Die Kapital-Lücke der Commerzbank schließt sich
11.01.2012, 15:54 Uhr, aktualisiert 16:16 UhrBisher kann die Bank eine stille Einlage der Allianz von rund 750 Millionen Euro nicht zum Kernkapital rechnen. Doch das könnte sich bald ändern. Kann das Institut seinen Finanzbedarf ohne Staatshilfe schließen?
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Logo der Commerzbank im Foyer der Zentrale: Die Allianz könnte ihre Einlage womöglich umwandeln.
Quelle: dapd
Großaktionär Allianz springt der Commerzbank Finanzkreisen zufolge in der Not bei. Der Münchener Versicherer sei grundsätzlich bereit, seine Stille Einlage von 750 Millionen Euro so anzupassen, dass die Commerzbank sie zum Stopfen ihrer rund 5,3 Milliarden Euro großen Eigenkapital-Lücke nutzen kann, sagten mehrere mit den seit Dezember laufenden Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.
Beschlüsse gebe es aber noch nicht. Damit käme die Bank dem Ziel einen großen Schritt näher, die Lücke ohne staatliche Hilfe zu schließen. „Die Bank ist zuversichtlich, das Paket rechtzeitig schnüren zu können“, sagte ein Insider. Es werde aber bis zur letzten Minute dauern.
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Die Allianz und die Commerzbank wollten sich nicht dazu äußern.
Die Commerzbank-Aktie legte nach der Meldung deutlich zu und notierte am Nachmittag vier Prozent im Plus bei 1,29 Euro. Allianz-Papiere lagen 1,3 Prozent im Plus.
Die Probleme der Commerzbank
Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen
Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.
Die Kapitelerhöhung
Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.
„Weit aus dem Fenster gelehnt“
Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."
Die große Gefahr
Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.
Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen
Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".
Soffin reaktivieren
Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.
Erneute Staatshilfe vermeiden
Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.
Sorgenkind Eurohypo
Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.
Hohen Verlust in Kauf nehmen
Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.
Verkauf strategischer Beteiligungen
Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.
Aktienkurs im Sinkflug
Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex DAX die schlechteste Performance. Die Marktkapitalisierung des Kreditinstituts liegt bei 6,7 Milliarden Euro.
Die Allianz hatte die Stille Einlage kurz nach der Übernahme ihrer Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank gezeichnet. Sie wird von der EU-Bankenaufsicht nicht als hartes Kernkapital anerkannt, weil der Versicherer auch dann Zinsen darauf erhält, wenn die Bank Verluste schreibt. Damit die Commerzbank sie in die Waagschale werfen kann, müssten die Zinsen vom Gewinn abhängig sein. Ob die Einlage „gehärtet“ oder direkt in Aktien umgewandelt wird, war zunächst offen. In jedem Fall würde die Allianz damit ein größeres Risiko eingehen. Sie ist nur noch mit weniger als fünf Prozent an der Commerzbank beteiligt.
Systemrelevanz
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Die gefährlichsten Banken der Welt
Allianz-Finanzvorstand Oliver Bäte hatte in den Gesprächen mit der Commerzbank zunächst zur Bedingung gemacht, dass sein Konzern durch die Änderung keinen finanziellen Schaden erleide. Nun sieht sich die Allianz aber offenbar in der Pflicht, zur Stabilisierung des Finanzsystems in Europa beizutragen. Sie hatte sich in der vergangenen Woche bereit erklärt, bei der 7,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung von Unicredit mit 150 Millionen Euro mitzuziehen, an der sie zwei Prozent hält.
Europäische Banken
Französische Großbank
: Société Générale erwartet Einbruch im InvestmentbankingWissenswert
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: Ein schlechtes Omen für BankwerteDer Rettungsplan der Commerzbank wäre damit zu vier Fünftel perfekt. 2,7 Milliarden Euro soll die Reduzierung der Risiken in der Bilanz (RWA) bringen, 700 Millionen Euro hat die Bank durch den Rückkauf von Hybridanleihen eingesammelt. 200 Millionen Euro dürfte der Verkauf der früheren Dresdner-Bank-Zentrale gebracht haben. Die Commerzbank muss wie 30 andere europäische Banken bis zum 20. Januar den Aufsehern einen Plan vorlegen, wie sie bis Ende Juni auch unter den widrigen Bedingungen der Schuldenkrise auf neun Prozent hartes Kernkapital kommen will.
Insgesamt fehlen den Instituten nach Berechnungen der EU-Aufsicht EBA mehr als 115 Milliarden Euro.