Ich sehe die Lage etwas anders, und zwar - wie Du Dir denken kannst - bärischer: In USA ist die Wirtschaft mit dem Platzen der letzten Verschuldungsblase extrem aus dem Lot geraten. Ohne die Auffangaktionen der Fed (z. B. Staats-Bailouts von Fannie, Freddie, AIG, Citigroup usw.) wäre die US- und in der Folge die Weltwirtschaft komplett zusammengebrochen. Das sind keine Horror-Märchen von Permabären, sondern das ist mMn die Realität.
Trotz all dieser Auffanglösungen und "Rettungen" hat das in USA geborene Misstrauens-Virus inzwischen die ganze Welt infiziert. Selbst in Deutschland geben Banken den Mittelständlern nur noch äußerst zögerlich Geld - mit der Folge, dass bis vor kurzem gesunde Unternehmen mangels Kredit vor der Pleite stehen. In den Häfen stapeln sich die Waren (vor allem Neuwagen), weil ausländische Banken keine Akkreditive bzw. Abnahmegarantien mehr geben.
In USA wird unterdessen buchstäblich mit der Brechstange versucht, das Krater-Abtauchen der Wirtschaft aufzuhalten. Die Maßnahmen - zig Bailouts und historisch tiefe Zinsen von 0,5 % - mögen teils übertrieben wirken, stellen aber, zumindest zurzeit noch, ein angemessenes "Gegengewicht" zum immensen Abwärtsdruck dar.
Das Problem: Wenn sich die (US-)Wirtschaft nach all den Maßnahmen zu erholen beginnt, werden die zig Programme eine Milchmädchen-Hausse lostreten. Und wie üblich werden die Maßnahmen, die jetzt den Total-Absturz verhindern sollen, dann nicht wieder zurückgenommen. (Die "Rückzahlkomponente" von Keynes fehlt.)
USA steuert damit auf Blase 3.0 zu, der voraussichtlich letzten nach dem Tech-/Internet-Hype (1995 - 2000) und dem Housing/Rohstoff-Hype (2003-2007). Sie dürfte auch mit neu aufflammender Inflation einhergehen. Diese Entwicklung ist zurzeit nicht explizit "geplant" - Paulson und die Fed reagieren nur und agieren nicht, wird sich aber mMn fast zwangsläufig ergeben. In Blase 3.0 könnten auch Aktien und andere Assets (außer Anleihen) ein Stückweit zulegen.
Es dürfte aber, wie gesagt, eine große Milchmädchen-Hausse werden, da sie nicht auf organischem Wachstum beruht, sondern wie schon die Housing-Blase auf Pump und billigem Geld.
Den Schmierstoff für das Pumpen von Blase 3.0 (Bailout for everybody) liefert nun der Kreditgeber der letzten Instanz, nämlich der -ohnehin stark überschuldetete - US-Steuerzahler. Dessen zukünftige Steuerzahlungen werden bereits heute für den Mega-Bailout verprasst.
Das kann am Ende mMn nur dem Staatsbankrott zur Folge haben.