Commerzbank schrumpft, Euro-Rettungsschirm wächst. Wie geht es weiter?
Michael Schröder
Eine Billion, oder doch eher zwei Billionen Euro? Während der Euro-Rettungsschirm EFSF allem Anschein nach immer weiter aufgebläht wird, schrumpft der Börsenwert der Commerzbank derzeit immer weiter zusammen. Mittlerweile ist das zweitgrößte börsennotierte Institut Deutschlands nur noch knapp acht Milliarden Euro wert. Vor vier Jahren waren es noch 25 Milliarden Euro. Ein Rutsch unter das bisherige Jahrestief dürfte den Druck auf die Aktie weiter erhöhen.
Wenige Tage vor dem EU-Gipfel steigt die Spannung. Finanzminister Wolfgang Schäuble plant nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) den Euro-Rettungsschirm EFSF auf bis zu 1.000 Milliarden Euro zu erweitern. Auch wenn sich durch den geplanten Hebel das Finanzvolumen vervielfacht, soll die Haftungsgrenze von 211 Milliarden Euro, die Deutschland für den Rettungsfonds garantiert, aber nicht steigen. Details und weitere Richtlinien werden der FTD zufolge derzeit noch ausgehandelt und sollen spätestens am Donnerstag beschlossen werden. Die britische Zeitung The Guardian berichtet dagegen unter Berufung auf EU-Diplomaten, dass sich die Regierungen der beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, Deutschland und Frankreich, auf das Ziel geeinigt hätten, den EFSF auf 2.000 Milliarden Euro aufzustocken und damit mehr als das vierfache des derzeitigen Volumens von 440 Milliarden Euro.
Zahlenspiele
Zum Vergleich: Nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen Monate könnte man die gesamte europäische Finanzindustrie über die Börse für knapp 750 Milliarden Euro kaufen. Die Commerzbank, immerhin das zweitgrößte börsennotierte Institut Deutschlands, ist aktuell nur noch knapp acht Milliarden Euro wert. Noch vor vier Jahren war die Bank gut 25 Milliarden wert. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Staat und private Investoren seitdem mehrere Milliarden Euro eingeschossen haben, um die Bilanz der Frankfurter Bank zu stärken. Im laufenden Jahr hat die Nummer 2 hinter der Deutschen Bank ihr Kapital bereits um elf Milliarden Euro erhöht. Damit ist die Commerzbank an der Börse weniger wert, als frisches Geld eingesammelt wurde.
Weiter abwärts?
Und der Wertverfall könnte sich fortsetzen. Aus charttechnischer Sicht deutet derzeit einiges auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends hin. Auf dem Weg zu neuen Tiefstständen kommt der Haltzone knapp oberhalb des Jahrestiefs um 1,50 Euro eine große Bedeutung zu. Rutscht die Aktie unter das Tief vom 13. September bei 1,47 Euro wäre eine Beschleunigung der Talfahrt bis in den Bereich um 1,30 Euro eine mögliche Folge. Gelingt in diesem Bereich dagegen erneut eine Stabilisierung, könnte ein weiterer Stimmungsumschwung die Papiere wieder Richtung 2,00 Euro treiben. Deshalb sollten derzeit nur risikofreudige Trader eine Position eingehen und diese mit einem engen Stopp absichern. Der Rest bleibt an der Seitenlinie und wartet die Entwicklung vorerst ab.
