HB
US-Konjunktur
Der Wackel-Aufschwung
von Nils Rüdel
06.04.2012, 09:01 Uhr
Amerikas Unternehmen haben im März wohl mehr als 200.000 Jobs geschaffen. Doch trotz immer neuer guter Nachrichten weiß niemand, ob die US-Wirtschaft wirklich über den Berg ist. Noch nicht einmal die Notenbank.
... am Freitag kann Obama gleich weiter Stimmung machen. Denn heute werden die neuesten Arbeitsdaten bekannt gegeben, und die dürften dem Präsidenten noch mehr gute Laune bringen. Mehr als 200.000 Jobs hat die US-Wirtschaft laut Schätzungen im März geschaffen. Das macht rund 1,2 Millionen in den vergangenen sechs Monaten.
Die Nachricht reiht sich ein in eine ganze Serie von Daten, die zuletzt die Hoffnung schürten, die US-Wirtschaft könne die Krise nun endgültig hinter sich gelassen haben. Und doch heißt es jedes Mal wieder: Ja, aber.
Denn trotz ermutigender Signale gibt es viele Einwände: Der Aufschwung geht an den meisten Amerikanern vorbei, sagen die einen. Er ist nicht nachhaltig, sagen die anderen. Und vielen geht es einfach nicht schnell genug. Noch nicht einmal die US-Notenbank Fed ist sich darüber einig, wie es wirklich um die Konjunktur steht.
Ist die US-Wirtschaft also aus dem Gröbsten heraus – „out of the woods“, wie die Amerikaner sagen? Experten rätseln vor allem über eine Sache, die den Aufschwung als so wackelig dastehen lässt: Der Arbeitsmarkt entwickelt sich besser als es das noch immer dürre Wachstum eigentlich zuließe.
Schließlich legte das Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal „nur“ um 3 Prozent zu, für 2012 rechnet etwa das Beratungsunternehmen IHS Global Insights mit mageren 2,2 Prozent. Normal für die US-Wirtschaft sind mehr als 3 Prozent, so das Mittel der vergangenen Jahrzehnte.
Vermutungen über die Ursachen der Unwucht sind viele im Umlauf: Die Wirtschaft könnte schneller wachsen als in den Statistiken erfasst. Oder umgekehrt – es entstehen weniger Jobs als offiziell berichtet. Oder sind die Arbeiter heute weniger produktiv und müssen deshalb mehr Leute eingestellt werden als eigentlich nötig? Liegt es am milden Wetter zu Jahresanfang?
„Jeder hat seine eigene Erklärung“, sagte der Ökonom Peter Orszag der „Businessweek“. „Aber keiner weiß im Moment, welche stimmt“. Eine andere Theorie ist, dass die Unternehmen in der Krise zu viele Leute entlassen haben und dies derzeit nur kompensieren. Das hält auch der Chef der Notenbank, Ben Bernanke, für plausibel – und warnte deshalb kürzlich vor einer baldigen Abschwächung des Jobwachstums.
Damit schürte er Spekulationen, die Fed könnte schon bald eine dritten Runde milliardenschwerer Ankäufe von US-Staatsanleihen („QE 3“) auflegen....
www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/...el-aufschwung/6484662.html
A.L.: Des Rätsels Lösung ist simpel. Die teuren amerikanischen Facharbeiterjobs wurden in Billiglohnländer verlagert. Den Heerscharen Arbeit suchender Amis blieben nur niedrig bezahlte Dienstleistungsjobs (oft halbtags) wie Altenpflege und Hamburger-Braten für 6 Dollar die Stunde, während sie vormals 30 Dollar pro Stunde als Facharbeiter verdienten.
Die Massenentlassungswelle in 2008/2009 hat diese bereits seit 2000 latent laufende Entwicklung ("jobless recovery") weiter verschärft. Den US-Unternehmen geht es dadurch sogar besser, weil sie sich "entschlankt" haben. Caterpillar fertigt in China und beliefert die Welt zu den gewohnten Hochpreisen, wären die Lohnzahlungen immer niedriger werden. Die Nachfragelücke durch Massen-AL stopft in USA und nun auch in Europa QE.
Die US-Medien stellen die wirtschaftliche Lage derweil so dar, als wäre die Entwicklung in den Unternehmen repräsentativ für das ganze Land. Ist sie aber nicht. Den Firmen (obere 1 %) geht es durch Jobverlagerung nach China und damit verbundene Kostensenkungen deutlich besser (= höhere Gewinne, entsprechend hoch notierende Aktien), während die Masse der Amis (verbleibende 99 %) nicht nur nicht partizipiert, sondern weiter ins Elend gestürzt wird. Dieses Massenelend ist zugleich die Hauptquelle der Profite. Es ist eine Umverteilung von unten nach oben. Der Topf wächst dabei insgesamt kaum.
Die Problematik wird von den US-Medien (wo HB, FTD usw. abschreiben) notorisch ignoriert. Es wird stets nur von der Zahl der neue geschaffenen Stellen geschrieben, nicht aber über deren rapide sinkende Qualität (auch hinsichtlich Lohnniveau). Außerdem werden Gelegenheits- und Halbtagsjobs wie volle Stellen gezählt.
Geradezu peinlich wird es, wenn die Fed den latenten Misserfolg der US-Jobpolitik - einen Kausalzusammenhang herbeilügend - als Begründung für weiteres QE "missbraucht", das fast ausschließlich den oberen 1 % nützt, während die Masse der Amis - bedingt durch das Dollardrucken - ihrer kärglichen Ersparnisse, soweit überhaupt vorhanden, beraubt wird (negative Realzinsen).
Diese Politik ist das Produkt des Demokraten Obama - eines Büttels der Lobbyisten, der dem Volk als scheinbar "Linker" Sand in die Augen streut.
