Der Führungswechsel bei Griechenlands größter Bank ist nur der Anfang. Auch in anderen staatlich kontrollierten Unternehmen, wie bei den öffentlichen Versorgern, bei den Behörden wie der griechischen Privatisierungsagentur und in den Ministerien beginnt jetzt das Stühlerücken. Es ist in Griechenland üblich, dass jede neue Regierung Posten, die als wichtig gelten, neu besetzt. Das geht sogar so weit, dass die Chefs der Polizei und der Feuerwehr ausgewechselt werden.
Samaras ist jetzt allerdings in einer schwierigen Lage. Schließlich regiert er nicht allein, sondern ist auf die Unterstützung der sozialistischen Pasok und der Demokratischen Linken angewiesen. Deren Führer, Evangelos Venizelos und Fotis Kouvelis, wollen bei den Personalentscheidungen natürlich mitreden und Leute ihres Vertrauens an wichtigen Schaltstellen positionieren - das Klientel-Unwesen, das als eine der Ursachen der griechischen Misere gilt, lässt grüßen.
Was diese Führungswechsel für die Kontinuität der Arbeit bei Staatsbetrieben und Behörden bedeutet, liegt auf der Hand. Anders als im Fall des neuen Bankchefs Tourkolias, der als ausgewiesener Fachmann gilt, zählt bei der Vergabe der Spitzenposten das Parteibuch oft mehr als die fachliche Qualifikation. Die neuen Chefs berufen überdies auch neue Mitarbeiter, von der Sekretärin bis zum Beraterstab. Die Mannschaft des Vorgängers wandert in den "psygeio", wie man im Volksmund sagt, in den Kühlschrank - natürlich nur im übertragenen Sinne: die Kaltgestellten sitzen in irgendwelchen Büros vor leeren Schreibtischen und widmen sich der Zeitungslektüre. In manchen Fällen bleiben sie auch gleich zu Hause. Bis sie nach dem nächsten Regierungswechsel wieder reaktiviert werden.