Viele deutsche Banken hatten griechische Wertpapiere in ihren Portfolios - die Commerzbank ist ihre los.
Griechenland - da war doch mal was? Ist aber nicht mehr: »Wir haben das Portfolio komplett abgebaut«, erklärt der Sprecher einer Frankfurter Großbank. Ähnliches ist Land auf, Land ab aus Kreditinstituten zu hören. Wer konnte, verabschiedete sich in den vergangenen Monaten von seinen griechischen Staatspapieren. Doch wer kauft die »Schrottpapiere«?
Beispiel Commerzbank: Vor der Zuspitzung der Schuldenkrise besaß sie griechische Staatsanleihen im Wert von drei Milliarden Euro. Die einst als sicher geltenden Wertpapiere waren auf den Finanzmärkten lange fast unverkäuflich. Zunächst blieb also nur die Möglichkeit, Verluste zu akzeptieren und die Anleihen auf den weit niedrigeren Marktpreis abzuschreiben. 2011 schlugen griechische Staatsanleihen in der Commerzbank mit einem Minus von 2300 Millionen Euro zu Buche, Anfang 2012 waren es noch 800 Millionen Euro. Die Summe wurde durch den »freiwilligen« Anleihentausch Griechenlands im März um mehr als die Hälfte (53,5 Prozent) auf weniger als 400 Millionen reduziert. Danach wurden die Papiere »nahezu vollständig veräußert«, heißt es im Quartalsbericht.
Doch wer kauft Staatsanleihen zum Nominalwert von drei Milliarden Euro von einer Bank, deren Chefvolkswirt Jörg Krämer das Euro-Aus für Griechenland vorhersagt? Sollte das eintreten, wären die Papiere wohl endgültig nichts mehr wert. Medienerprobte Rechtsanwälte wundern sich, wie schnell und vollständig die Commerzbank ihre Risikoanlagen zurückgefahren hat. Das nähre den Verdacht, das Geldhaus habe die »Schrottinvestments« an die eigenen Kunden verscherbelt. Auch sei denkbar, dass sich der Vorstand über den schnellen Verkauf der »Junk Bonds« an Privatkunden aus seiner Erklärungspflicht gegenüber den Aktionären auf der Hauptversammlung im Mai habe retten wollen. Die Bank dementiert glaubwürdig. Schließlich würde »jedes deutsche Gericht einen solchen Verkauf an nicht informierte Verbraucher hart bestrafen«, ergänzt ein Jurist, der die populistische Bankenschelte mancher Kollegen für Mandantenfang hält.
Wer aber kauft den Banken griechische Staatsanleihen ab? Michael Schulz sieht vor allem »große Hedgefonds« am Werk, die mittel- bis langfristige Strategien verfolgen und hoffen, dass die Hellas-Papiere bis dahin hohe Zinsen abwerfen - und am Ende der Laufzeit tatsächlich getilgt werden. »Daneben setzen Spekulanten, darunter auch Privatanleger, darauf, dass selbst nach einem weiteren Schuldenschnitt noch Gewinn zu machen ist«, so der Analyst der Norddeutschen Landesbank. Derzeit kostet ein griechisches Staatspapier mit dem Nennwert von 100 Euro etwa 15 Euro; selbst bei einem neuen Schuldenschnitt um die Hälfte bliebe ein Gewinn von 35 Euro übrig. Sollte die Commerzbank ihre Schrottpapiere für etwa 15 Euro abgestoßen haben? Auskunft verweigert das Institut. In der Summe könnte die Bank ziemlich genau die 400 Millionen Euro kassiert haben, mit denen Hellas-Papiere zuletzt bilanziert worden waren.
Bleibt die Frage, in welchem Umfang die Europäische Zentralbank (EZB) zu den Käufern der Schrottpapiere gehört. Seit Mai 2010 kauft sie schrottreife Staatspapiere von Banken, Versicherungen und Fonds. Zum »gleichen Preis« wie andere Marktteilnehmer, betont die Deutsche Bundesbank. Über 200 Milliarden Euro hat die EZB nach eigenen Angaben derzeit in Schrottpapieren angelegt. Angesichts der Größe des Problems ein Tropfen auf den heißen Stein: So schätzt die Unicredit den Anteil der EZB an spanischen Schuldtiteln auf sechs Prozent.