Der USA Bären-Thread

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Malko07: Boxenbauer (#78443), man sollte
4
29.03.11 09:31
den Ausgangspunkt der Diskussion nicht aus den Augen verlieren. Und da hieß es hier, dass Short-ETF's bezüglich Timing-Fehler unempfindlich wären. Es ging nicht darum. dass es beim optimalen Timing quasi eine Verstärkung der Gewinne gibt. Beides, die Verluste beim Seitwärtslaufen und beim Hochlaufen des Basisindix und die "stärkeren" Gewinne beim kontinuierlichen Verfall des Basisindex werden dem gleichen Effekt geschuldet. Der jeweils einmal am Tagesende stattfindenden Neuberechnung und dass nun mal 10% von 50 etwas anderes ergeben als 10% von 100. Herr Kirchner hat also kein Quatsch erzählt sondern die Problematik, die dieser Produktart zu Grunde liegt, gut herausgearbeitet. Dass dies die Mehrheit der Käufer dieses Produkt nicht verstanden haben ist von der Herausgebern auch so gewollt. Das bedeutet nicht, dass man es nicht einsetzen kann und sollte. Man sollte es nur verstanden haben und sich der Risiken bewusst sein.
Malko07: derph (#78437), anders hat nichts
5
29.03.11 09:47
mit mehr oder weniger schlimm zu tun. Ich habe hier immer versucht darzustellen, dass in Tschernobyl die Verseuchung großräumiger war und dies wahrscheinlich in Japan nicht so sein wird. Und das ist bis jetzt voll eingetroffen. Es fehlt eben das starke und lang andauernde Graphitfeuer.

Nimmt man die gleiche Menge an Material an, die nach außen gelangt, bedeutet das vereinfacht:

- die nähere Umgebung wird in Japan wesentlich stärker verseucht werden.
- weiter entfernte Gebiete (asiatisches Festland, andere Ozean-Anrainer) wird wesentlich geringer verseucht werden.

Die größte Verbreitung des Drecks wird in Japan wohl über das Meer stattfinden.

In Fukushima lagert insgesamt mehr Dreck als in Tschernobyl in dem havarierten Reaktor (1 von 4). Aber bis jetzt ist im Vergleich zu Tschernobyl sehr wenig nach außen verfrachtet worden und es köchelt weiter vor sich hin. Wasserdampfexplosionen und Wasserstoffexplosionen sind in naher Zukunft nicht auszuschließen. Das bedeutet allerdings nicht, dass dabei sehr große Höhen erreicht werden. Dazu gibt es keine Starterlaubnis, die der eine oder andere sich hier so inbrünstig wünscht.

Über 200 KM ist Fukushima von Tokio entfernt. Jede deutsche Großstadt würde sich freuen, wenn der nächste Reaktor so weit entfernt wäre.
Malko07: Steigende Inflation bremst die Kauflust
6
29.03.11 09:57
Anti Lemmin.: # 453 - Na bitte, Malko
5
29.03.11 10:44
Da haben wir's: Statt Kaufpanik, weil "alles teurer wird", warten die Leute lieber ab, bis alles wieder billiger geworden ist.

Das Bernanke'sche Bläh-Rezept des Momentum-Tradings mag bei Aktien- und Rohstoff-Zockern aufgehen, nicht aber bei vernunftgetriebenen normalen Konsumenten. Das sind jene an der Börse rar gewordenen Persönlichkeiten, die irgendetwas stärker nachfragen, weil es BILLIGER geworden ist.

Exakt darin unterscheidet sich der durchschnittliche Schnäppchenjäger im Kaufhaus vom durchschnittlichen Momentum-Zocker am Aktienmarkt. Normalbürger wollen Sachen, weil sie billiger geworden sind, Zocker wollen Sachen, weil sie teurer geworden sind.

FAZIT: Deflation lässt sich mit "künstlicher Inflation" nicht verhindern.
Andreano: Eurostoxx - 50 %
6
29.03.11 10:52
das nenn ich mal Finanzschmelze
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Anti Lemmin.: Nomura sorgt für Abstürze bei italien. Bankaktien
8
29.03.11 10:56
Der japanische Broker Nomura hat etliche italienische Banken abgestuft, die daraufhin teils -10 % verloren. Einige der ital. Banken hatten Verluste gemeldet und planen als Ausgleich Kapitalerhöhungen - der übliche Albtraum für Bankaktionäre...

Wann stuft Unicredito als Rache Japan auf "Junk"?

http://www.marketwatch.com/story/...ds-italian-banks-lower-2011-03-29
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permanent: Baustop für Stuttgart 21
7
29.03.11 11:04

Vor einigen Monaten wurde intensiv um einen möglichen Baustopp des umstrittenen Bahnprojektes Stuttgart 21 gestritten. Jetzt nach der Wahl in Baden-Württemberg geht es damit plötzlich ganz schnell. Die Deutsche Bahn hat gute Gründe für ihren Rückzug.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/...-stuttgart-21/3999998.html

Anti Lemmin.: Britische Wirtschaft schrumpft -0,5 % in IV/10
8
29.03.11 11:19
Und dies bei einer Inflation von über 4 %. Das ist Stagflation pur.

04:42 U.K. fourth-quarter GDP revised to show 0.5% fall

Der Footsie (100 größte GB-Aktien) spiegelt diese Entwicklung bislang in keinster Weise wider (unten). Er notiert nahe dem Allzeithoch aus 2007.

Es gibt zwei mögliche Sichtweisen:

1. Da es in GB auf Cash -4 % negative Realzinsen gibt, fliehen (britische) Anleger in Sachwerte (inkl. Aktien). Sie fürchten sich vor Inflation, die vor allem bei Rohstoffen aufgekommen ist.

2. BIP-Schrumpfung und negative Realzinsen spiegeln aber zugleich eine schrumpfende Wirtschaft wider, in der Aktien mittelfristig stark fallen könnten. Denn eine schrumpfende Wirtschaft wirkt zunächst einmal deflationär. Die Inflation, die oben drauf kommt, ist "künstlich", da sie von den Bank of England per Gelddrucken erzeugt wird. Sie entsteht nicht durch gestiegene Nachfrage.

In Deutschland reagierten die Verbraucher auf (künstlich) hochgezockte Preise (# 454) anders, als Zentralbanker sich dies vorstellten - nämlich mit Konsumverzicht. Das droht mMn auch in anderen Ländern. Die Patentlösung, durch Gelddrucken die Preise hochzutreiben, führt dann nicht - wie von Bernanke und Co. erwünscht - zu Panikkäufen, die die Preise dann noch höher treiben, sondern zum Abwarten und Verzichten. Genau dieses "Abwarten und Verzichten" ist die Wurzel aller deflationären Entwicklungen. So lief es in den letzten 20 J. auch in Japan. Japaner warteten ab, bis alles noch billiger wurde, und kauften dann trotzdem nicht, weil es ja NOCH billiger werden könnte.



Der Footsie, ein Nasstraum der Bullen? Der aktuelle Höhenflug ist mMn hochgradig irrational. Wenn Stagflation um sich greift, dürfte sich der Footsie mittelfristig halbieren. So lief es auch in der Stagflations-Phase der 1970er, als eine lahmende Wirtschaft durch stark anziehende Ölpreise zusätzlich ausgebremst wurde.
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Malko07: #78454: Man braucht mich nicht
10
29.03.11 11:20
davon zu überzeugen, dass Inflation gut für den Konsum wäre. Man wird auch kein einziges Posting in dieser Richtung von mir hier bei ARIVA finden. Gegenteilige sehr wohl. Ich bin nicht die Fed und auch nicht Bernanke. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich hier mit der einen oder anderen Verweigerungshaltung gegenüber der Realität konform gehen würde.

Was allerdings eine minimale potentielle Kaufzurückhaltung mit Deflation zu tun hätte, ist mir schleierhaft. Das Konsumentenvertrauen wird bei uns bei Abfragen, die nach dem Beginn der japanischen Katastrophen stattfinden/-fanden, noch ein Stück zurück gehen. Allerdings läuft die Wirtschaft immer noch zu gut als dass wirklich depressive Stimmungen aufkommen könnten.

Deflation lässt sich auch mit "erzeugter" Inflation verhindern. Erleben wir momentan weltweit ganz praktisch. Was allerdings besser ist, eine durch übermäßige Geldschöpfung induzierte Inflation oder eine leichte Deflation ist wiederum eine andere Frage. MMn geht es in Wirklichkeit nicht um Deflation oder Inflation - es geht in Wirklichkeit nur darum welche gesellschaftlichen Gruppen die Zeche für die Schäden zahlen sollen. Und das sind mit dieser Politik die Massen, also Arbeitnehmer, Rentner und konventionelle Sparer.
schlauerfuchs: Wird Tepco verstaatlicht?
8
29.03.11 11:28
MMNews ist jetzt nicht meine Lieblingsquelle, aber da ich es auch schon im Radio gehört habe, hier der Link: http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/7576-tepco-wird-gerettet

Interessant dabei die Frage nach den Anleihen: anscheinend sind auch Deutsche Bank und WestLB (wer sonst!!) in Tepco-Anleihen investiert.

Ebenfalls zu bedenken: die Aktionäre von Tepco, z.B. der Lebensversicherer Dai-ichi Life oder andere Kreditgeber v.a. japanische Banken: http://www.japanmarkt.de/index.php/unternehmen/...ht-das-bargeld-aus/

Mal sehen, was das auch noch wirtschaftlich für Folgen hat.
The quick brown fox jumps over the lazy dog.
Malko07: Nochmals zum Nachlesen, das was
9
29.03.11 11:36
wir hier schon öfters diskutiert haben.

Würden fallende Preise die Verbraucher in Wirklichkeit in eine Abwartungshaltung bringen müssten Industriezweige wie PC und braune Ware schon lange tot sein. Im vergangenen Jahr hatte wir eine leichte Deflation und das hat den Konsum beflügelt.

Man sollte also nicht jeden angelsächsischen Blödsinn glauben. In den USA herrscht ja bei wirklichen Preiserhöhungen von ca. 5% angeblich immer noch Preisstabilität. Die Kosten für das tägliche Leben sind in Wirklichkeit wesentlich stärker als die Einkommen gestiegen. Damit sinkt die Nachfrage volumensmäßig und damit kommen die Firmen verstärkt unter Druck. Die Margen sinken trotz steigender Inflation.

Margen können nur steigen, wenn die Nachfrage steigt. Die Nachfrage kann nur steigen bei höheren Einkommen und steigender Verschuldung. Letzteres funktioniert allerdings nur begrenzte Zeit. Diese Effekte sind erst mal losgelöst von Inflation und Deflation.
Anti Lemmin.: Erklärung
7
29.03.11 11:46
Mit "na bitte" meinte ich nicht Dich persönlich, Malko, und Deine Überzeugungen, die Du in # 459 verteidigst, sondern ich meinte die Entwicklung an sich (losgelöst von Dir), die zeigt, dass Bernankes Blähkonzept in der Realwirtschaft versagt.

Das dürfte sich in anderen Ländern noch viel ausgeprägter offenbaren als in Deutschland, wo die Wirtschaft wegen des Exports noch vergleichsweise gut läuft. Ich denke da an die PIIGS, GB, USA, Japan. Für die privat horrend überschuldeten Spanier z. B. sind steigende Preise (bei stark sinkenden Reallöhnen) sicherlich kein Kaufanreiz.

Insofern stimme ich Deinem 3. Absatz NICHT zu, dass sich nämlich mit künstlicher Inflation Deflation vermeiden lasse (= Bernanke's Patentzrezept zur "Krisenbewältigung")  Die inflationäre Billiggeldpolitik erzeugt lediglich weitere Spekulations- bzw. Assetblasen - in USA und GB am Aktien- und Rohstoff-Markt, in China im Immobilienmarkt. Die bisherige Erfahrung mit Spekulationsblasen lehrt, dass sie keine realwirtschaftliche Blüte widerspiegeln - und das sie platzen, sobald dies offenkundig wird.

Die (unter der Fuchtel der Zockerbanken stehende) Politik scheint in der Tat darauf zu setzen, die Schuldenlasten der Finanzkrise dem gemeinen Volk "umzuhängen" (AIG-Bailout, Euro-Transferunion), während sich die (Finanz-)Eliten durch QE-gepushte Aktienanstiege erneut bereichern. Die Politik hat diese Rechnung allerdings mMn ohne Mr. Market gemacht. Was fehlt ist die Massenkaufkraft, mit der die herbeigezockten Aktienanstiege realwirtschaftlich gestützt würden. Zurzeit wird das Massennachfrageloch - speziell in USA - aus den Zentralbank-Füllhörnern gestopft. Das ist aber eine Schneeballsystem-Lösung reinster Güte, die zum Scheitern verurteilt ist. Man kann mit Ponzi-Manipulation - bis hin zur Notenbanken-Ebene - keine realwirtschaftliche Erholung herbeizocken, wenn sie organisch (wegen Unwind-Zwängen) nicht aufkommen will.
permanent: Es gibt hier FundiBären und RealoBären
13
29.03.11 11:47

Das  verschließen der Augen vor den Realitäten schmerzt auf dem Konto sehr.  Alle Handlungen sind immer mit einer Zeitebene zu versehen unter diesen Umständen sind Shortstrategien besonders riskant.

Wie Malko schreibt geht es um die Verteilung der Kosten für die letzte Party.

Da wir keinen Einfluss auf die Entscheidungen in der Politik und Notenbank haben müssen wir uns zwangsläufig auf deren Entscheidungen einstellen um einen Profit für uns persönlich zu erwirken.

Permanent

Malko07: A.L. (#78454), wieso sollten die
9
29.03.11 12:02
USA es nicht schaffen die Inflation weiter am Laufen zu halten? Die Preistreiberei wirkt dort auch wesentlich stärker als in Spanien oder Irland. Denn parallel mit den steigenden Rohstoffpreisen verfällt der US-$. Und importiert wird viel, auch noch längere Zeit.

Eine derartige Geldpolitik wie in den USA ist auch eine der wenigen Möglichkeiten die Währung US-$ einigermaßen sicher abzuwerten. Ich selbst bezweifele allerdings, dass sich strukturelle Probleme mit Währungsspielereien in wesentlichen Teilen beheben lassen. Die Wirtschaft über derartige Manipulationen heilen zu können ist auch wieder ein angelsächsischer Blödsinn. Man kommt an den wirklich harten Maßnahmen nicht vorbei, ob in den USA oder in Europa. In Europa gibt es diesbezüglich wenigstens Ansätze in die richtige Richtung. Und normal bei der Behebung der Ursache ist auch ein temporärer Rückgang des Wachstums, vor dem die Wachstumssfetischisten so Angst haben.

Nicht Worte und Definitionen sind wichtig sondern nur die konkret laufenden Prozesse.
Anti Lemmin.: Permanent - "Ohnmacht" der Zentralbanken?
9
29.03.11 12:08
Es gibt (zuweilen) auch starke Kursrückgänge, die kommen, wenn unhaltbar gewordene Spekulationsblasen platzen. Das passiert selbst dann (man könnte sogar sagen, GERADE dann), wenn die Politik bis hin zu den Zentralbanken diese Blasen zuvor aktiv gefördert bzw. aufgeblasen hatte.

Ich erinnere an die Entwicklung im 2. Halbjahr 2008, nachdem Öl bis 150 Dollar hochgezockt worden war. Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Absturz in 2008/2009 NICHT gewollt wurde - weder von WallStreet noch von US-Politikern oder den Zentralbanken.

Dennoch konnte der 2008-Absturz von dieser "Allianz der Willigen" nicht verhindert werden. Denn diese Allianz ist nicht allmächtig. Bernanke ist nicht der liebe Gott. Er ist vielmehr ein Mensch, der sich durch zahllose (bullische) Fehlprognosen und damit einhergehende Politikfehler "ausgezeichnet" hat. Und wenn es dann "wider Erwarten" knallt, ist Bernanke genauso hilflos wie die anderen Blasentreiber an der Wallstreet.

Auch JETZT ist diese Allianz nicht allmächtig. Daher geht mir das Win-Win-Geplärre ("die Zentralbanken drucken, also MUSS alles ewig weiter steigen") auch so auf den Sack. Es ist ein Dogma ähnlich dem aus dem Blasen-Jahr 2000, als es hieß: "Herkömmliche Bewertungsmaßstäbe gelten nicht mehr."

Wann immer die Börse sich häufende Warnzeichen (aktuell u. a. horrende Staatsverschuldungen) missachtet und bei guten wie schlechten News (Nahostkrieg, Ölpreis-Inflation) "ungerührt" weiter steigt, ist Gefahr im Verzuge. Diese wegen des obigen Dogmas zu ignorieren ist leichtfertig.
Malko07: Unbestreitbar können
5
29.03.11 12:19
die Zentralbanken nicht einen Absturz in verschiedenen Vermögensklassen, auch in Aktien, auf immer verhindern. Aber sie können den Absturz relativ schnell beheben lassen. Und wann der Absturz kommt, weiß keiner. Das kann man auch an Prognosen von ARIVA-Nutzern und von Fremden seit weit über einem Jahr gut verfolgen.
permanent: @AL verhindern kann man das Platzen einer
5
29.03.11 12:24

Spekulationsblase nicht, man kann aber den Zeitpunkt verschieben.

In den USA gab es über Jahrzehnte eine Goldpreisbindung und das Verbot des privaten Goldbesizt (außer Schmuck). Ich kenne einen alten Goldschmied in den USA der immer noch Geschichten erzählt wie er selbst in den 70ern bei Goldkäufen für die Schmuckproduktion immer ganz genau nachweisen musste wo das Rohgold geblieben ist.

Heute nicht mehr vorstellbar?

Wir können uns heute wahrscheinlich noch nicht vorstellen, welche Dinge der Notenbank noch einfallen werden.
 

Permanent

Anti Lemmin.: Niemand kann ernsthaft leugnen,
14
29.03.11 12:45
dass das Timing von Short-Positionen das Schwierigste überhaupt ist. Strategische Short-Positionen "auf Verdacht" bleiben daher brandgefährlich.

Abstürze erfolgen oft durch das kaskadierend-chaotische Zusammenwirken von Vorfällen, die einem Black-Swan-Event folgen. Das Zusammenwirken ist dabei oft so komplex, dass es nicht einmal zum Zeitpunkt des Absturzes von den Marktteilnehmern voll durchschaut wird. Erst im Nachhinein lassen sich die wahren Absturz-Gründe rekonstruieren. Wie sollten Bären das also im Voraus wissen können?

2008 lösten in USA Zahlungsunfähigkeiten einiger Großbanken (es begann im März mit Bear Stearns) eine eskalierende Vertrauenskrise aus, in der am Ende die von fast allen Banken praktizierten Ponzi-Versteckspiele aufflogen.

Diese Versteckspiele und andere Ursachen für den 2008-Absturz konnten wir bereits im Feb. 2007, bei der Eröffnung dieses Threads relativ präzise (vom Inhalt her) benennen. Doch kaum einer ahnte, dass Wall Street ihr Ponzi-Scheme noch volle 18 Monate weiter durchziehen konnte.

Die Lage ist jetzt ähnlich. Ein Kollaps liegt wegen der horrenden Staatsverschuldungen und Staatspleiten, einer fast ausschließlich auf Neuverschuldung gebauten Pseudo-Börsen-Hausse sowie Rohstoff- und Lebensmittelpreis-Eskapaden, die in Afrika ganze Völker auf die Barrikaden brachten, förmlich auf der Hand. Das Japan-Beben samt Nuklear-GAU kommt als I-Punkt obendrauf.

Und dennoch kann auch jetzt niemand mit Sicherheit sagen, WANN genau der nächste Absturz erfolgen wird. Deshalb sind Shorts immer stark spekulativ - und sie werden es auch immer bleiben.
Anti Lemmin.: Malko - "Absturz schnell beheben lassen"
3
29.03.11 12:53
Schnell ist da wohl relativ. In USA brauchte die Fed gut sechs Monate - von Sept. 2008 bis März 2009 - bis sie den Absturz an den Börsen unter Kontrolle bringen konnte. Dennoch hat der SP-500 in der Baisse -56 % verloren. Wer short war, hatte genügend Zeit, seine Short-Gewinne zu realisieren.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich der nächste Absturz wieder so einfach beheben lässt. 2008/2009 galten die Staaten noch als sicherer Garanten für marode Banken. Jetzt gilt das nicht mehr. Wenn z. B. Griechenland für seine Banken garantiert, ernten die Griechen nur schallendes Gelächter.
pfeifenlümme.: Bislang
3
29.03.11 13:00
hat die Niedrigzinspolitik positiv auf die Aktienkurse gewirkt. Wenn man für Anleihen kaum den Inflationsausgleich bekommen kann, geht man in Aktien und Rohstoffe zum Zocken. Nun gibt es erste Zeichen, dass die Zocker unsicher werden und keinen Nachschub mehr an neuen Zockern bekommen. Die Zinsen können aber nicht mehr weiter fallen, um die Kurse zu retten.
Malko07: A.L., unter schnell verstehe ich
3
29.03.11 13:13
einige Jahre.

Es gibt Übertreibungen nach unten und nach oben. Und ein veritabler Absturz der Aktienpreise beinhaltet meistens eine Übertreibung nach unten. Schon alleine deshalb wird es wieder nach oben gehen, mit Unterstützung der Notenbanken etwas schneller.

Stützungsmaßnahmen der Notenbanken haben rein formal mit den Staatsverschuldungen nichts zu tun. Viele Großkonzerne haben sich in der aktuellen Krise schon einmalig billig refinanziert. Ihre Schulden sind also für etliche Jahre quasi geschrumpft. Ähnliches gilt für viele Staaten. Das eine ist die relative Verschuldung zum BIP - reine Zahlenspielereien und das andere ist die absolute Entwicklung der Zins- und Tilgungslasten. Und die hat sich bei sehr vielen Staaten wesentlich verbessert. Ich glaube du siehst die Lage etwas zu einfach und zu einseitig. Die Staaten an der Peripherie der Eurozone sind Kinderzeugs, trotz allen Konstrukten deinerseits. Und Spanien kann man zwischenzeitlich immer sicherer aus dem kreis der Problemstaaten entfernen.
Anti Lemmin.: Malko - Schulden/BIP-Quoten
 
29.03.11 13:44
"Ähnliches gilt für viele Staaten. Das eine ist die relative Verschuldung zum BIP - reine Zahlenspielereien und das andere ist die absolute Entwicklung der Zins- und Tilgungslasten."

Beides hat miteinander zu tun. Steigende Schulden/BIP-Quoten sind mMn keine "reinen Zahlenspielereien", sondern sie führen bei Wackelstaaten wie Griechenland, Irland und Portugal zu laufenden Kredit-Rating-Abstufungen, die die Belastung der Staatskasse durch Zinszahlungen künftig noch deutlich weiter erhöhen werden.

Je mehr Zinsen gezahlt werden müssen, desto stärker steigen die Staatsschulden. Ab einer bestimmten Schulden/BIP-Quote führt der Reigen aus steigenden Zinszahlungen, Rating-Abstufungen, hochschießenden CDS und wachsender Risikoscheu von Staatsanleihenkäufern zu einer Abwärtsspirale, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

Nach einer Faustformel gilt: Wenn ein Staat mehr als 40 % seiner Einnahmen für Zinszahlungen ausgeben muss, ist er verloren und hängt in den Fängen des Pleitegeiers.

Griechenland ist z. B. über den "Point of no return" hinaus. Auch in anderen Ländern der PIIGS-Gruppe wird die Überschuldung auf einen Schuldenschnitt hinauslaufen.

Deine Aussage "die absolute Entwicklung der Zins- und Tilgungslasten.... hat sich bei sehr vielen Staaten wesentlich verbessert" ist daher nicht so ganz zutreffend, um es mal höflich zu formulieren.

Ich möchte nicht wissen was passiert, wenn die Kredit-Ratings von Japan und USA sinken (bzw. in Japan weiter sinken). Bereits jetzt ist in USA ein deutlicher Zinsanstieg am langen Ende zu beobachten, der teils auf Risikoscheu der Bondinvestoren zurückgeht. Muni-Anleihen erleben sogar einen regelrechten Ausverkauf. Das lässt sich kaum mit "Umschichtungen in Aktien" begründen, wie Bernanke weiszumachen versucht.
Anti Lemmin.: Zum US-Finanz-Kartenhaus
3
29.03.11 13:52
Wirtschaft-Facts:

Der seitens der Organisation berechnete Sovereign Fiscal Responsibility Index” führt die Vereinigten Staaten auf Platz 28 unter insgesamt 34 Industrieländern. Der Index berechnet die finanziellen Herausforderungen, denen sich die partizipierenden Staaten ausgesetzt sehen, wenn es um die Bedienung von deren ausstehenden Schulden geht. Es sei für die amerikanischen Bürger wichtig zu wissen, wo sich die Vereinigten Staaten in finanzieller Hinsicht im Vergleich mit anderen Industrieländern befinden, wenn es um die fiskalpolitische Verantwortung und Nachhaltigkeit gehe, wie David Walker, Leiter der Organisation und früherer Chef der US-Finanzkontrollbehörde, erklärte.

http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=11793

(In Ergänzung des letzten Absatzes von Posting 472)
Andreano: Na wer hätte denn das gedacht
2
29.03.11 14:02
Brennstäbe in Reaktoren 1 bis 3 beschädigt +++
Die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 des havarierten AKW Fukushima sind nach Angaben der japanischen Atomaufsicht beschädigt. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Schutzhüllen nicht mehr dicht seien, teilt die Behörde mit.

Quelle NTV
Anti Lemmin.: Brennstäbe in 3 Fukushima-Meilern beschädigt
3
29.03.11 14:06
+++ 13.31 Brennstäbe in Reaktoren 1 bis 3 beschädigt +++

Die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 des havarierten AKW Fukushima sind nach Angaben der japanischen Atomaufsicht beschädigt. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Schutzhüllen nicht mehr dicht seien, teilt die Behörde mit.

Kommentar A.L: Wenn die Schutzhüllen nicht mehr dicht sind, dürften Nuklear-Pellets auf den Innenboden des Reaktordruckgefäßes gefallen sein (= fortgeschrittene Kernschmelze).


+++ 12.50 Nicht genug Tanks für verstrahltes Wasser +++

Stark radioaktiv verstrahltes Wasser behindert die Arbeiten in der Atom-Ruine von Fukushima in Japan. Teile des Wassers werden abgepumpt. Doch die Arbeiter wissen nicht, wohin mit der für Menschen hochgiftigen Flüssigkeit in den Turbinenhäusern. Es fehle an genügend Tanks, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Zwar pumpten Arbeiter der Betreiberfirma Tepco weiter verstrahltes Wasser aus dem Reaktorblock 1 in einen Tankbehälter. Beim Wasser in den Turbinenhäusern der Blocks 2 und 3 sei dies aber wegen der Speicherfrage aktuell nicht möglich. Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa sagt nach Angaben des staatlichen Nachrichtensenders NHK, es sei zwar Tepcos Aufgabe, das Wasser zu beseitigen. Aber die Armee würde auch helfen, falls es eine entsprechende Anfrage gäbe.


+++ 12.28 Kampf gegen Super-GAU kann Monate dauern +++

Im japanischen Katastrophen-Kraftwerk Fukushima ist keine Entspannung in Sicht. Auch ohne neue gravierende Zwischenfälle würden die Techniker noch lange zu kämpfen haben, erklärt die Regierung. Der Kampf gegen einen Super-GAU im havarierten Atomkraftwerk könne noch Monate dauern.


+++ 10.30 Radioaktive Teilchen erreichen Philippinen +++

Auf den Philippinen sind in der Luft kleine Mengen radioaktiver Teilchen aus dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima angekommen. "Die Strahlenbelastung ist sehr niedrig und stellt keine Gefahr für die Gesundheit dar", teilte das philippinische Kernforschungsinstitut PNRI mit. Die Philippinen liegen mehr als 3000 Kilometer südwestlich von Japan.

http://www.n-tv.de/Spezial/...an-bis-220-Mrd-Euro-article2810866.html

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