Massiv "Bearish Positions" einnehmen, so rät Pete Stolcers heute in seinem Blog und wird gemäß seiner Aussage trotz durchaus nicht unangenehmer Results in der laufenden Earnings-Season bei jedem möglichen Pullback seiner Schreibe nach "die Karre weiterhin voll mit Puts laden". Aber möglicherweise rettet Apple nach Börsenschluss ja mal wieder die Welt. LOL.
So angenehm dies in den Bären-Ohren klingen mag, einige Überlegungen meinerseits (aus meinem eigentlich börsenfreien Sommer-Urlaub) hierzu.
In Märkten, wie wir sie heutzutage sehen, in denen die Fed und die Mehrzahl ihrer Notenbank-Komplizen mit dem Rücken zur Wand sehr wahrscheinlich alles auf die "Infinite Fiat-Karte" setzen werden, wissen wir zwar, dass das langfristig wahrscheinlich durchaus "in Tränen" enden könnte und möglicherweise auch wird, aber kurz- bzw. mittelfristig muss man diesen Umstand bei den persönlichen Börsentransaktionen schon mit einplanen. Es sind aktuell sicherlich die best manipuliertesten Börsen, welche man je gesehen hat, doch was hilft diese Einsicht, wenn man sich dazu massiv gegenläufig positioniert? Was nützen da für größere Short-Einstiege einige "Down Days", wenn anschließend wieder einmal irgendein Zentralbank-Crook von einem neuerlichen QE oder was auch immer in dieser Richtung gemäß faselt, oder z.B. demnächst eine größere POMO-Show bei der Fed abgeht, oder die BoJ erneut versichert, dass sie bis zum Ende aller Tage jede Menge Knete pumpen wird, usw.? (Sofern der nächste Tsunami nicht die Geld-Pumpen außer Gefecht setzt. Sarkasmus-Generator out)
Wie schwierig das Timing bei Shorts ist, demonstriert das nachfolgend aufgeführte Beispiel recht gut. In seinem Buch "The Big Short" führt Michael Lewis einige Finanzakteure an, die recht frühzeitig nach intensivem Studium der Materie zu dem Schluss kamen, dass der US-Hypotheken-Markt kollabieren würde. Hedgefonds-Manager Steve Eisman z.B. wollte daher bereits recht frühzeitig dementsprechend short positioniert sein, sprich Aktien von Unternehmen, welche stark im Subprime Markt engagiert waren, leerverkaufen, wenn der Markt denn eben kippt. Er hatte zu diesem frühen Zeitpunkt jedoch ein Problem: Seine Wetten liefen unbefriedigend, da er damals nicht nur gegen die Unternehmen spekulierte, sondern zudem auch noch gegen die Marktstimmung hinsichtlich dieser Unternehmen. Und diese Spekulationen gingen seinerzeit gewaltig an Eismans Kapitalstock. Viele Unternehmen schütteten damals noch hohe Dividenden aus und es kam vielfach recht teuer, sich diese Aktien zu leihen. So zahlte beispielsweise der im Jahr 2007 in die Pleite gerutschte Hypothekenfinanzierer New Century in den Vorjahren teilweise bis zu 20% Dividende, und wenn man sich diese Aktien leihen wollte, so kostete das 12% im Jahr. Für sein letztendlich lukratives Short-Engagement in New Century musste Eisman also
a) erst einmal recht deutliche Verluste aussitzen
b) damit auch über die dementsprechende Kapitaldecke und somit auch über das nötige Durchhaltevermögen verfügen und was aber definitiv unumgänglich wichtig ist
c) sich seiner Analyse, dass eben der Hypotheken-Markt crasht, vollkommen sicher sein.
Soweit zu dem Thema "Der frühe Vogel pickt den Wurm".
Wie bereits hier im Thread oftmals ausgeführt, sind momentan die wirtschaftlichen Fundamentaldaten für die Aktienmärkte nicht die unbedingt entscheidende Größe. Was hauptsächlich zählt, ist das fast kostenlose Cyber-Money von Fed & Co. und selbstverständlich die dazu benötigte rechte Stimmung an den Aktienmärkten. Wie oft konnten wir in der Vergangenheit medial verbreitete und allseits bekannte Worthülsen a la "In der Hoffnung auf geldpolitische Impulse der Notenbanken haben die Aktienmärkte den Handel mit Kursgewinnen beendet" in den Medien wahrnehmen? Nun, wahrlich sehr oft.
Und um diese Stimmung stetig zu steigern und zu verbessern, da haben wir doch unterstützend dazu unsere geschätzten Mietmäuler, sprich unsere Kapitalmarktexperten, Börsenbriefschreiber, Analysten und deren Kaufempfehlungen, deren publizierte Hoffnungen auf eine Sommer-Rally, Präsidentschafts-Rally, Weihnachts-Rally, usw., usf., deren eloquente Hinweise darauf, dass Cash, Bonds zu Mondpreisen und kurzfristige Einlagen bei Zinsen nahe Null doch so unattraktiv sind. Steigen sie daher ein in den Aktienmarkt, es geht doch schließlich künftig nur noch aufwärts! To da mooooon! LOL. (Wobei wohlgemerkt die US-Indizes momentan sogar nur einige Prozentpunkte unterhalb ihrer ATHs notieren)
Die ungeheuren Geldlawinen der Notenbanken landen halt eben nicht in der Real-Wirtschaft, sondern bilden letztendlich nur den großen Transmissionsriemen für preistreibenden Spekulationen der Zockerbuden an den Aktien- und Rohstoffmärkten.
Auch wenn die Notenbänker aktuell behaupten, sie hätten nun ein gezieltes Auge auf die sich entfaltenden neuen Blasen in den Asset-Klassen, so stellt sich doch die Frage, ob man ausgerechnet denjenigen trauen sollte, welche für die geplatzten Blasen der Vergangenheit eine erhebliche Mitschuld tragen und deren Credo lautet, dass drei, vier oder sogar fünf Prozent Geldabwertung pro Jahr nach ihrem aktuellen Verständnis als Preisstabilität gilt.
"Cheap money conditions in the West may well continue for longer than people expect" so schrieb unlängst ein Blogger.
Was bedeutet:
"When the music stops, in terms of liquidity, things will be complicated. But as long as the music is playing, you've got to get up and dance. We're still dancing." LOL.
Das ist doch der alles entscheidende Punkt an der Geschichte: Wie lang spielt die Musi noch?
Und niemand kann den Zeitpunkt vorhersagen, wenn sie denn stoppen sollte, von daher sind eben Aussagen a la "This is it. It is now" oder "Any minute now, I swear…" nicht gerade ungefährlich, was das Timing für längerfristige Short-Engagements anbelangt.
Ein zu viel an Wissen ist an den Börsen da oftmals nicht unbedingt von Vorteil, ja sogar manchmal kontraproduktiv, weil man nicht mehr erkennt, welches Wissen für die eigenen Transaktionen entscheidend profitabel ist und welches nicht. Es gibt ja auch niemand, der den ganzen Unsinn aussortiert und manch einer glaubt, dass alles, was geschrieben steht, muss denn auch wahr sein. Am Ende herrscht eine gewisse Orientierungslosigkeit, weil sich die Meldungen scheinbar alle widersprechen und jeder sich das heraussucht, das seiner vorgefassten Meinung entspricht. Die Bären und die Bullen finden in diesen Zeiten daher immer das ihnen passende Futter. Halt typische Anzeichen eines "Structural Bear Markets" eben.
Be prepared und bis denne!
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!