http://www.ariva.de/Vorsicht_Volksaktie_c3695563Vorsicht Volksaktie09:14 07.04.11
Der Kapitalmarkt in Deutschland und damit auch der gesamte Aktienmarkt – jedenfalls was die Anzahl und den relativen Anteil der Privatanleger angeht – hängt weiter in den Seilen. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, das man dem Eindruck schwer widerstehen kann, dass der Staat Hand in Hand mit staatlichen Unternehmen wie der Deutsche Telekom AG die vertrauensseligen kleinen Leute damals zumindest mit der letzten Aktientranche der Deutsche Telekom AG eiskalt und sehenden Auges brutal über den Tisch gezogen haben. Und damit das Vermögen vieler kleiner Anleger ordentlich dezimiert wurde. Hätte es noch so etwas wie eines Beweises dazu bedurft, so ist der mit dem Verkauf der T-Mobile USA erbracht worden, die das ganze Ausmaß der Kapitalvernichtung offenbar gemacht hat. Und so kann ich den Zorn der Kleinanleger sehr gut verstehen, die das nicht vergessen haben und mächtig sauer sind. Immer noch. Und immer noch zu Recht. Auch und gerade weil der Telekom Prozess wie das Hornberger Schießen ausgehen wird.
So ist es wohl auch zu verstehen, dass zahlreiche Politiker (sie wissen schon warum) in der Finanzkrise Menschen, die Aktien hielten als „Spekulanten“ verunglimpft haben und von Aktien abrieten bzw. die kleinen Leute scharenweise in die groß ausgebreiteten Arme der Banken und Versicherungen trieben, wo sie derzeit wegen der hohen Inflation von 2,6 % und der geringen Verzinsung von maximal 2 bis 2,5 % (wenn überhaupt) auch schon wieder kräftig geschröpft werden. Ohne es zu bemerken. Weil ja am Ende der Jahres scheinbar das Sparvermögen in Form von gutgeschriebenen Zinsen wächst. Wenngleich es in Kaufkrafteinheiten tatsächlich dezimiert wurde.
Übrigens. Eine Anfrage an unsere Verbraucherschutzministerin, warum sie da nicht eingreift, nicht einmal bei Sparkonten, wo für unsere Kinder nur sage und schreibe und gütigerweise +0,25 % Zins gewährt werden (Schande!!!) und sie damit kräftig von Banken abgezockt werden, ist bis heute nicht beantwortet worden. Das wird wohl seine guten Gründe haben. Die Verbindung Bank - Staat ist wohl enger als man denkt. Und darin die junge Generation bzw. die noch nicht Geborenen zu belasten sind beide weltmeisterlich.
Das sieht man auch an den verlustreichen, dahin darbenden Landesbanken, die ja von Politikern nicht nur über den Aufsichtsrat beaufsichtigt werden (sollten), sondern – wie man wohl annehmen muss - in Wirklichkeit auch aus dem Hintergrund heraus gelenkt werden. Und die sich – wie man gestern lesen konnte – ihre Stresstest-Kriterien demnächst wohl selbst aussuchen möchten und wie ich befürchte auch bald werden. Ein unglaublicher Vorgang. Der schlicht nur noch als skandalös zu bezeichnen ist. Die BRD in diesem Zusammenhang als Bananenrepublik zu bezeichnen, ist da noch geschmeichelt.
Aber mit der Kapitalerhöhung der Commerzbank AG wird dem ganzen jetzt noch eins aufgesetzt. Damit haben wir den Gipfel erreicht. In allen Medien und vor allem auch in den staatlich kontrollierten Sendern ARD und ZDF wurde gestern – ja man muss es schon „propagandistisch“ nennen – herausgeplärrt, dass die Commerzbank AG ihre Staatshilfen mit einer Kapitalerhöhung zurückführen wird.
Das wäre an sich ja kein Problem,weil eine Meldung. Wenn, ja wenn die Commerzbank AG dazu nicht einer Kapitalerhöhung bedürfte, die – und jetzt halten Sie sich bitte fest – dass zweieinhalbfache der jetzigen Marktkapitalisierung, also des Wertes, den die Investoren dieser Welt der Bank geben, umfasst. Das haben gestern die Nachrichtensendungen zur Hauptzeit allerdings (bewusst?) unterschlagen. Und damit einen falschen Anschein erweckt. Bleibt hinzuzufügen, dass ich für die Anscheinerweckung, wo ich glaube voll ins Schwarze getroffen zu haben, eine Unterlassungserklärung kassiert habe und blechen musste. Soviel zur Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland anno 2011.
Nur zum Vergleich. Damit Sie sehen, was da für ein Stück aufgeführt werden soll. BMW hat derzeit eine Marktkapitalisierung von etwa 36,2 Mrd. Euro. Was würden Sie wohl sagen, wenn Herr Dr. Reithofer morgen ankündigen würde, dass er 72,4 Mrd. Euro Kapital aufnehmen möchte. Ganz ehrlich. Ich würde mich fragen, ob er noch alle im Stübchen beieinander hätte und den Jungs in den weißen Kitteln, die Jacken mitbringen, wo die Ärmel zusammengenäht sind, Bescheid geben. Da Herr Dr. Reithofer ein intelligenter und kluger Vorstandsvorsitzender ist, wird er seinen Aktionären einen solchen Bullshit wohl nicht zumuten. Obwohl BMW wenigstens noch ein Produkt hat, dass vorzeigbar ist.
Was aber hat die Commerzbank AG?
Ich jedenfalls weis es nicht. Oder ist mir da etwas entgangen. Oder wissen Sie es vielleicht? Für was steht denn diese Bank, die sich bisher außerstande sah, die stillen Einlagen – also unser aller Geld – zu verzinsen? Und die, obwohl sie in der Finanzkrise beinahe selbst die Grätsche gemacht hätte, noch flucks die marode und Riesen-Jahresfehlbeträge schreibende Dresdner Bank AG übernommen und damit die Allianz SE entlastet hat. Wobei ich mich frage, wer denn da im Hintergrund und aus welchem Grund das Drehbuch geschrieben hat?
Aber egal. Um dieser Mogelpackung (ist das noch von unserer Meinungsfreiheit gedeckt?) doch noch zu einem Erfolg zu verhelfen, weil es unserer Regierung schließlich dient, werden auch noch Soffin Einlagen im Wert von 2,75 Mrd. Euro gewandelt. Was nichts anderes als das berühmte Politspiel „Linke Tasche, Rechte Tasche“ ist. Wobei man da noch den Vorteil sehen könnte, dass wir Bürger bzw. die Regierung statt Fremdkapitalgeber jetzt Eigentümer werden.
Mit einer Verwässerung, die sich „Sie“ schreiben wird. Denn allein für jene 2,75 Mrd. Euro müssten wir eigentlich – gemessen an der Marktkapitalisierung – 40 % der Anteile der Commerzbank AG bekommen. Und ich gebe Ihnen Brief und Siegel, dass der Anteil, den die Soffin am Ende hält, weit darunter liegt. Also werden wir Steuerzahler wieder einmal eiskalt abserviert. Zugunsten der Bank.
Und anstatt dass die Deutschen Medien angesichts dieses dreisten Stücks aufschreien, müssen Sie sich einmal die recht zurückhaltenden Überschriften dazu ansehen. Der FAZ ist das nicht einmal einen Kommentar im Wirtschaftsteil wert. Wahrscheinlich weil sie – würde sie ihre normalen Maßstäbe anlegen – einen so scharfen Kommentar abgeben müsste, dass sie möglicherweise bis zum Sankt Nimmerleinstag keine Bankenwerbung mehr bekommen würde.
So kann ich das, was ich dazu denke und auch gerne schreiben würde, leider hier so auch nicht wiedergeben, weil ich sonst wahrscheinlich mit Klagen zugeschüttet werden würde. So bleibt mir am Ende nichts anderes übrig, als mich in diesem ach so freien Land, in dem noch dazu sich Liberale nennende in der Regierung sitzen, mit Selbstzensur zu bescheiden.
Ich möchte aber nicht versäumen – aus lauter Verzweiflung heraus – noch den Vorschlag zu machen, den morgen als freien Mann den Gerichtssaal verlassenden Herrn Markus Fric* in den Vorstand der Commerzbank AG mit aufzunehmen. Auch wüsste ich noch den ein oder anderen Kandidaten mit dem ich es in der Vergangenheit zu tun hatte. So könnte die Commerzbank wenigstens kurzfristig wieder auf die Beine kommen. Wobei ich mich frage, wer den derzeit den Kurs nach oben treibt?
Apropos. Haben Sie irgendeine Warnung von einem Politiker zu dieser Kapitalerhöhung der Commerzbank, die sonst immer gleich wegen „bösem Spekulantentum“ aufschreien, gehört? Wobei es hier wirklich einmal zum Schutze der Anleger gerechtfertigt wäre. Denn die Zahlen, die die Commerzbank erwirtschaften müsste, um das zu rechtfertigen, was sie gerade macht, ist für mich jedenfalls wirklich die reinste Form der Spekulation. Wobei die Frage ist, ob man das noch als Spekulation bezeichnen kann, wenn man auf die Autobahn will und in eine Einbahnstraße fährt?
Dreimal dürfen Sie also raten warum sich keiner von den Damen und Herren zu Wort meldet?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke