http://www.finanzwirtschafter.de/...lien-auf-entwicklungsland-niveau/Commerzbank-Bericht: Italien auf Entwicklungsland-Niveau
Italien ist nicht wettbewerbsfähig genug, Spanien wird in den nächsten Jahren wieder aufholen, auch weil in Deutschland die Löhne stärker steigen. Eine Preis- und Immobilienblase droht in Deutschland nicht. Das sind die aktuellen Einschätzungen der teilverstaatlichten Commerzbank.
Die Commerzbank hat in einer neuen Studie die Situation der Eurozone untersucht und die einzelnen Euro-Mitgliedstaaten auf ihre ökonomische Verfassung hin geprüft. Portugal und Spanien kommen überraschend gut weg, ausgerechnet das Schulden-Schwergewicht Italien wird von den Ökonomen harsch kritisiert. Teile der italienischen Volkswirtschaft sind nach Ansicht der Coba-Analysten auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Nicht erst seit der Studie ist die Euro-Krise wieder vollständig präsent. Verschwunden war sie ohnehin nicht.
„Rahmenbedingungen katastrophal“
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer attestierte Italien zwar eine Stabilisierung der öffentlichen Haushalte. Nach wie vor bestünden aber massive strukturelle Defizite: „Die Rahmenbedingungen für Unternehmen sind katastrophal und auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.“. Zudem verliere Italien bei den Lohnstückkosten, die maßgeblich für die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit seien, weiter an Boden. Anders fällt das Urteil bei Spanien, Portugal und Irland aus. Diese Länder hinken nach Ansicht der Commerzbank bei der Haushaltskonsolidierung zwar hinterher. Die Standortqualität und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit hätten sich aber verbessert.
Kritik an Mario Monti
An Italien kann die Eurozone scheitern: Das Land ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und mit rund zwei Billionen Euro Schulden zusammen mit Deutschland der größte öffentliche Schuldner, Diese Bedeutung Italiens mag erklären, warum die Commerzbank mit dem Land und seiner Regierung besonders hart ins Gericht geht. Krämer bringt eine Einschätzung auf den Punkt: „Für Italien gilt daher: Mehr Schein als Sein“. Der Volkswirt übte Kritik an den gescheiterten Reformen des italienischen Arbeitsmarktes. Er könne nicht verstehen, warum der italienische Ministerpräsident Mario Monti immer wieder als Reformer gefeiert werde.
Rezession verbessert preisliche Wettbewerbsfähigkeit
Spanien, Portugal und Irland werden nach Ansicht der Commerzbank bereits im Jahr 2015 wieder den Eurozonen-Durchschnitt bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Das sei vor allem ein Resultat aus den gesunkenen Arbeitskosten. In den besonders hart von der Schuldenkrise getroffenen Staaten ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren massiv angestiegen. Die Löhne sind teis drastisch gesunken und mit ihnen rauschte de private Konsum in den Keller. Die positiven Urteile der Commerzbank insbesondere zu Spanien dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Spanien eine Arbeitslosequote von weit über 20 Prozent erreicht wurde und die ausufernde Jugendarbeitslosigkeit sich zu einem staatspolitischen Problem entwickelt.
„Zeitenwende“ bei Deutschlands Löhnen
Chefvolkswirt Krämer sieht Unterstützung auf dem Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit aus Deutschland kommen. Nach Jahren der Lohnzurückhaltung würden die Löhne in Deutschland nun wieder stärker steigen. „Wir sehen da jetzt schon eine Zeitenwende bei den Löhnen“. Die Reallohnentwicklung spiegelt diese Einschätzung allerdings nur teilweise wieder. Zwar gab es zuletzt gemessen an den Vorjahren wieder etwas höhere Tarifabschlüsse. Ein Großteil davon wird durch Inflation und kalte Progression aber wieder aufgezehrt – die Nettoreallöhne vieler Beschäftigter sinken eher, als dass sie steigen.
Keine Überhitzung in Deutschland
Krämer teilt die Sorgen vor Preisblasen und einer Überhitzung der deutschen Wirtschaft nicht. Zum einen dämpfe in Deutschland der große Außenhandelssektor die Lohnentwicklung, da im Exportgeschäft der Preisfaktor wesentlich sei. Eine Blasenbildung auf dem deutschen Häusermarkt sei wegen der im internationalen Vergleich restriktiven Kreditvergabepraxis deutscher Banken und der zurückhaltenden Kreditnehmer unwahrscheinlich. Andere Experten sehen auf dem deutschen Immobilienmarkt alelerdings durchaus das Risiko einer Preisblase. Die niedrigen Zinsen und die Angst vor Inflation haben die Nachfrage getrieben –vor allem in den Metropolregionen sind Häuser und Wohnungen bereits sehr teuer.