Was hat sich denn groß in wirtschaftlicher Hinsicht bei der Commerzbank geändert? Woher diese Euphorie? Man kann immer wieder staunen, mit welcher Leidenschaft Kurszielwünsche hier von einigen ausgesprochen werden. Wunschträume oder doch schon bald Wirklichkeit? Orientiert man Wünsche und Wirklichkeit an den Fakten, so zeigt sich doch folgendes Szenario.
Die Kapitalerhöhung war ein geschickter Tausch von Unter Pari-Hybridanleihen gegen Aktien. Damit hat man sich besser an die neuen Basel III Regeln angenähert. Ferner wirkt sich diese Maßnahme sicherlich günstig auf das Q1 2011 Ergebnis aus. Zu bedenken aber bleibt – die stillen Einlagen des Bundes haben sich dadurch nicht verringert. Es bleibt bei 25% plus 1 Aktie. Es werden weitere Kapitalerhöhungen folgen (müssen), was für die Aktie einen erheblichen Verwässerungseffekt bedeutet. Die Analysten der NordLB stuften deshalb die Aktie von 6 € auf 4,70 € zurück. (Quelle: Analyse vom 13.01.2011/ac/a/d)
Nicht anders urteilen die Analysten von Raymond James Euro Securities. Die Kapitalerhöhung von 626 Mio. EUR mit bis zu 118 Mio. neuen Aktien ersetzen Hybridkapital der Commerzbank, das zunächst in Form von Trust Preferred Securites am Markt von der Credit Suisse zurückgekauft werde. Das Hybridkapital werde so reduziert, da dieses nach den neuen Basel III-Regeln künftig nicht mehr als hartes Kernkapital gelte. Neben weiteren „Baustellen“ des Unternehmens werden die ernsten Probleme der Bank aber nicht gelöst. Es könnten in Zukunft größere Transaktionen kommen, weshalb die Investoren weiterhin vorsichtig agieren werden. Nach deren Einschätzung liegt der „fair value“ bei 6,80 €. (Quelle: Analyse vom 14.01.11/ac/a/d)
Man kann über Analysen und deren Kommentare trefflich streiten. Aber wie sage ich immer - nichts ist so schlecht, dass es nicht für etwas gut ist. Hier zeigen sich zwei Analysten-Einschätzungen, die beide die gleichen Problemfelder sehen und werten, aber den „fair value“ völlig unterschiedlich einschätzen. Somit eröffnet sich hier eine Kurs-Spannweite von mehr als 40%. Da darf man völlig zu Recht fragen, woher sich ein solcher Bewertungsunterschied erklärt.
Aktuell ist es so, dass sich der „fair value“ mehr in Richtung 6 € und mehr bewegt. Aber – es ist aus meiner Sicht gut vorstellbar, dass bei weiteren Kapitalmaßnahmen und damit verbundenen Verwässerungseffekten auch die andere Trendrichtung eingeschlagen wird.
Schau´n mer mal, wie sich die Commerzbank in 2011 entwickelt - nur - Gründe für die von manchen hier offenbarte Euphorie kann ich nicht wirklich sehen.
Die Ausführungen sind nicht als Empfehlungen zu verstehen.
Jeder handelt für sich und auf eigenes Risiko.
An der Börse gehts zu wie im Dschungel - nur die Beute zählt.