„Griechenland ist ohne deutsche Hilfe verloren“
Die internationale Presse rechnet mit einer Griechenland-Pleite und sieht Deutschland in der Verantwortung, zu helfen. Denn es seien vor allem die Deutschen, die den Euro und die Eurozone bräuchten.
„Freiwillig oder unfreiwillig - Griechenland wird Pleite gehen“, ist sich die Huffington Post sicher. Die Griechen würden nicht zulassen, dass ihre Anleihen den scheinbar stärkeren Mitgliedern der Eurozone verpfändet oder verkauft werden - und deshalb für einen Ausstieg, für eine Wirtschaft unabhängig vom Rest der Eurozone, stimmen. Deutschland komme eine Schlüsselrolle beim Auffangen der Verluste zu, denn es seien vor allem die Deutschen, die Eurozone und den Euro brauchen: „Ihr Export geht zu rund 50 Prozent in die Nachbarländer, sie haben großes Interesse daran, dass der Euro bleibt.
“ Würde der Exportmarkt dagegen austrocknen - weil die Nachfrage aus der Eurozone sinkt -, geriete auch die deutsche Wirtschaft in einen Abwärtsstrudel, und müsse mit der Pleite nicht gesicherter Pensionsfonds rechnen. Deshalb werde Deutschland „seinen Geldbeutel öffnen“, um Griechenland und andere schwächende Euroländer zu stützen: „Die europäischen Bürger werden das einfordern.“
Auch das Wall Street Journal sieht Deutschland stärker in der Verantwortung. Die stockenden Gespräche in Athen über den Schuldenschnitt Griechenlands hätten die Angst vor einer Griechenland-Pleite erneut befeuert. „Aus Mangel an Alternativen nehmen führende EU-Politiker, darunter Italiens Premier Mario Monti, Berlin stärker in die Pflicht.“ Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel heute und morgen diverse Gespräche zur Schuldenkrise führe, werde sie immer wieder zu hören bekommen, dass ihr Land noch mehr tun müsse. „So sollen Monti und sein Landsmann, EZB-Chef Mario Draghi, fordern, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus von 500 Milliarden auf eine Billion Euro aufgestockt wird.“ Immerhin hätten Merkel und ihr Kollege Nicolas Sarkozy Kritik an ihren Sparprogramm-Forderungen angenommen und sprechen sich jetzt u. a. für Europa übergreifende Körperschaftssteuersätze oder für Maßnahmen zur Förderung des Wachstums aus.
Mario Draghis Entscheidung, die europäischen Banken „mit Geld zu fluten“ mag einen Crash in Europa vom Ausmaß des Lehman-Brothers-Konkurses verhindert haben, doch Griechenland sei damit nicht geholfen, findet Report on Business aus Kanada: „Das Land stirbt.“ Trotz den geplanten Schuldenschnitts und des harten Sparprogramms sei der südeuropäische Staat nicht mehr zu retten: Die Rezession habe das Land fest im Griff, die Regierung nehme immer weniger ein, selbst im Privatsektor sinken die Löhne. Die Inflation sei hoch, die Wirtschaft sei 2010 um 3,5 Prozent geschrumpft, 2011 um sechs Prozent. „Griechenland muss sich aus der Eurozone zurückziehen, oder ausgeschlossen werden, muss dann die Drachme wieder einführen, die Abwertung hinnehmen, um so seine Wirtschaft zu stabilisieren.“ Der EZB-Chef wisse, dass Griechenlands Pleite bevorstehe. „Mit seiner Finanzspritze hat er versucht, die Banken zu schützen, bevor das Unvermeidliche passiert.“
Die Financial Post aus Kanada glaubt, dass der Kapitalismus beherrschendes Thema auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sein wird. CEOs weltweit hätten nicht Terrorismus oder steigende Verbraucherpreise als akute Probleme der Weltwirtschaft ausgemacht, sondern das zunehmende Ungleichgewicht bei den Einkommen. So wollen sich die meisten Reden mit der Frage befassen, wie ein Prozent der Weltbevölkerung mehr Wohlstand für die restlichen 99 Prozent schaffen kann. „Doch was ist die Alternative“, fragt das Blatt skeptisch. Erst sei der angelsächsische Kapitalismus verehrt worden, bis 2008. Dann seien Wall Street und City of London angeprangert und der europäische Kapitalismus gefeiert worden, bis 2010. „2012 nun wird sich China als Erfolgsmodell darstellen, dabei ist das letztlich eine kommunistische Diktatur mit ein paar reichen Politikern und ihren reichen Freunden.“ Davos werde entweder den Sozialismus wieder entdecken, oder einen „verantwortungsvollen Kapitalismus-Hybrid“ hervorbringen. Doch letztlich sei kein System perfekt, das von Menschen gelenkt werde.
Googles wahre Natur
Die aktuelle Entwicklung bei Google hinterfragt das Forbes Magazine: Der Wert der Aktien sei um acht Prozent gefallen, das Unternehmen habe seine Ziele hinsichtlich Umsatz und Online-Anzeigengeschäft nicht erfüllen können - obwohl der US-Onlinehandel über die Feiertage Rekordumsätze verzeichnet habe. Dies zeige, dass Google falsch wahrgenommen werde, als Technologieunternehmen: „Wir alle beobachten, wie sich Android und Google Plus am Markt durchsetzen, doch beide Angebote sind kostenfrei, Google verdient damit kein Geld.“ Ob sie sich gut oder weniger gut entwickeln, habe offenbar keinen Einfluss auf den finanziellen Erfolg des Unternehmens. Fazit: „Google ist kein Technologie- sondern einen Werbeunternehmen.“ Dies sollten Investoren und Anleger berücksichtigen.
Re-Industrialisierung kann Europa retten
Die voranschreitende De-Industrialisierung Europas beobachtet Les Echos aus Frankreich. Ursache dafür sie die gemeinsame Währung, denn sie habe das Ungleichgewicht zwischen dem Kern und den Peripherie-Staaten bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit verschärft und setze nun die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone aufs Spiel. „Das Problem ist, dass die Produktionskosten überall nach dem Euro-Maßstab bewertet werden - ohne zu berücksichtigen, dass jedes Land eine andere Kultur, eine andere Wirtschaft pflegt.“ Und weil Kredite nur „kreditwürdigen“ Staaten gewährt würden, ginge der Peripherie das Geld aus. Transferzahlungen der reichen Staaten in diese Zone sei jedoch wenig hilfreich: „Das würde sie letztlich nur zu weiteren Bundesländern Deutschlands degradieren.“ Die Peripherie-Staaten müssten re-industrialisiert werden, um das Ungleichgewicht aufzuheben, und dazu bedürfe es einer einheitlichen, europäischen Investitionspolitik, einer einheitlichen Kreditvergabe-Politik sowie einer Politik des internen Ausgleichs in der Eurozone.
Schlecker scheitert am Billig-Image
Die Süddeutsche sieht die Ursachen für die Insolvenz der Schlecker-Drogeriekette vor allem bei den Gründern des Imperiums: Anton und Christa Schlecker hätten den Profit „absolut und einseitig“ über die Moral gestellt - und nicht begriffen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Der Vierklang „Bäcker, Metzger, Kirche, Schlecker“ habe lange zum deutschen Bürgertum gehört, zusammen mit der „Billig-billig-Fraktion“ habe das ein hübsches Potential für ein Milliarden-Geschäft hergegeben. Doch die „kärglichen, lieblos zusammengeschusterte Filialen und gedrückten Mitarbeiter“ hätten zwar Kosten gespart, aber auch Image gekostet.
Die Konkurrenz habe umso heller geleuchtet, allen voran dm. „Hier das zentralistische Reich des Bösen, dort der gute Mensch von dm, dieses Spiel konnten die Schleckers nicht mehr gewinnen.“ Die Insolvenz biete nun die Chance für einen Wandel, für eine neue Struktur und Kultur - „aber bitte ohne die alte Führung.“
Die Japan Times ist davon überzeugt, das sich Japan stärker global engagieren muss. Seit 1990 die Wirtschaftsblase im Land geplatzt sei, sei die Politik zum Stillstand gekommen. Die Unternehmen hätten sich an konventionellen Arbeitsmethoden festgeklammert und die Menschen eine nach innen gerichtete Lebenseinstellung entwickelt. Japans Präsenz in der Welt gehe zurück. Doch nur wenn sich Japan und der Rest der Welt annäherten, könne das Land seine nationalen Probleme überwinden. Hohe Körperschaftssteuern und Stromtarife oder der starke Yen seien allerdings einige der Gründe dafür, dass ausländische Firmen häufig davor zurückscheuten, in Japan aktiv zu werden. Japan müsse globalen Standards annehmen. So hinke es z.B. der modernen Entwicklung hinterher, indem es an multilateralen Handelsabkommen festhalte, anstatt regionale Allianzen wie Freihandelsabkommen abzuschließen – was weltweit immer häufiger mit Erfolg praktiziert werde. Wenn es seine Wirtschaft am Laufen halten wolle, müsse sich Japan beim freien Handel engagieren. Und um seine Wirtschaftsstrukturen zu stärken, sollte es mittels ausländischer Unternehmen die Außenwelt ins Land holen. Solche Schritte seien erforderlich, wolle Japan seine momentan missliche Wirtschaftslage überwinden.
Fundstück: Lohn für lausige Arbeit
Eine äußerst lukrative Methode, reich zu werden, hat The Daily Beast entdeckt: CEO eines börsennotierten Unternehmens werden, Mist bauen und mit einem goldenen Handschlag gehen. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts GMI zeige, dass die Abfindungszahlungen steigen. „Um unter die Top-20 CEOs mit goldenem Handschlag zu kommen, muss man mindestens 100 Millionen Dollar Abfindung erhalten haben“, schreibt das Portal. Beispiele seien Thomas E. Freston, der nach neun Monaten als Viacom-CEO 101 Millionen Dollar erhielt; William D. McGuire, CEO der UnitedHealth Group, musste nach einem Aktienoptionen-Skandal gehen - mit 286 Millionen im Gepäck; Hank A. McKinnell brachte es als Pfitzer-CEO fertig, den Marktwert des Unternehmens um 140 Milliarden Dollar zu minimieren - und erhielt zum Abschied rund 200 Millionen Dollar. Lausige Arbeit lohne sich offenbar - im Zeitalter der „CEO-Könige“.