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Angst vor Vermögenspreisblase
Norwegen erhöht Leitzins
Australien hat es vorgemacht, und nun macht eine Zentralbank in Europa ernst: Norwegen erhöhte als erstes europäisches Land den Leitzins um 25 Basispunkte. Ob andere Länder bald folgen, ist aber zweifelhaft.
von Tobias Bayer Frankfurt und Doris Grass Frankfurt
Die norwegische Norges Bank hat als erste Zentralbank Europas den Leitzins erhöht. Am Mittwoch hob sie den Refinanzierungssatz um 25 Basispunkte an. Es war die erste Straffung seit Juni 2008. Die norwegische Krone legte nach dem Entscheid zu.
Die Norges Bank begründete die Entscheidung mit der anziehenden Teuerung und dem höher als erwarteten Wachstum. Eine weitere Erhöhung wurde in Aussicht gestellt. Bis Mitte März werde der Zinssatz bei bis zu 2,25 Prozent liegen. Danach werde man den Refinanierungssatz schrittweise erhöhen, kündigte die Norges Bank an.
Im Zuge der Kreditkrise senkten Zentralbanken weltweit die Leitzinsen, um ihre Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Langsam hellt sich der Ausblick auf und die ersten Notenbanken beginnen damit, ihre Geldpolitik zu straffen. Den Anfang machte die australische Notenbank, die als erste Institution in den G20-Ländern den Refinanzierungssatz erhöhte. Sollte Norwegen folgen, wird das die Diskussion anheizen, wann auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) aktiv werden.
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Svein Gjedrem Svein Gjedrem
Die Rezession in dem skandinavischen Land endete im zweiten Quartal. Dank Ölexporten und einem Konjunkturprogramm im Umfang von 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kommt Norwegen vergleichsweise gut durch die Krise, die Arbeitslosenquote fiel im September auf 2,7 Prozent. Das ist der tiefste Wert in Europa. Der Konsum zieht an: Die Einzelhandelsumsätze stiegen drei Monate in Folge.
Allerdings wächst die Gefahr von Vermögenspreisblasen. Die Hauspreise befinden sich laut dem Finanzministerium inzwischen wieder auf dem Hoch vom Sommer 2007. Norges-Bank-Chef Svein Gjedrem warnte vor kurzem vor einer "exzessiven" Entwicklung. Deshalb wird mit einer Serie an Zinsschritten gerechnet. Sunil Kapadia, Volkswirt bei UBS, sieht den Leitzins in dem Land Ende 2010 bei 4,0 Prozent.
Starke Krone bedroht Erholung
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Die Frage lautet, wie schnell die Norges Bank die Geldpolitik strafft. Lange Zeit preiste der Markt auf jeder Notenbanksitzung bis März eine Zinserhöhung ein. Die Ankündigung stellt nun klar, dass es auch Pausen geben könnte. Die Währungsanalysten der Commerzbank halten das für naheliegend und verweisen auf den Wechselkurs der norwegischen Krone: "Gegen eine derart schnelle Zinsanhebung spricht, dass bei einer spürbaren Ausweitung des Zinsabstands zum Euroraum die Krone erheblich aufwerten würde, was die Erholung der norwegischen Wirtschaft gefährden könnte", schrieben die Commerzbank-Analysten in einem Researchbericht.
Die norwegische Krone steht auf der Kaufliste der Währungshändler ganz oben. Seit Jahresbeginn legte sie zum Dollar 23,4 Prozent zu. Handelsgewichtet liegt das Plus seit Juli bei zehn Prozent. Der rasante Anstieg wird nur vom Wertzuwachs beim brasilianischen Real übertroffen. Zugelegt haben auch der australische und der neuseeländische Dollar sowie der südafrikanische Rand. Hintergrund ist die Rückkehr des Carry-Trades: Bei solchen Transaktionen verschulden sich Anleger in Niedrigzinswährungen wie dem Dollar und legen ihr Geld höherrentierlich im Ausland an.
Der Aufwärtstrend der norwegischen Währung dürfte anhalten. "Der Markt hält eine hohe Zahl an Kaufpositionen auf der Krone. Trotzdem halten wird an unserer mittelfristig positiven Sicht für die Valuta fest", schrieben die Commerzbank-Währungsanalysten. Kurzfristig allerdings sei ein Rückschlag beim Krone-Kurs möglich. Ähnlich sieht Adarsh Sinha, Währungsanalyst bei Barclays Capital: "Die norwegische Krone ist unserer Sicht immer noch unterbewertet. Sollte der Euro sich gegenüber der Krone verteuern, wäre das eine Gelegenheit, Euro zu verkaufen."
Aus der Tatsache, dass Australien und Norwegen früher als erwartet aus der "Politik des billigen Geldes" wieder aussteigen, lässt sich jedoch nicht schließen, dass die Notenbanken anderer Länder bald nachziehen werden - in einigen Staaten ist sogar das Gegenteil der Fall.
So hat Kanadas Notenbank den Leitzins am 20. Oktober nicht wie erwartet angehoben, sondern erklärt, dass sie ihn länger auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent halten will. Erst diese Woche bekräftigte Notenbank-Chef Mark Carney, dass die Währungshüter an der Dauerhaftigkeit der wirtschaftlichen Erholung zweifeln. Deshalb dürfte die Bank of Canada den Leitzins nicht vor dem zweiten Quartal 2010 anheben, erwarten die Währungsexperten der BNP Paribas. Die Volkswirte der WestLB gehen sogar davon aus, dass die Notenbank frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2010 "den Fuß vom Gaspedal" nehmen wird. Goldman Sachs wiederum sagt eine Anhebung der Leitzinsen ab der Jahresmitte bis auf 1,50 Prozent Ende 2010 voraus.
Neuseeland und Südkorea dämpfen Zinserhöhungsfantansien
Zuletzt galt Neuseeland als heißer Kandidat für eine baldige Zinserhöhung, jetzt aber tritt die Regierung ebenfalls auf die Bremse. Zwar ist das Verbrauchervertrauen im Oktober auf den höchsten Stand seit 22 Monaten gestiegen. Doch Ministerpräsident John Key erklärte eine Zinserhöhung noch 2009 für unwahrscheinlich, weil die Inflation eingedämmt sei. Zudem will das Land den Wechselkurs nicht per Zinsschritt nach oben treiben. Einige Analysten erwarten, dass die neuseeländische Notenbank bis Mitte 2010 warten wird, bis sie den Leitzins von derzeit 2,50 Prozent anhebt, andere halten dies schon in den ersten sechs Monaten des neuen Jahres für möglich.
Südkoreas Notenbank hat ebenfalls die zuletzt gestiegenen Erwartungen gedämpft. Anlass für diese war ein starker Anstieg der Immobilienpreise und der Vergabe von Baukrediten. Zudem erholt sich auch Südkoreas Wirtschaft schnell von der Krise, ähnlich wie die Chinas. Allerdings muss Seoul mit Zinserhöhungen wegen den hohen Schulden der Bevölkerung vorsichtig sein. Analysten haben ihre Prognosen nun nach hinten gestreckt und rechnen mit dem ersten Zinsschritt um 25 Basispunkte erst im ersten Quartal 2010. Derzeit liegt der Zins für einwöchige Kredite der Banken bei der Notenbank auf einem Rekordtief von zwei Prozent.