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01.08.2012/15:33:42
BMW-Aktionär Quandt will Solarwatt mehrheitlich übernehmen
Düsseldorf, 01. Aug (Reuters) - Für den insolventen Modulbauer Solarwatt ist die Rettung in greifbare Nähe gerückt. BMW--Aktionär Stefan Quandt will dem Unternehmen maßgeblich auf die Sprünge helfen und über eine Kapitalerhöhung am Ende 94 Prozent der Anteile übernehmen, wie Solarwatt am Mittwoch mitteilte. Voraussetzung ist aber unter anderem, dass die Gläubigerversammlung dem Sanierungsplan am 11. September zustimmt. Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus appellierte denn auch an sie: "Nun liegt es an den Gläubigern, sich hinter den Plan zu stellen und damit den Fortbestand des Unternehmens und der überwiegenden Zahl seiner Arbeitsplätze zu sichern."
Das Amtsgericht Dresden hatte am Mittwoch das Insolvenzverfahren in Eigenregie eröffnet und Rainer Bähr als Sachwalter bestellt. Der Sanierungsplan, der den Gläubigern 16 Prozent ihrer Ansprüche zusichert, sieht vor, das Kapital zunächst auf Null herabzusetzen und anschließend um fünf Millionen Euro zu erhöhen. 94 Prozent davon wolle Quandt zeichnen und zudem fünf Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen zuschießen.
Die geplante Restrukturierung sieht zudem vor, die Modul-Produktion zurückzufahren und knapp 100 der 435 Arbeitsplätze zu streichen. Solarwatt-Chef Neuhaus äußerte sich angesichts des um 22 Prozent gestiegenen Absatzes in den ersten sechs Monaten zuversichtlich, die Firma retten zu können. "Es freut uns besonders, dass uns auch nach Einleitung des Schutzschirmverfahrens alle Kunden treu geblieben sind und wir darüber hinaus noch neue Kunden von den Solarwatt-Lösungen überzeugen konnten." Wenn die Sanierung jetzt wie geplant umgesetzt werden könne, stehe das Unternehmen auf einem soliden Fundament.
Das 1993 gegründete Unternehmen hatte Mitte Juni wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenzantrag gestellt. Die Verhandlungen über die Sanierungsbeiträge der Aktionäre waren zuvor erfolglos gewesen. Zu den Anteilseignern zählen neben Quandt, das Photovoltaik Systemhaus IBC Solar sowie dessen Gründer und Vorstand Udo Möhrstedt. Bei einer positiven Entscheidung durch die Gläubigerversammlung würde das Schutzschirmverfahren aufgehoben und Solarwatt könnte das operatives Geschäft als saniertes Unternehmen fortführen.
Der Modulbauer ist auf die Errichtung schlüsselfertiger Solarkraftwerke in Europa spezialisiert. Der zuletzt für 2010 veröffentlichte Jahresumsatz betrug 324 Millionen Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 16 Millionen.
(Reporterin: Anneli Palmen; redigiert von Till Weber)