Im Zusammenhang mit diesem Thema eine Frage an den Anleiheexperten Malko07: Hälst du den Zeitpunkt für einen Einstieg in Industrieanleihen guter Qualität bereits für günstig?
Gruß
Permanent
Ausgabe vom 16.10.2008 7:55 Uhr
US-Industrie steckt tief in der Krise
Die Industrieunternehmen in den USA bekommen die Zurückhaltung der Konsumenten kräftig zu spüren und drosseln daher die Produktion. Dies dürften auch die Produktionszahlen vom September zeigen, die im Monatsvergleich um 0,6 % zurückgegangen sein sollten. Im Quartalsvergleich würde damit ein erneutes Minus verzeichnet werden, was bedeutet, dass sich der Industriesektor mitten in der Rezession befindet. Dies signalisieren bereits seit geraumer Zeit die Umfragewerte aus dem Unternehmenssektor. So brach der gestern veröffentlichte Empire State Index - die Unternehmensbefragung im Großraum New York - im Oktober um über 17 Punkte auf -24,6 Punkte ein und notiert auf einem neuen Rekordtief. Auch beim Philly Fed Index (Großraum Philadelphia) ist mit einem kräftigen Minus zu rechnen. Wir erwarten einen Rückgang auf -10,0 Punkte (Sept.: +3,8). Da die Kreditvergabe an den privaten Sektor nahezu zum Erliegen gekommen ist, zeichnet sich zunächst keine Belebung der privaten Nachfrage ab. Zwar sollen die von der US-Regierung angekündigten Kapitalspritzen für den Bankensektor perspektivisch für eine Widerbelebung der Kreditvergabe sorgen, eine rasche Trendwende ist aber nicht zu erwarten. Mit den fallenden Ölpreisnotierungen sollte der Preisdruck im September erneut nachgelassen haben. Wir rechnen mit einem unveränderten Monatswert, so dass die Jahresteuerung von 5,4 % auf 5,0 % nachgeben dürfte.
Euro gerät kräftig unter Druck
Die EZB gab gestern bekannt, die Liste der notenbankfähigen Wertpapiere auszuweiten und Papiere mit Bonitätsnoten zwischen A- und BBB- zu akzeptieren. Zudem werde bis März 2009 die Liquiditätsversorgung insgesamt erweitert. Dabei sollen u. a. die längerfristigen Tendergeschäfte mit festem Zinssatz und vollständiger Zuteilung erfolgen. Ferner wird über Swapgeschäfte zusätzliche USD-Liquidität bereitgestellt. Unterdessen wurden in Norwegen (-50 BP) und Island (-350 BP) die Leitzinsen auf 5,25 % bzw. 12 % gesenkt. Fed-Chef Bernanke versicherte unterdessen, dass auch die US-Notenbank alle Maßnahmen ergreifen werde, um funktionierende Finanzmärkte und eine ausreichende Liquiditätsversorgung zu gewährleisten. Gleichzeitig verwies Bernanke auf nachgebende Inflationserwartungen und lässt damit kaum Zweifel daran, dass die Fed-Funds-Rate weiter gesenkt werde. Wir rechnen bis zum Jahresende 2008 mit Zinssenkungen bis auf 0,5 %. Unterdessen brachen die US-Einzelhandelsumsätze im September um 1,2 % gg. Vm. kräftig ein, so dass für das 3. Quartal ein spürbarer Dämpfer seitens der Konsumausgaben für das US-BIP-Wachstum so gut wie sicher ist. Ingesamt mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Wirtschaftsleistung in den USA im abgelaufenen Vierteljahr geschrumpft ist. Der Euro gab zum US-Dollar auf unter 1,34 USD kräftig nach, zum Yen verbuchte die Einheitswährung Kursverluste auf rund 134 JPY. Auch heute dürfte der Euro auf breiter Front schwach notieren.
Bund-Future: Wieder den Blick gen Norden gerichtet
Beim Bund-Future warten die nächsten gewichtigen Widerstände bei 114,25/28.
Technische Analyse
US-T-Note-Future: Hält es hier nicht...
Der US-T-Note-Future ist während der letzten Tage schwer unter die Räder geraten. Im Rahmen der Abwärtsbewegung wurden ohne große Gegenwehr die 200-Tages- Linie (akt. bei 116 00/32) und der seit Mitte des letzten Jahres existierende Aufwärtstrend (akt. bei 114 15/32) durchschlagen. Nun ruhen die Hoffnungen auf einer massiven Unterstützungszone im Bereich von 111 28/32 bis 111 14/32, die aus mehreren Hoch- und Tiefpunkten aus diesem und dem letztem Jahr resultiert. Bei einem Abgleiten unter diese Haltzone droht weiteres Ungemach. So wäre dann eine große Topformation komplettiert, aus der sich weiteres signifikantes Abwärtspotential ableiten ließe. Die nächste größere Unterstützung wartet dann bei 108 07/32 in Form des Tiefs vom 15.10.2007. Auf Seiten der technischen Indikatoren weist der MACD ein klares Verkaufssignal auf. Zudem ist der RSI noch nicht so überverkauft, dass es zu größeren Aufwärtskorrekturen kommen muss.
...droht weiteres Ungemach
Bei einem Abgleiten unter die oben angeführte Unterstützungszone bei 111 28/32 bis 111 14/32 sollte das Risiko weiter reduziert werden.
Bondmarkt
Staatsbonität - in Zukunft ein Thema?
Eine Neuverschuldung von Null im Jahr 2011 - so lautete bis vor kurzem das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung. Von diesen Plänen hat man mittlerweile Abstand genommen. Die Staatsverschuldungen innerhalb der Eurozone werden aufgrund der zuletzt verabschiedeten Hilfsprogramme schneller zunehmen als erwartet und länger zunehmen als erhofft. Das drückt sich in den Anleihe- und Geldmarktschulden aus, die bedingt durch die Finanzmarktkrise bereits einen Wachstumsschub erhalten haben. Zum Ende 2007 hatte sich die Summe beider Werte gegenüber dem Vorjahr um 2,6 % auf 4354,4 Mrd. EUR erhöht. Bis heute ist dieser Wert um weitere 5,0 % auf 4571,3 Mrd. EUR gestiegen. Vor allem die Geldmarktschulden erhöhten sich im bisherigen Jahresverlauf überproportional um 37,6 %, machen mit 471,2 Mrd. EUR aber nur etwa ein Zehntel beider Größen aus. Am extremsten fallen hier die Niederlande auf, deren Geldmarktschuld sich gegenüber Ende 2007 um den Faktor 2,5 erhöhten. Frankreich liegt mit +73,7 % ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt. Überproportional wurden die Anleiheschulden von Irland (+22,0 %), Griechenland (+8,2 %) und Spanien (+7,0 %) erhöht.
Noch deutlicher sind die Folgen der Krise am Beispiel der USA zu erkennen. Mit 549,5 Mrd. USD wurden 61,8 % der diesjährigen Jahresneuverschuldung zwischen dem 15.09.08 und dem 10.10.08 aufgebaut. Im selben Zeitraum des Vorjahres wurden 56,6 Mrd. USD. Schulden abgebaut. Das endgültige Ausmaß der sich aus den Rettungspaketen ergebenden Belastungen einzelner Staaten ist momentan kaum prognostizierbar. Ebenso wenig kann eine zunehmende Relevanz des Themas Staatsbonität mit Sicherheit vorhergesagt werden.
Um den vollständigen Inhalt unserer Publikation "Der Markt heute" zu lesen (inkl. Charts, Tabellen und Graphiken), downloaden Sie bitte die Ausgabe vom 16.10.2008.
Im Zeitraum von 01.06.2008 bis 29.08.2008 wurden in den Publikationen "Der Markt heute" und "Bond Barometer" insgesamt 1 Verkaufs- und 3 Kaufempfehlungen ausgesprochen. Dabei standen keine Verkaufs- und keine Kaufempfehlung im Zusammenhang mit Investment-Banking Dienstleistungen.
Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang die Grundlagen unserer Handelsempfehlungen.