Die Freudensprünge haben nach EU-Gipfelbeschlüssen an den Finanzmärkten eine immer geringere Halbwertzeit. Der 19. Brüsseler “Rettungsgipfel” macht da keine Ausnahme, wenn man bedenkt, dass die Zinsen auf spanische und italienische Staatsanleihen wieder dort angekommen sind, wo sie vor dem Gipfel am Freitag letzter Woche notierten. Deutlich wird einmal mehr, dass keine Bazooka groß genug ist, um für Beruhigung an den Finanz- und Bondmärkten zu sorgen. Es braucht einen echten Schuldenschnitt – mit allen Konsequenzen, die dieser Schritt zur Folge haben wird.
Wird der realen Lage im Brüsseler Politbüro nicht endlich ins Auge gesehen, dürften die Finanzmärkte die Eurozone auf ihre eigene brutale und vernichtende Weise abwickeln
Die Zinsen auf 10-jährige Staatsanleihen Spaniens sind nun wieder dort, wo sie vor dem Brüsseler Gipfel notierten: nämlich bei rund 7%. Auch Italiens Zinsen auf Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit kletterten am Freitag wieder auf 6,01%. Dass der spanische Gesamtstaat – trotz der durch die EU gewährten Bankenhilfe von 100 Milliarden Euro – einem Bailout entgegensteuert, hatten wir bereits in Zweiter Bailout für Gesamtstaat Spanien wohl unvermeidbar gemutmaßt. Die Uhr tickt in der EU. Es wird vor allem immer offensichtlicher, dass neben dem wirtschaftlichen auch der politische Graben zwischen den Mitgliedsländern immer größer wird.
Neben Finnland, dessen Regierung nun bereits offen mit einem Austritt aus dem Euro droht, zeichnet sich auch in den Niederlanden eine immer stärkere Opposition gegen die Brüsseler Gipfelbeschlüsse ab. Von politischer Einigkeit kann keine Rede mehr sein. In den Niederlanden wird es am 12. September interessant, wenn Parlamentsneuwahlen durchaus zur Konstituierung einer europafeindlichen Regierung führen könnten. In diesem Falle dürfte es mit dem Euro ohnehin ganz schnell weiter bergab gehen. Unterdessen ist niemandem an den Finanzmärkten wirklich klar, wie die so genannte “Allzweckwaffe” des European Stabilisation Mechanism (ESM) zukünftig dazu in der Lage sein soll, Spanien und Italien zu retten.......
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