadurch, dass an den entscheidenden Stellen die enstpr. Kastenvertreter sitzen, wird nicht nach Qualifikation sondern nach Herkunft eingestellt. Die Entscheidungen und Handlungen, die daraus erwachsen, sind haarsträubend. Unser Kooperationspartner rühmt sich z.B. regelmäßig selbst, wenn er Aufträge mit 30-40% unter Herstellkosten! akquiriert. Er faselt dann immer irgend etwas, dass ihm der Einkäufer dafür versprochen hat, noch mehr Teile abzunehmen. Dass dies  ...

1. der Einkäufer gar nicht unter Kontrolle hat

2. und selbst wenn es so wäre, es die Angelegenheit noch viel schlimmer machen würde
3. eine Lehre für die Zukunft sein sollte

sieht er partout nicht ein. Gut, der Oberboss ist sein Schwippschwappschlagmichtotonkel, insofern ist seine Logik wohl eine andere. Dass bis jetzt noch kein größerer Schaden für uns daraus entstanden ist, liegt schlicht und einfach daran, dass die Gegenseite nicht besser bestückt war. Die meisten Riesenprojekte, die da angefragt waren, haben sich entweder in Luft aufgelöst oder wurden von den West-Konzernen irgendwann zwangsweise der Realität angepasst. Das sah dann plötzlich ganz anders aus.

In 10-20 Jahren mag das anders laufen, kann sein. Denn die Jugend akzeptiert das Kastenwesen immer weniger. Zudem haben die westl. Konzerne in den letzten 2 Jahren teilweise aus ihren Fehlern gelernt und mehr Leute aus der Heimat nach Indien entsandt, um denen halbwegs beizubringen, wie der Hase läuft und was Verlust bedeutet. V.a. der deutsche Gutmensch bei Daimler und Konsorten hat dem Treiben viel zu lange tatenlos zugesehen. Erst als die ersten Milliarden im Sumpf versunken waren, hat man umgedacht. Und da sind mittlerweile auch die ersten Erfolge bereits zu sehen. Nur, es dauert eben, bis man ein ganzes Land mit wenigen westl. Satellitenfirmen umerzogen hat. Das muss schon von innen heraus passieren. Meiner Meinung nach gehen da noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ins Land, auch wenn das Wachstum auf dem Papier enorm ist.
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Kicky:

Telegraph schildert sie Situation in Spanien

4
05.09.12 23:00
....Two-year bold yields in Spain plummeted by 44 basis points to 2.94pc and Italy’s fell to 2.29pc after Mr Draghi told MEPs that purchases may target debt of up to three years, longer than assumed. Jacques Cailloux from Nomura says investors should be wary of the political minefield ahead. “We expect Spain and Italy to resist calling for help, promoting renewed market deterioration,” he said.

..... There is little doubt that Spain will need a rescue as it struggles to raise €40bn over the next two months. The country’s finances are unravelling on every front, with internal rescues for Catalonia, Valencia, Murcia, and Andalucia fast depleting the €18bn fund set aside for the regions.

It emerged today that Spain’s social security system has raided a rainy-day fund to cover state pensions for the first time as deepening recession erodes contributions.

Tomas Burgos, social security minster, said the government had drained €4.4bn from the Fondo de Prevencion – financed from workers’ illness insurance – to the meet the shortfall in July, reducing the account to just €400m.

Mr Burgos said Madrid may have to use “all mechanisms at our disposal” to meet payments, revealing that the next step may be a raid on the pension system’s €67bn Reserve Fund. The pension system has been losing contributors as unemployment soars to 25pc. It shed a further 137,000 jobs in August.

Meanwhile, official data shows that the toxic property loans of Spain’s four nationalised banks have reached €75bn and are rising faster than feared. Bankia’s “potentially problematic” loans are €42bn. The biggest surprise is a 50pc surge in bad debts to €9bn at Cataluyna Caixa since January. Non-payments on mortgages have doubled.

Nomura’s Jens Nordvig said Spain’s crisis has entered a “more dangerous phase”, resembling the sort of currency dramas once confined to emerging markets.

Capital flight has been running at an annual rate of 50pc of GDP, more than twice the rate in Indonesia during the Asian meltdown in the 1990s.

Foreigners have sold Spanish securities worth 19pc of GDP over the past quarter. Spanish residents have shipped funds worth 16.7pc of GDP into foreign bank accounts.

Net claims on Spain through the ECB’s Target 2 payments system have reached 39pc of GDP.

“The build-up in central bank liabilities is explosive,” said Mr Nordvik.

www.telegraph.co.uk/finance/...-warns-over-bail-out-terms.html
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Kicky:

Spanien schafft auch die Einsparungen nicht

5
05.09.12 23:02
Die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung sind in den ersten sieben Monaten des Jahres um 5,4 Prozent gestiegen, während die Regierung tatsächlich veranschlagt hatte, dass sie im selben Zeitraum um fünf Prozent sinken. Nun muss man schon ein weit überdurchschnittlich skurril gestrickter Science-Fiction-Fan sein, wenn man glaubt, dass der Staat mitten in der Rezession, in der täglich haufenweise Jobs zerstört werden, am Ende sinkende Kosten in den Arbeitsämtern erwartet, doch genau das hatte Rajoys konservative Regierung im Budget so festgeschrieben. Da fragt man sich ernsthaft, in welcher Lotterie manche Minister ihr Abitur gewonnen haben könnten.

Beobachter der Situation, die mindestens über die durchschnittliche Intelligenz einer Hausschildkröte verfügen, wundern sich kein bisschen, nur die Regierung! Im Juli gab es 23,5 Prozent mehr Anträge bei den Arbeitsämtern als im Vorjahresmonat. Dabei stiegen nicht etwa die Sozialhilfe-Anträge am meisten, wie Rajoys Expertenriege erwartet hatte, sondern die besonders teuren Anträge für das erste und damit besonders teure Arbeitslosengeld: + 34,4%.  Die Rezession frisst bisher feste Arbeitsplätze in nicht gekanntem Ausmass.

Die Madrider Regierung hat sich also in ungefähr allem verrechnet, als sie 5% sinkende Kosten veranschlagte und steht nun vor dem nächsten Haushaltsloch. Denn auch die Absenkung der Arbeitslosengelder um zehn Prozent ab dem sechsten Bezugsmonat, die in die Berechnungen einfloss, greift natürlich deswegen noch lange nicht, weil sie nur für neue Verträge gilt und nicht für die bereits existierenden. Das hatte man “übersehen”.  Da passt dann eine weitere Meldung gut ins Bild: Tomás Burgos, Staatssekretär verantwortlich für die Sozialsysteme Spaniens, kündigte heute in Madrid an, man werde “bald” den Rentengarantie-Fonds angreifen müssen, um die Zahlungen zu leisten. Das ist eine Spardose der Regierung für Notfälle, um die Renten abzusichern. Den Zeitpunkt liess Burgos noch offen. Doch man muss kein Prophet sein, um das “mañana” in Leuschtschrift auf der Wand zu sehen.
uhupardo.wordpress.com/2012/09/04/verrechnet/
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Navigator.C:

...sondern Staaten sollten handeln

6
05.09.12 23:12

witzig witzig.

Großbanken kaufen Söldner- und private Sicherheitsfirmen auf

Großbanken in aller Welt kauften sich in den letzten Monaten neben Waffen- und Munitionsproduzenten auch verstärkt in Anbieter von privaten Sicherheitsdienstleistungen ein. Mancherorts stellt man sich bereits die Frage, ob diese Aktivitäten Vorbereitungen auf einen sich abzeichnenden Zusammenbruch des Weltfinanzsystems dienen. Denn Schrutz dürften die Top-Banken in diesem Falle sicher nötig haben. Zu den besonders hoch im Kurs stehenden Akquisitionszielen gehören auch Söldnerfirmen wie DynCorp oder Blackwater.

http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=24397

(lange Version) Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt (arte HD)
http://www.youtube.com/watch?v=IupbE7JBRAw

Die Uhr hat angefangen zu ticken

Spricht einiges dafür, dass es so etwas wie Staaten und den organisierten Nepotismus ( Politik)

zukünftig nicht mehr geben wird.

Navigator.C

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Fillorkill:

Kicky,

9
05.09.12 23:16
die 'Schuldenunion' inklusive Defizitkontrolle und Restrukturierung ist das logische Ziel dieser Eurokrise (die tatsächlich nur eine Krise der Piigs ist) . Während die Märkte dieses Resultat schon längst vorweggenommen haben und nur noch auf die Form spekulieren, gibt die 'ideologische Oberfläche' - Politik, Medien, echte wie vermeintliche Sachverständige - das Schauspiel einer offenen Diskussion über das Ob einer Agenda, die bereits entschieden ist. Als personae dramatis treten auf: The good (Weidmann), the bad (Draghi) und the ugly (Merkel, Hollande) , die vorgeblich beinhart miteinander ringen, um am Ende doch alle gemeinsam denselben Wisch zu unterzeichnen (Synthese). Die lästige Frage der demokratischen Legitimation werden sie dann auch noch lösen, retro...

Fill
contrarian investors are buying / selling the divergence between fundamentals and expectations
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Fillorkill:

Lumpi, zitierst Du aus eigener Erfahrung ?

 
05.09.12 23:21
contrarian investors are buying / selling the divergence between fundamentals and expectations
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lumpensamml.:

Ja, und da könnte ich Romane schreiben

6
05.09.12 23:30
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daiphong:

Indiens katastrophale Verkehrsstruktur

11
06.09.12 01:56
und hohe Analphabetenquote sagt doch viel: das Land lebt innerhalb seiner Traditionen und kommt nur schwer voran. Familien-, Clan-, Kastenstrukturen voll mit Traditionen, Religionen, Aversionen, Identitäten, Claims. China hingegen war in dieser Hinsicht planiert worden von Japan, Bürgerkrieg und Kommunismus, es kann und muss sich in seinem Neuaufbau neu erfinden. Ob Indiens weiter schnell wachsende Bevölkerung ein Vorteil wird gegenüber der (noch?) schwachen Demographie in China, ist auch fraglich. Auf Dauer werden deklassierte Klassen, und die werden enorm viel schneller anwachsen als der Rest, richtig schwierig werden und sehr sehr teuer... in einigen Provinzen sind maoistische Partisanen und kriminelle Organisationen bereits eine Macht.

Dass Technik immer mit Kopieren anfängt, und nicht immer mit Wissenschaft, sollte gerade Techniker und Computer-User, aber auch Geschäftsleute eigentlich nicht wundern ;-o) so lernt man in der Welt der Praxis. Die "Werkbank China" ist im Jahre 2012 jedenfalls trotz aller industrieller Raubkopien ein unsinniges Bild, man gehe einfach mal die Industrien Chinas und ihre Stellung in der Welt im Einzelnen durch. "Werkbank" wäre ansonsten jede reale Industrie außerhalb von Entwicklungszentren - und auch die werden natürlich mit der Zeit kopiert.
Der USA Bären-Thread 534791
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permanent:

Indien/China

11
06.09.12 07:54

Freiheit sorgt für Kreativität die sich in Innovationen und Produktivität zu Wohlstand umsetzen lässt.

Es ist jedoch vollkommen egal ob die Beschränkung der Freiheit durch staatliche, religöse oder andere Einflussfaktoren erfolgt.
Nach meiner Erfahrung ist die freiheitliche Einschränkung in China durch den Staat nicht annähernd so erdrückend wie die religöse Einschränkung in Indien durch das Kastensystem.
Auch in anderen Weltregionen kann man die eingeschränkte wirtschaftliche Freiheit durch religöse Zwänge sehr schön als Wachstums- und Wohlstandsbremse beobachten.

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Spanien will Auflagen verhindern

8
06.09.12 07:56
Rajoy spricht mit Merkel

Spanien will Auflagen verhindern

Spanien benötigt ein Rettungspaket, feilscht aber noch um den Preis. Heute kommt Bundeskanzlerin Merkel nach Madrid. Spaniens Ministerpräsident Rajoy will sie einem Medienbericht zufolge dazu überreden, seinem Land harte Auflagen zu ersparen. Allerdings hat auch Merkel Forderungen in ihrem Gepäck.

Die spanische Regierung wohl bereit, ein Rettungspaket für das ganze Land zu beantragen, allerdings nur, wenn damit keine zusätzlichen Auflagen verbunden sind. Angesichts der hohen Zinssätze sehe sich Spanien außerstande, die im Oktober anstehende Schuldenrückzahlung von 24 Milliarden Euro selbst zu stemmen, berichtete die Zeitung "El Pais" unter Berufung auf Informationen aus Madrider Regierungskreisen.

Ministerpräsident Mariano Rajoy werde versuchen, Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür zu gewinnen, dass Spanien ein Rettungspaket ohne harte Auflagen - wie etwa die Rentenzahlungen zu senken - erhält. Merkel und Rajoy kommen heute zu einem Treffen in Madrid zusammen.

Die Zeitung schreibt weiter, es werde damit gerechnet, dass Merkel ihren spanischen Kollegen dazu drängt, die Details zu der bereits im Juni beantragten Bankenhilfe zu klären. Zudem dürfte Merkel davor warnen, dass eine Intervention der EZB zur Senkung der spanischen Finanzierungskosten nicht umsonst zu haben sei.

"Spanien kommt voran"

Rajoy forderte einen energischen Kampf gegen die Schuldenkrise gefordert. "Es ist jetzt besonders wichtig, dass sich die ganzen Unsicherheiten um den Euro auflösen und wir uns wieder zu vernünftigeren Zinsen finanzieren können", sagte der Regierungschef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Spanien komme voran, weil es seine Wirtschaft flexibler und wettbewerbsfähiger mache und den Arbeitsmarkt und das Finanzsystem reformiere. Allerdings hänge die Beseitigung der Zweifel am Euro nicht von seinem Land und seiner Regierung ab.

Rajoy sagte weiter, bei den Zinsen sei eine Korrektur notwendig und dringend. "Die Risikoaufschläge sind nicht das Ergebnis der Fundamente der spanischen Wirtschaft, sondern der Zweifel am Euro. Deshalb beharre ich so sehr auf einer raschen Lösung." Zwar habe die EZB das Mandat, die Inflation in Schach zu halten. Sie solle aber auch eine funktionierende Währungsunion garantieren. "Wir haben in der Tat außerordentliche Umstände", sagte Rajoy.

Quelle: DJ/rts

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EU will eigenes Parlament für die Euro-Länder

9
06.09.12 08:27

EU will eigenes Parlament für die Euro-Länder

exklusiv Spitzenvertreter der EU arbeiten an einer neuen Architektur für die Währungsunion. Ihre Pläne würden alles bisher da Gewesene übertreffen, heißt es in Brüssel. Damit ist heftiger Streit programmiert. Von Ruth Berschens. Mehr…

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China baut als Konjunkturstütze massenhaft U- und

11
06.09.12 08:30

China baut als Konjunkturstütze massenhaft U- und S-Bahnen

Das Wachstum kommt nicht wieder in Schwung – und zugleich leiden die Städte  unter  Dauerstau? China macht in dieser Situation das Nächstliegende – und baut den öffentlichen Nahverkehr aus. Ganze 88 Milliarden Euro hat die Regierung dafür freigegeben, in ausgewählten Städten neue U-Bahnlinien zu bauen.

Das klingt erstmal ziemlich sinnvoll. Doch an dem Plan zeigt sich große Unsicherheit der Führung des Landes im Umgang mit dem erodierenden Wachstum. Denn im Jahr vier der Weltwirtschaftskrise stellt sich langsam die Frage, was sich noch sinnvoll bauen lässt, um die Konjunktur zu stützen.

In den ersten 30 Jahren des chinesischen Wirtschaftswunders war es vergleichsweise leicht, das Wachstum anzufachen. Genau wie in Deutschland nach dem Krieg brachte jede neue Straße, jedes neue Gebäude einen Zuwachs an Wohlstand und Lebensqualität.

Doch die Rendite von Infrastrukturinvestitionen nimmt mit dem Entwicklungsstand ab. Die Autobahn und die Schnellbahnstrecke vom politischen Zentrum Peking zur nächsten Hafenstadt Tianjin beispielsweise hat nicht nur beim Bau Arbeitsplätze geschaffen. Die Verkürzung der Fahrtzeit hat auch danach Geschäftsmöglichkeiten eröffnet, Kosten gesenkt und Wachstum geschaffen.

Doch rund um die reichen, hochentwickelten Wirtschaftszentren ist schon alles vollgebaut. Nun ist es bei weitem nicht so, als ob in China nicht noch weitere Straßen zu bauen wären. Doch diese liegen Abseits der produktiven Standorte.

Neulich war ich auf einer nagelneuen Schnellstraße unterwegs, die mitten in der armen Provinz Qinghai in Richtung eines tibetischen Dorfs führte. Außer unserem Bus war oft kilometerweit keine anderes Fahrzeug zu sehen. Statt zwei heiß laufende Zentren wie Peking und Tianjin zu verbinden, führt sie an Stupas vorbei durch die Berglandschaft mehr oder minder ins Nichts.

Um den Wachstumseffekt von Infrastruktur zu bewerten, muss man etwas Gehirnschmalz aufwenden. Er hat zwei Seiten. Oder besser zwei Phasen.

1. Phase: Beim Bau der Sache steigt auf jeden Fall ersteinmal das BIP und es entstehen Arbeitsplätze.

2. Phase: Doch bringt die Investition auch in Zukunft Wachstum? Steigt dadurch die Produktivität, eröffnen sich neue Möglichkeiten? Einige tun es. Andere kosten sogar Geld.

Eine Straße, ein Flughafen, ein Stausee, der wenig genutzt wird, muss trotzdem gepflegt werden. Es gibt immer wieder auch “Investments” die am Ende unwahrscheinlich hohe Folgekosten erzeugen. Ein explodierter Atomreaktor würde dazugehören.

Auch wenn alle Infratstrukturinvestments also beim Bauen genau so viel Konjunktureffekt haben, wie sie kosten, stellen sie in Zukunft einen ganz unterschiedlichen Segen dar. Das klassische gute Investment ist das in Forschung. Wer das schönere Display entwickelt, den energiesparenderen Motor, das Mittel gegen Krebs, der nützt künftigen Kunden und legt die Grundlage für mehr Wohlstand = Wachstum.

Zurück zu China und den U-Bahnen. Anfangs war es leicht, Investitionen auszuwählen, die eine erhebliche Hebelwirkung hatten. Heute ist der Effekt zwar längst noch nicht abgenutzt, aber die Regierung müsste eigentlich sehr genau schauen, wo sie ihr kostbares Kapital hineinsteckt. (Denn Kapital ist immer, überall ein knappes Gut, auch wenn es in der Liquiditätsschwemme manchmal nicht so aussieht.)

In den vergangenen vier Jahren konnte Peking aber gerade nicht so genau auswählen, wo das Kapital hin sollte.

Als der Export in die westlichen Länder Anfang 2009 einbrach, verloren binnen zweier Monate 20 Millionen einfache Arbeiter ihren Job. Das Wachstum fiel unter sieben Prozent und näherte sich damit der Grenze zur Rezession (die in Schwellenländern höher liegt). Die chinesische Regierung ließ daraufhin auf Teufel komm raus losbauen.

Das hat in Phase 1 geholfen. Doch jetzt, drei Jahre später, sehen wir den ersten Zipfel von Phase 2. Und unrentable Investments steigern das BIP einfach nicht. Deshalb ist das chinesische Wachstum in diesem Jahr so deutlich gesunken.

Der weitere Ausbau von U-Bahnstrecken im Wert von 88 Milliarden Euro erscheint mir nun als eines der wenigen Mittel, wie sich der Bevölkerung mit den klassischen Mitteln der Beton-Politik etwas Gutes tun lässt.

Ein Freund aus der Verkehrplanung hat mich allerdings unlängst darauf hingewiesen, dass sich neue U-Bahnen längst als überproportional teuer herausgestellt haben, um Verkehrsprobleme zu lösen. Vermeidung und Verteilung seien bessern; zudem lasse sich zu einem Bruchteil des Preises Busschnellstrecken auf eigenen Fahrbahnen einrichten.

Für China derzeit uninteressant. Es geht darum, Wanderarbeiter zu beschäftigen, damit das Volk zufrieden bleibt.

»Finn Mayer-Kuckuk 06. September 2012, 07:47 Uhr
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A.L.:

EZB will Verluste aus Bondkäufen akzeptieren

9
06.09.12 09:44
Das ist neu - und könnte sich als gefährlich erweisen: Beim Griechenschnitt blieb die EZB dank juristischer Tricks noch außen vor. Nimmt sie jedoch an künftigen Schuldenschnitten teil und/oder erleidet sie Kursverluste aus Draghis geplanten "massiven Staatsanleihenkäufen", dann könnte die (viel zu) dünne Eigenkapitaldecke der EZB bald wegschmelzen wie Eis in der Sonne. Ihr Eigenkapital könnte negativ werden - mit der Folge, dass u. a. Deutschland anteilig Cash nachschießen müsste. Aus rein verbalen "Garantien" würden dann harte und schmerzhafte Zahlungen. Ich werde dazu im nächsten Posting einen längeren Kommentar schreiben.



05.09.2012
Bevorzugter Schuldner:
EZB nimmt Verluste aus Bondkäufen wohl auf sich


Am Tag vor der Sitzung des EZB-Rates sickern erste Details zu den Plänen der Notenbank durch. Ob sie Wirklichkeit werden, ist offen - sie würden aber zu weiteren erheblichen Kosten für die Zentralbank führen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Informationen aus Notenbankkreisen bereit, künftig auch Verluste durch von ihr gehaltene Staatsanleihen zu akzeptieren. Das sagten zwei hochrangige Notenbanker der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch - am Tag vor einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt, bei der ein umfangreiches und in Deutschland höchst umstrittenes neues Anleihekaufprogramm als Hilfe für überschuldete Euro-Länder beschlossen werden soll. Ein EZB-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Er sagte lediglich, es sei nicht zielführend, über noch nicht getroffene Entscheidungen zu berichten.

Die EZB werde ihren bevorzugten Gläubigerstatus bei Anleihekäufen höchstwahrscheinlich aufgeben, sagten die beiden Notenbanker. Das sei in den Dokumenten zur Vorbereitung der Sitzung vorgeschlagen worden, werde im EZB-Rat am Mittwochabend sowie Donnerstagmorgen aber noch einmal diskutiert. "Es gibt ein Problem, wenn die Notenbanken auf dem 'preferred creditor status' bestehen - denn je stärker der öffentliche Sektor dann am Anleihemarkt interveniert, um so weniger ist der Privatsektor an Staatsanleihen interessiert", sagte der eine Zentralbanker.

Im Frühjahr hatte die Notenbank die durch die Umschuldung Griechenlands eigentlich notwendigen Abschreibungen auf von ihr gehaltene Anleihen des Landes mit einem juristischen Trick und einem vielfach kritisierten Umtausch vermieden. Seitdem war das Vertrauen privater Investoren in den Anleihemarkt noch weiter gesunken, als ohnehin schon wegen der Schuldenkrise. Bis dato hat die Notenbank Staatsanleihen von Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und -Italien im Wert von mehr als 200 Mrd. Euro in ihre Bilanz genommen.

Die von EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Monat in Aussicht gestellten neuen Anleihekäufe werden nach Darstellung beider Insider so gestaltet sein, dass das dafür geschöpfte Geld über Gegengeschäfte wieder aus dem Finanzkreislauf gezogen werden kann, damit sich kein Potenzial für Inflation aufbaut. "Es kann sterilisiert werden, aber es wird keine Muss-Bestimmung sein" [na dann wollen wir mal hoffen, dass das PIIGS-Schwein nicht schon wieder schwanger wird ;-) - A.L.], sagte zudem einer der beiden Notenbanker zu Reuters. Sollte diese Option vom EZB-Rat so beschlossen werden, würde das die Tür für eine noch stärkere Lockerung der Geldpolitik offen halten, wie sie etwa die US-Notenbank Fed bereits im Rahmen ihrer Quantative Easing (QE) genannten Aufkaufprogramme praktiziert.

EZB-Chef Draghi werde bei der Pressekonferenz im Anschluss an die an den Finanzmärkten mit Spannung erwartete Ratssitzung keine Angaben über das mögliche Gesamtvolumen der Eingriffe am Anleihemarkt machen. Der EZB-Rat wolle den Spielraum behalten, darüber "von Fall zu Fall" zu entscheiden, sagte einer der beiden Zentralbanker. Die EZB wolle auch keine Details zu ihren Interventionen, etwa zu angepeilten Maximalzinsen für die von der Schuldenkrise besonders getroffenen Länder, nennen, sondern die Marktteilnehmer im Unklaren lassen.

Mit einer weiteren Leitzinssenkung auf dann 0,5 Prozent ist nach Angaben der Notenbanker am Donnerstag nicht zu rechnen. "Meiner Ansicht nach nicht", sagte der ein Insider. Der andere erklärte, die Ratssitzung werde sich so gut wie ausschließlich auf die Modalitäten der geplanten Anleihekäufe konzentrieren und "deshalb keine Zeit für eine Beratung des Zinses bleiben". Einer der Insider sagte jedoch, die wirtschaftliche Lage in vielen Euro-Ländern sei so schlecht, dass früher oder später auch mit einer weiteren Leitzinssenkung zu rechnen sei.
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Pichel:

88% der Händler erwarten einen spanischen Bailout

4
06.09.12 09:46
www.zerohedge.com/news/...ders-expect-spanish-bailout-year-end
... (automatisch gekürzt) ...
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Malko07:

China, Indien

8
06.09.12 10:18
Wenn man sein Land aus eigener Kraft, ohne große Importe aufbaut, geht es selbstverständlich wesentlich langsamer als wenn man seine Bevölkerung für den Export versklavt und massiv importiert. Kein Wunder, dass Indien China offensichtlich stark hinterherhinkt und das noch längere Zeit tun wird. Aber die aufgebauten Strukturen werden gesünder sein.

Die Probleme der Firmen in China sind mindestens so groß wie diejenigen die hier bezüglich Indien gepostet wurden (weiß ich aus Schilderungen von Personen, welche Vorort tätig sind). In manchen Entwicklungsländern und anderen Ländern verbrennen unsere Firmen unendlich viel Geld und zahlen ein teures Lehrgeld. Weltmeister diesbezüglich ist sicherlich Daimler.

Und sicherlich sieht die Infrastruktur in fast ganz Indien, so wie in vielen Gegenden Chinas wie in einem Entwicklungsland aus. China unterscheidet sich primär in den Sonderzonen, wo sogar manchmal wir im Vergleich wie ein armes Land aussehen. Dieses wird durch ein riesiges Heer an Wanderarbeiter erreicht, welche schlimmer wie im Manchester-Liberalismus ausgenommen werden. Die Extreme in China erreichen damit weltweit einmalige Ausmaße und sind der Grundstock für zukünftige Unruhen und Bürgerkriege. Und man wird sehen: Die Geschichte wiederholt sich doch.

In Indien wirken in einem abnehmenden Maße Kasten und Traditionen, in China in einem zunehmenden Maße die besondere Ausprägung der "kommunistischen" Triaden und die allgemeine staatliche Repression. Man sollte sich nicht von glitzernden Fassaden täuschen lassen.
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permanent:

Der deutsche Maschinenbau kennt keine Krise

7
06.09.12 10:22

Produktionsplus erwartet: Der deutsche Maschinenbau kennt keine Krise

Ursprünglich hatte die Branche für 2012 mit einer Stagnation gerechnet. Nun korrigiert der Branchenverband auf ein Plus – und das auch für das kommende Jahr. Dafür sorgt nicht zuletzt das Auslandsgeschäft.

DüsseldorfDer deutsche Maschinenbau ist trotz der Schuldenkrise optimistischer als bislang und schlägt sich damit besser als die Chemie- und Elektrobranche. Statt der in Aussicht gestellten Stagnation der Produktion rechnet der Maschinenbau für 2012 mit einem Plus von zwei Prozent, wie der Branchenverband VDMA am Donnerstag mitteilte. Auch für das kommende Jahr traut sich die Branche ein Produktionsplus von zwei Prozent zu.

Im ersten Quartal 2013 dürften zwar noch Minusraten anfallen, da sich die Produktion am hohen Vorjahresniveau messen lassen müsse, erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Mit Auslaufen dieses Effektes und unter der Annahme, dass sich das weltwirtschaftliche Umfeld aufhellt, dürfte die deutsche Maschinenproduktion aber wieder ins Plus drehen.

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permanent:

Draghi weckt gewaltige Erwartungen

7
06.09.12 10:23

Tagesordnung der EZB: Draghi weckt gewaltige Erwartungen

Die Erwartungen an die Sitzung des EZB-Rates sind groß. Inzwischen kursieren viele Details zum geplanten Programms zum Staatsanleihenkauf - doch ob der Vorschlag von EZB-Chef Draghi wirklich beschlossen wird, ist offen.

Die Spanier erwarten voller Spannung die Stippvisite von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Madrid - doch noch gespannter blicken sie heute nach Frankfurt, zur Europäischen Zentralbank (EZB). Das Land, derzeit das Epizentrum der Euro-Krise, hofft inständig, dass der Zentralbankrat Klarheit über ein neues Programm zum Kauf von Staatsanleihen bedrängter Euro-Staaten beschließt. EZB-Präsident Mario Draghi hat es aus spanischer Sicht in der Hand, den Druck der Finanzmärkte zu mildern.

Regierungsvertreter aus Madrid, Rom und Paris haben die EZB ebenso zu entschlossener Hilfe aufgefordert wie der Chef der Industrieländerorganisation OECD, Angel Gurria. Die Finanzmärkte haben die erwarteten Käufe schon vorweggenommen - die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen ist von über sieben Prozent auf rund 6,5 Prozent gesunken.

Doch die EZB ist seit Tagen bemüht, die Erwartungen zu dämpfen. In Anbetracht des öffentlich ausgetragenen Streits im Zentralbankrat zwischen Draghi und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist offen, was heute tatsächlich beschlossen werden kann.

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Malko07:

Bill Clinton rockt

5
06.09.12 10:27
Der USA Bären-Thread 14089365
Es war die wohl beste Rede seiner Karriere. Mit Verve hat sich Bill Clinton auf dem Parteitag der US-Demokraten für Barack Obama ins Zeug gelegt, gekonnt zog er über den Gegner Mitt Romney her. Selbst ein republikanischer Berater gibt zu: "Dieser Moment verhilft Obama wahrscheinlich zur Wieder ...
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Malko07:

Schläft die Bankenaufsicht?

5
06.09.12 11:37
Kicky:

Wirtschaft der Eurozone schrumpft weiter

6
06.09.12 11:45
(sda/Reuters) Trotz dem robusten Wachstum ihrer grössten Volkswirtschaft Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone im zweiten Quartal geschrumpft. Es fiel um 0,2% im Vergleich zum Vorquartal, bestätigte Eurostat am Donnerstag eine frühere Schätzung.

Während die Konsumausgaben um 0,2% sanken, gingen die Investitionen um 0,8% zurück. Das konnte durch das Exportplus von 1,3% nicht wettgemacht werden.

Zu Jahresbeginn hatte die Wirtschaftsleistung noch stagniert. Zum Vergleich: In den USA gab es zwischen April und Juni ein Plus von 0,4%, in Japan von 0,3%.

Die Kluft zwischen den einzelnen Euro-Ländern ist gross. Deutschland konnte sich dem Abwärtstrend entziehen: Gut laufende Exporte und kauffreudige Konsumenten liessen die Wirtschaft um 0,3% wachsen.

In Frankreich stagnierte das BIP. In den südeuropäischen Ländern verschärfte sich die Rezession: In Portugal brach die Wirtschaftsleistung um 1,2% ein, in Italien um 0,7% und in Spanien um 0,4%.
www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/...uro-zone-schrumpft-1.17573059
Antworten
A.L.:

Mein Kommentar zu drohenden Verlusten der EZB

7
06.09.12 11:51
(= FTD-Artikel in # 088), hier noch mal der dort vergessene Link:
www.ftd.de/politik/konjunktur/...dkaeufen-wohl-auf-sich/70086544.html



Ich hatte schon in früheren Postings wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, dass die EZB beim Aufkauf von PIIGS-Staatsanleihen hohe Verluste einfahren kann.

Die EZB verfügt über nur knapp 10 Mrd. an Eigenkapital, hat aber bereits für über 200 Mrd. Euro PIIGS-Staatsanleihen aufgekauft. Das ergibt einen Hebel von 20. Wenn weitere Aufkäufe folgen - insbesondere die von Draghi angekündigten "massiven Käufe" - , wird der Hebel entsprechend steigen, da das Eigenkapital (EK) der EZB vermutlich nicht aufgestockt wird.

Die Preise, die die EZB beim Aufkauf von PIIGS-Bonds zahlt, sind tendenziell zu hoch (bzw. die Renditen zu niedrig). Grund: Hinter den EZB-Käufen steht bekanntlich die Absicht, die Bond-Kurse mittels Marktmacht  - d. h. durch massive "Bestens"-Gebote - kalkuliert in die Höhe zu manipulieren. Dies führt zugleich zur von Draghi gewünschten Rendite-Senkung, die für Länder wie Italien die Schuldenneuaufnahme günstiger macht.

Wir sahen aber bereits bei den ersten "Bazooka"-Schüssen der EZB, dass sie lediglich zu Strohfeuern führten: Als Draghi ab Dez. 2012 eine satte 1 Billion in den Markt haute, sanken die zehnjährigen Zinsrenditen Italiens und Spaniens zwar wie gewünscht von zuvor über 6 % auf knapp über 3 %. Doch nur wenige Monate (jetzt) stehen die Spreads (zu Bunds) wieder so hoch wie zuvor - und teils noch höher.

Grund ist, dass "auf der anderen Seite" des EZB-Deals Heerscharen von verzockten Versicherungen und Banken sitzen, die sehnsüchtig darauf warten, ihre PIIGS-Staatsanleihenbestände bei jeder sich bietenden günstigen Gelegenheit loszuschlagen. Und genau diese günstige Gelegenheit (potenzielle Einmal-Chance) bot sich, als die EZB mit ihrer Billionen-Spritze ab Dez. die künstliche Bond-Hause lostrat. Viele Finanzinstitute dünnten ihre PIIGS-Langläufer aus und kauften zusätzlich Kurzläufer, die möglichst noch vor Rückzahlung der EZB-Billigkredite (LTRO) in drei Jahren endfällig werden. Der Nettonutzen des Programms war, dass auch die PIIGS-Spreads am langen Ende sanken (1 Billion Euro ist schließlich ein wahrer Bazooka-Donner....)

Die Banken, die ihre PIIGS-Langläufer ausdünnten, wussten oder ahnten, dass sie den Schrott auf absehbare Zeit nie mehr so günstig in den Markt würden drücken können. Also nutzten sie Draghis "Marktverzerrung", um rechtzeitig (vor dem nächsten Schuldenschnitt) abzuladen. Dieser Mechanismus trug maßgeblich dazu bei, dass die PIIGS-Renditen, nachdem der Bazooka-Donner verhallt war, schnell wieder Vor-Interventions-Stände (und höher) erreichten. Dies ist nichts anderes als eine natürliche "freie Markt"-Reaktion.

Daher verpuffte die EZB-Manipulation am PIIGS-Bondsmarkt binnen Monaten (nur Aktien hielten sich oben). Unterm Strich blieb die Aktion dennoch nicht wirkungslos: Die EZB hat nun eine ungedeckte Billion mehr in der Bilanz, während die Banken und Versicherungen ihre EK-Quote auf Kosten der EZB (und schlussendlich der Steuerzahler) aufbessern konnten. Die Finanzunternehmen verdankten ihre "gestärkte Kapitalbasis" (von der Börse als Triumph gefeiert) der schlussendlich drohenden Sozialisierung von EZB-Verlusten auf Kosten der europäischen Steuerzahler.

Wir wissen von Devisenmarkt-Interventionen, dass Notenbanken bei Marktmanipulationen nur relativ wenig "Feuerkraft" haben. Immer wenn Japans BOJ zur gezielten Yen-Schwächung massiv Yen gegen Dollar verkaufte (letzten Herbst), stand USD/JPY oft schon wenige Stunden später wieder da, wo die Kurse vorher gestanden hatten. Manipulationen im Bondmarkt "halten" nur deshalb länger, weil dieser viel illiquider ist. Es bleibt jedoch bei der Gemeinsamkeit, dass der Markt "bestrebt" ist, die von den Zentralbanken via Intervention künstlich geschaffenen Ungleichgewichte zu seinem Nutzen wieder auszugleichen.

Sterbliche Fleisch- und Blut-Investoren haben - im Gegensatz zu den mit Cybergeld um sich werfenden EZB-Bürokraten um Asmussen - schlicht und einfach Angst davor, ihr investiertes Geld nicht zurück zu bekommen. Man sah er bereits beim für sie katastrophalen Schuldenschnitt Griechenlands. Bei von der EZB aktiv nach unten verzerrten PIIGS-Renditen kaufen Normalanleger schon deshalb nicht, weil das Verhältnis von Ertrag zu Risiko (CRV) viel zu schlecht ist. Mangels sterblicher Bieter mutierte die EZB zum "Käufer der letzten Instanz". Nebenbei betrieb sie damit die ihr verbotene Staatsfinanzierung.

Doppelt übel wirkte in dem Kontext, dass sich die EZB beim ersten Ernstfall mit juristischen Tricks aus der Affäre gezogen hatte: Beim Griechenschnitt berief sie sich auf ihren Sonderstatus als "preferred creditor" - und nahm am Schnitt nicht teil. Normale Bondhalter hingegen, darunter Versicherungen und Banken, wurden zur Teilnahme am Schuldenschnitt (Realisierung von Verlusten) mehr oder minder gezwungen.

Die EZB agierte ähnlich wie die Schweine in Orwells Fabel "Farm der Tiere". Nach der Revolution gegen den Bauern, der sie zuvor ausgebeutet hatte, schreiben die Pigs zunächst "Alle Tiere sind gleich" in die neue Verfassung. Später fügten sie, um Sonderrechte geltend zu machen, hinzu: "Aber einige Tiere sind gleicher als andere."

Ebenso hat die EZB - in ihrem PIIGS-Saustall - normale Bondhalter zu "Haltern zweiter Klasse" degradiert und damit nachhaltig verprellt. Denn wenn Zentralbanken "gleicher sind als andere", dann zeigen "die anderen" entsprechend wenig Interesse bei anstehenden PIIGS-Neuauktionen. Nicht zuletzt deshalb kamen die Spreads relativ schnell wieder hoch.

Kein Wunder, dass die EZB nun erklärt hat, sie wolle in Zukunft auf ihren Preferred-Creditor-Status verzichten (# 088).

Das hört sich für PIIGS-Bondkäufer zunächst scheinbar gut an.

Im Klartexte jedoch bedeutet dies, dass die EZB im Falle weitere Schuldenschnitte - die zumal in GR mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen werden - hohe Verluste schreiben wird: Wegen ihres hohen Hebels ist ihre schmale EK-Decke dann ruckzuck aufgebraucht. Das verbrannte Kapital muss dann schnellstmöglich wieder aufgestockt werden. Das Geld dafür kann aber nur - auf mehr oder minder verschleierten Umwegen - aus den Steuereinnahmen der (Nord-)Eurozonenländer kommen.

Das heißt: Nach dem nächsten Schuldenschnitt, an dem die EZB nun "teilnehmen" will, dürfte auch der deutsche Steuermichel anteilig für die Rekapitalisierung der EZB zur Kasse gebeten werden. Zudem drohen der EZB auch dadurch schleichende - und potenziell sehr hohe -  Verluste, dass die zu Mondkursen aufgekauften PIIGS-Bonds in ihrer Bilanz stark nachgeben (Folge von zig Verkaufswilligen). In beiden Fällen kann die EZB schnell auf über 100 faulen Milliarden sitzen.

Wenn die EZB rekapitalisiert werden muss, heißt das nichts anderes, als dass die Mittel, die den mit PIIGS-Bonds verzockten Banken und Versicherungen seit Dezember ein generöses Aus-Cashen (samt EK-Quotenerhöhung) ermöglichten, letztlich aus dem Steuersäckel stammten.

Dabei geht es aber - sofern Politiker nicht hastig einen Ultra-Fallschirm ("EZB-Auffang-Fonds") zusammenflicken - nicht  mehr wie bislang um virtuelles Spielgeld, sondern um "harte Euros". Schäuble muss dann einen Nachtragshaushalt verabschieden, um das negative EK der EZB aufzufüllen. Dazu muss er sich neu verschulden, Steuern erhöhen, Renten kürzen, Sozialausgaben senken usw..

Der Bundesfinanzminister hätte das Geld dann eben so gut gleich direkt an die verzockten Banken und Versicherungen überweisen können - ohne den heuchlerischen "Griechen"/EZB-Umweg, mit dem die CDU dreist-verkappte Klientel-Politik betreibt.
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Kicky:

Dombret BUBA hält Rede in Tokio

3
06.09.12 12:01
www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Termine/...et_nagel.html?nn=372

Interview mit Dombret am 3.9. in Tokio,
www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Interviews/...mbret_nikkei.html
zur zukünftigen Bankenaufsicht in Europa, zu Basel III und zu fiskalische Konsolidierung und nötigen  Strukturreformen sowie zu den PIGS

und Bloomberg www.bloomberg.com/news/2012-09-05/...ies-to-save-the-euro.html
Antworten
permanent:

Die EZB sprengt ihr Mandat

9
06.09.12 12:15

Die EZB sprengt ihr Mandat

Mario Draghi will Anleihen von Krisenstaaten aufkaufen, um ein Zerbrechen der Euro-Zone zu verhindern. Damit entmachtet der EZB-Präsident nicht nur die nationalen Regierungen, sondern auch das Bundesverfassungsgericht.

Am 12. September wird das Bundesverfassungsgericht verkünden, ob Deutschland sich am Rettungsschirm ESM beteiligen darf. Nach der mündlichen Verhandlung vom 10. Juli hat das Gericht sich zwei Monate Zeit genommen, um sorgfältig analysieren zu können, ob diese Beteiligung grundgesetzwidrig ist. Das Urteil wird eine Reihe wichtiger Fragen beantworten. Zu der wichtigsten Frage, die sich die Richter eigentlich stellen müssten, werden sie aber vermutlich schweigen: zur Frage, ob ihr Urteil durch die aktuellen Pläne der EZB schon heute irrelevant wird.

http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/...dat/7100692.html

Antworten
Fillorkill:

Permanent: 'EZB sprengt ihr Mandat'

6
06.09.12 12:54
Ich würde es so formulieren: Die EZB erweitert ihr Mandat, weil der einstige kategorische Imperativ 'Geldwertstabilität' zur Spekulation gegen den Euro (via seiner schwächsten Glieder) wie gesehen und ungeplant einlädt anstatt dieser vorzubeugen. Dass das unbeirrte Festhalten an der reinen Lehre mit dem Zusammenbruch des Währungsraumes bezahlt werden müsste dürfte selbst bei der Bundesbank Konsens sein. Denn die idealistische Version, die EZB solle einfach nur eine vergrösserte Version der Bundesbank sein, lässt sich nicht länger durchhalten, weil die systemischen Bedingungen offenkundig ganz andere sind. ..

Die eigentlichen Probleme sehe ich deshalb auf der kommunikationspsychologischen Ebene: Wie rüberbringen, dass das ein Jahrzehnt lang gepflegte Ideal nicht mehr haltbar ist, ohne erneut Zweifel am Markt und massiven Widerstand am Stammtisch zu provozieren ? Die Lösung ist die, einerseits einen roten Faden zu behaupten, der tatsächlich längst durchtrennt ist und andererseits alle Veränderung als Ergebnis eines beinharten Ringens zweier Antipoden - Draghi und Weidmann - zu verkaufen, welches dem Verdacht der Leichtfertigkeit den Boden entziehen soll. Was logischerweise eine Reihe von Widersprüchen erzeugt, die die Kritik am Leben erhalten wird, bis die Sache durch ist...

Fill
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Fillorkill:

Spanien: Reformkurs beginnt zu greifen...

6
06.09.12 13:28

 

Am frühen Dienstag hat schließlich die spanische Guardia Civil eine Felseninsel geräumt, auf der 83 Flüchtlinge  ausgeharrt hatten. Nachdem die "Isla de la Tierra" geräumt worden war,  die nur knapp 50 Meter vor der marokkanischen Küste liegt, übergab  Spanien 73 Flüchtlinge der marokkanischen Gendarmerie. Nur zwei Frauen  und acht Kinder wurden, so sah es ein Abkommen zwischen beiden Ländern  vor, in die spanische Exklave Melilla in ein Auffanglager gebracht, wie  es alle Flüchtlinge verlangt hatten.

Der Rest der Schwarzafrikaner wurde Marokko übergeben. Dort wurden  sie noch am Strand festgenommen und später gut 150 Kilometer nach Oujda  verfrachtet. Von hier ging die Reise in Bussen weiter an die  naheliegende algerische Grenze. Dort wurden die 73 Menschen schlicht im  Niemandsland in der Wüste abgesetzt. ..

 

 

Telepolis

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