Einmal im Quartal befragen Feri Eurorating Services und die FTD Finanzdienstleister, Pensionskassen und Industrieunternehmen nach ihren Markteinschätzungen und Anlageplänen. Die Ergebnisse werden in der FTD am letzten Dienstag eines jeden Quartals veröffentlicht. An der Dezemberumfrage haben sich 58 Investoren beteiligt, die ein Volumen von insgesamt rund 245 Mrd. Euro verwalten. Der Blick nach vorn fiel den Profis diesmal schwerer als sonst. Haben sie in normalen Marktphasen meist klare Vorstellungen davon, wie es an den Börsen weitergehen könnte, so sehen sie sich jetzt verschiedensten Szenarien gegenüber, deren Wahrscheinlichkeiten schwer abzuschätzen sind. Politische Nachrichten, Spekulationen und Gerüchte rund um die Schuldenkrise sorgten Tag für Tag für ein heftiges Auf und Ab der Kurse. Ausdruck der Verunsicherung sind die breiten grauen Balken, die in den grafischen Abbildungen der Umfrageergebnisse für Unentschiedenheit stehen. "Ich glaube, es gab noch nie eine so große Ratlosigkeit unter den Anlegern. Sicher, wir haben auch früher schon stürmische Tage erlebt, wo man das Gefühl hatte, den Boden unter den Füßen zu verlieren", sagt Feri-Analyst Cappucci. Heute aber traue sich kaum noch jemand eine Prognose zu.
Teil 2: Banken per saldo negativ für Aktien
Übergroß ist die Vorsicht gegenüber Aktien. So glauben nur noch 23 Prozent der Profis, dass die Aktienkurse im nächsten Halbjahr steigen werden, lediglich sieben Prozent rechnen mit stark anziehenden Notierungen. Demnach haben die Optimisten gegenüber der letzten Erhebung im September 22 Prozentpunkte eingebüßt. Nur unwesentlich zulegen konnten die Börsenbären, und zwar um einen Punkt auf jetzt 14 Prozent. Die früheren Optimisten sind vor allem ins Lager der Anleger gewechselt, die von einer Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten in den kommenden sechs Monaten ausgehen. Sie gewannen 23 Prozentpunkte hinzu und dominieren mit 57 Prozent die Prognosen für die Aktienbörsen.
In der Konsequenz fiel der Erwartungsindikator, der die Bewertung der wichtigsten Aktienmärkte abbildet, von 24 auf acht Punkte. Auffallend dabei: Zum ersten Mal seit Start der Umfrage sind die Banken per saldo negativ für die globalen Aktienmärkte gestimmt. Nicht minder interessant ist dabei die positive Bewertung des DAX. Der deutsche Standardwerteindex hat mit den Schwellenländern gleichgezogen. "Das ist schon bemerkenswert, dass, wenn es um das Potenzial geht, kein Unterschied mehr gemacht wird zwischen Schwellenländern und DAX", sagt Cappucci. Gemessen an den Börsenbarometern MSCI Emerging Markets und DAX sind Schwellenländeraktien und deutsche Werte mit jeweils 20 Indexpunkten die wichtigsten Hoffnungsträger für Aktieninvestoren, gefolgt vom Dow Jones mit zwölf Punkten sowie dem Euro Stoxx und dem Nikkei mit zehn beziehungsweise acht Zählern. Das zeigt, wohin es geht: wenn schon Aktien, dann entweder Dividendenpapiere in Wachstumsmärkten oder deutsche Titel. Diese Einstellung spiegelt sich auch in den geplanten Depotveränderungen wider. So ist der Umschichtungsfaktor, der sich aus beabsichtigten Käufen und Verkäufen von Aktien zusammensetzt, bei den Schwellenländermärkten seit September von drei auf 27 Punkte gestiegen. Für den Aktienmarkt Deutschland fiel der Wert zwar von 17 auf zehn, deutsche Dividendenpapiere liegen damit aber immer noch vor Aktien aus Europa und den USA, für die der Indikator jeweils sieben Punkte anzeigt. Für japanische Titel kann sich keiner der Profis erwärmen.
In einem turbulenten Umfeld - wie es Anleger in den vergangenen Monaten erlebt haben - bieten die Rentenmärkte Aussichten auf sichere Häfen. Favorisiert werden derzeit besonders deutsche Staatsanleihen. "Was Sicherheit anbelangt, gibt es wenig Alternativen. Aber die Renditen sind sehr niedrig, weshalb die Aussichten für Renten getrübt bleiben", sagt Feri-Analyst Cappucci mit Verweis auf die Umfrageergebnisse. Danach liegt der Erwartungsindikator für die Rentenmärkte immer noch im negativen Bereich. Allerdings ist das Stimmungsbarometer in den vergangenen drei Monaten um acht Zähler von minus 38 auf minus 30 Punkte gestiegen. Das hat die Profis aber nicht dazu gebracht, mehr Rentenpapiere zu kaufen. Im Gegenteil: Von September bis Dezember gab der Umschichtungsindikator für Festverzinsliche einen Punkt ab. Wenn es überhaupt einen Lichtblick gibt, dann bei Immobilien. Zwar sind die Erwartungen nicht mehr ganz so optimistisch wie vor drei Monaten, der Indikator büßte hier vier Punkte ein. Dafür zeigt der Index für die geplanten Transaktionen eine leicht steigende Tendenz an. Wie vor einem Vierteljahr sind es vor allem Industrieunternehmen und Altersvorsorger, die ihre Bestände in den kommenden sechs Monaten aufstocken wollen - vor allem über Investments in Deutschland und Europa.
de.finance.yahoo.com/nachrichten/...uro-ftd-107254639.html?x=0
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!