Regelmäßige Leser wissen, dass der Autor dieses Beitrags seit Langem unbeirrt immer wieder darauf hinweist, dass in den USA kein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung zu verzeichnen ist. Die Regierung Obama macht Überstunden, um Wirtschaftsstatistiken zu frisieren und Erklärungen abzugeben, die den gegenteiligen Eindruck erwecken sollen. Doch alles Bemühen fruchtet nicht: Hoffnung kann man nicht essen. Die Menschen brauchen reale Jobs mit realen Löhnen, um in realen Häusern leben und ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Und schon ist der schöne Schein des »virtuellen« Aufschwungs zerplatzt.
Das unabhängige Forschungsinstitut Conference Board hat gerade einen neuen Bericht veröffentlicht, wonach das Verbrauchervertrauen in den USA im Monat Mai den dritten Monat in Folge gestiegen ist, auch die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze sei gewachsen. Der Anstieg des Verbraucher-Vertrauens-Index sei auf die »günstigeren Aussichten« der Verbraucher für die nächsten sechs Monate zurückzuführen. Wollte man aus solchen Beobachtungen tragfähige Schlüsse über die wirtschaftliche Entwicklung ziehen, so sieht man sich mit dem Problem konfrontiert, dass diese nur subjektive positive Zukunftserwartungen widerspiegeln, die auf Meldungen beruhen, die der Betreffende gerade in den Nachrichten gehört hat – wie etwa die, dass sich »die Lage verbessere und wieder dem Normalzustand nähere«. Solche Beobachtungen gehen an der Realität in den USA vorbei. Die Fakten deuten nämlich eher auf eine beunruhigende Verschlechterung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage hin.
Die Krise am Häusermarkt in den USA ist alles andere als vorüber, im Gegenteil, sie wird noch schlimmer. Trotz besonderer Steuervorteile und historisch niedriger Zinsen fallen die Häuserpreise auch in diesem Jahr. Im März sind sie nach Angaben des soeben veröffentlichten Case-Shiller-20-Städte-Index gegenüber dem Vormonat um weitere 0,5 Prozent gesunken. Damit sind die Preise für Eigenheime in sechs aufeinanderfolgenden Monaten gefallen; eine Bestätigung dafür, dass es auf dem Häusermarkt – das größte Segment der Wirtschaft – weiter bergab geht.
Noch beunruhigender ist, dass der vielzitierte Anstieg der Eigenheimpreise in den USA seit 2009, wie sich jetzt herausstellt, ausschließlich auf steuerliche Vergünstigungen zurückzuführen war. Die steigende Arbeitslosigkeit, eine restriktivere Kreditpolitik der Banken und Millionen weitere Zwangsversteigerungen werden die Preise für Eigenheime – für die meisten Amerikaner die größte Wertanlage – weiter nach unten treiben.
Die Grundlage der amerikanischen Wirtschaft bildet, wie schon oft betont, nicht mehr die Produktion. Die US-Wirtschaft ist zu einer reinen Konsumwirtschaft geworden, 70 Prozent des BIP beruhen auf privatem und sonstigem Verbrauch. Seit 2002 ist der Konsum in den USA durch historisch niedrige Zinssätze der Federal Reserve künstlich angeheizt worden. Außerdem haben Millionen Amerikaner angesichts der steigenden Preise am Häusermarkt Hypotheken auf ihre Häuser aufgenommen, um mit dem Geld ihren Konsum zu finanzieren. Bis 2006 stieg diese Aufnahme von Hypotheken auf atemberaubende eine Billion Dollar jährlich.
In 13 von 20 Städten fielen die vom Index erfassten Preise. Im ersten Quartal 2010 gingen die Häuserpreise im Vergleich zum vierten Quartal 2009 um 3,2 Prozent zurück. Diese Zahlen sind beunruhigend, denn sie belegen, dass die gestiegene Zahl verkaufter Eigenheime aufgrund von Steuervorteilen nicht zu höheren Preisen geführt hat. Der Bau neuer Häuser liegt heute bei 500.000 pro Jahr gegenüber 2.000.000 im Jahr 2007 – womit die Daten über den »Aufschwung« wohl in die richtige Perspektive gerückt wären.
Keine gewöhnliche Rezession, sondern eine Depression in den USA
Diese Zahlen unterstreichen, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Rezession handelt, sondern dass wir uns vielmehr in der Anfangsphase einer neuen Großen Depression befinden, bei der das BIP um mindestens 25 Prozent schrumpft – ein wirtschaftliches Ereignis, das vielleicht einmal in 100 Jahren vorkommt. Bei einer gesunden Wirtschaft würden außergewöhnlich niedrige Hypothekenzinsen zu neuer Nachfrage nach Häusern führen. Doch Arbeitgeber schaffen keine neuen Arbeitsplätze, und Kredite für Häuser und Kleinunternehmen sind von den risikoscheuen Banken fast unmöglich zu bekommen.
Nach Angaben den US-Immobilienmaklerverbands National Association of Realtors sind die Preise für vorher bewohnte Häuser im April um 7,6 Prozent gestiegen, allerdings nur wegen der staatlichen Anreize. Diese Anreize sind seit dem 30. April ausgelaufen. Die Auswirkungen davon werden sich in den Daten für Juni/August zeigen. Der Hauptgrund für die fallenden Häuserpreise ist das Überangebot am Markt, im Verein mit weiterhin rekordverdächtigen Zahlen von Häuserversteigerungen durch Banken. Bei Zwangsvollstrecken verkaufen Banken die Anwesen mit erheblichen Preisabschlägen. Die Zahl der Zwangsversteigerungen wird noch mindestens sieben Jahre lang auf hohem Niveau bleiben. Nach einer Meldung des amerikanischen Verbands Mortgage Bankers Association hat die Zahl der Fälle von Zahlungsverzug bei Hypotheken in den ersten drei Monaten dieses Jahres entgegen allem Gerede vom »Aufschwung« den Rekordwert von über zehn Prozent aller Eigenheimbesitzer erreicht, die von Januar bis März mindestens eine Hypothekenrate nicht bezahlt haben.
Seit 2006 sind fast fünf Millionen Häuser zwangsversteigert oder anderweitig notverkauft worden – und die Krise ist noch lange nicht vorüber, denn Analysten erwarten, dass in den nächsten zwei Jahren noch drei Millionen weitere Häuser unter den Hammer kommen werden. Darüber hinaus gibt es 15 Millionen Hausbesitzer, bei denen die Hypotheken den Wert ihrer Häuser übersteigen. 26 Millionen Amerikaner sind entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt. Zu den Unterbeschäftigten zählen Menschen, die die Arbeitsuche aufgegeben haben, sowie Teilzeitkräfte, die eigentlich lieber Vollzeit arbeiten würden.
Das größte Risiko für die weltweiten Märkte und die Stabilität und Solvenz des Systems bedeuten auch weiterhin die Vereinigten Staaten, trotz der sehr realen Probleme in den Ländern der Euro-Zone. Angesichts der nicht beherrschbaren Haushaltskrise mit fallenden Steuereinnahmen und Rekorddefiziten steht die US-Wirtschaft heute am Rand eines neuerlichen Abschwungs. In dem Maße, wie diese unbestreitbare Wirklichkeit in den nächsten Monaten deutlich zutage treten wird, wird sich die Aufmerksamkeit von den Problemen des Euro ab- und sich erneut denen des Dollar zuwenden............................
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"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)