Tja, scheint fast so, als wäre dieser alte Schlager aus den 70-er Jahren für die Börse geschrieben worden;-)
Sehr interessanter Artikel von Gehrt, den Nörgeli uns da freundlicher Weise in den Thread gestellt hat. Börse scheint einerseits ein bisschen wie Schach zu funktionieren - nämlich nicht nur den nächsten eigenen Zug denken, sondern auch mindestens den über- und übernächsten und gleichzeitig mit einzubeziehen, bzw. darauf zu spekulieren, welche Züge der Gegner noch tätigen könnte... Am Ende des Spieles ist einer von beiden "Schach matt" - dann ist es auch egal, ob aus Gewinner- oder Verlierersicht, warum genau das Spiel so geendet hat. War es deshalb, weil man den anderen besonders gut einschätzen konnte, Züge vorausahnen konnte? Hat man einfach nur gut spekuliert? Hatte man einfach nur Glück?
Andererseits könnte man Börse vielleicht auch ein bisschen mit Skat vergleichen. Klar, wenn man sehr viel Glück hat, bekommt man gleich sehr gute Karten, mit denen eigentlich nicht viel schief gehen kann. Aber selbst, wenn man schlechte Karten oder gemischte Karten (nicht so richtig gut und nicht so richtig schlecht) bekommt, so hat man immer noch die Möglichkeit, bei entsprechender Erfahrung und Ausgebufftheit, Risikobereitschaft, Rechenkunst und Erinnerungsvermögen und mit dem entsprechenden Partner - ein verloren geglaubtes Spiel zu drehen...
Am Ende scheint Börse aber auch sehr vergleichbar mit einem Casino zu sein. Denn egal, worauf ich setze, es gehört einfach auch neben Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Fundamentalanalysen auch einfach sehr, sehr viel Glück dazu.
Aber ob man nun Börse mit Schach, Skat, Casino, Lotto, Poker, Würfelspiel, Monopoly oder auch "Mensch ärgere Dich nicht" vergleichen möchte oder könnte: Mir scheint, als hätten sehr viele Menschen einfach einen natürlichen, fast angeborenen Spieltrieb - und die Börse ist ein großes Spiel - und viele von uns spielen einfach gerne mit - sei es aus Spaß am Spiel oder auch aus der Erwartung heraus, aus dem Spiel auch noch Gewinne zu erzielen...
Wie dem auch sei - Weihnachtsralleye hin oder her. Meine besten Kontraindikatoren so allgemein sind nach wie vor meine Bankberater.
Vor wenigen Wochen hielten sie die noch für so was von klar und riefen: "Kaufen!" - im Rahmen der Abgeltungssteuer gibt es bald die große Ralleye! Gähn... Da blieb ich glücklicherweise fein draußen...
Jetzt rufen sie: "Nein, an eine Weihnachtsralleye glauben wir nicht mehr..." Hm, bin zwar immer noch draußen, aber bei dem einen oder anderen Wert überlege ich zumindest um 5 Ecken rum, ob ich nicht doch bis Jahresende mal ein bisschen Aktien shoppen gehe..., auch auf die Gefahr hin, dass uns im Laufe des Jahres 2009 alles um die Ohren fliegt...halt nur so ein paar kleine Aktien... :-))) - Denn "who knows" - klar kann alles komplett den Bach runtergehen - und vieles wird es leider wahrscheinlich auch - genauso gut kann es aber auch sein, dass das eine oder andere Unternehmen auch diese Krise gut übersteht...Frage ist natürlich nur: WELCHE UNTERNEHMEN WERDEN ÜBERLEBEN???
Jedenfalls orientiere ich mich persönlich nicht allzu sehr an Indexständen, sondern gucke mehr auf die Einzelwerte.
Denn, wie hat Kostolany es einmal so schön beschrieben (so sinngemäß aus meiner Erinnerung):
Ein Arzt, der in seiner Abteilung 30 Kranke hat, guckt ja auch nicht morgens auf die "durchschnittliche Fieberkurve" der gesamten Abteilung bzw. der gesamten Kranken, sondern auf den Einzelnen.
Sprich, würde die gesamte durchschnittliche Fieberkurve bei etwa 36,5 Grad liegen, somit die Abteilung recht gesund und munter aussehen würde, hieße das ja nun noch lange nicht, dass nicht der eine oder andere Patient entweder schon fast verbrennt, weil er 42,5 Grad Fieber hat, der nächste aber quasi fast erfriert oder gar schon tot ist, weil er nur noch 34 oder weniger Grad vorweisen kann ;-)))
Nun, um mehrere Ecken herum denken kann und wird sicherlich niemandem schaden, und ist wahrscheinlich tausendmal besser als gar nicht zu denken - jedoch braucht jeder Anleger, Spekulant, Spieler einfach auch sehr, sehr viel Glück.
Und egal, wie sehr jeder Einzelne, oder auch Fonds und Vermögensverwalter versuchen, der Psyche des Marktes und des Anlegervolkes auf die Schliche zu kommen, diese zu analysieren und für sich gewinnbringend zu verwerten:
"Es kommt sowieso nie so, wie man es gerne hätt´- oder auch: "An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil!"
In diesem Sinne
Kosto