Guten Abend Herr Meyer,
mit Interesse las ich Ihren Artikel "BVB-Aktie: Zwischen Klassenerhalt und Kursgewinn - ein Investment nur für wahre Fans!“ www.finanzen.net/nachricht/aktien/...hre-Fans-4175663#comments
dazu hätte ich eine Frage:
Unterstellt wird, die BVB Aktie hätte maßgeblich unter dem sportlichem Misserfolg gelitten. Am Ende der letzten Saison stand der Aktienkurs bei 3,80. Das war im Mai 2014
Nun haben wir die neue Saison und die Aktie steht momentan bei 4,07. Die Aktionäre haben aber eine Dividende erhalten von 10 Cent, also 4,17
Daraus folgt, trotz der gravierenden Misserfolge ist die Aktie von 3,80 in der letzten Saison auf heute 4,07 (4,17) gestiegen. Anscheinend gäbe es da noch ein paar andere Faktoren, warum werden diese nicht benannt? Anscheinend sind diese Faktoren wichtiger als der sportliche Erfolg, daher müsste man diese Faktoren zuallererst nennen, oder etwa nicht?
Wie kann es sein, daß ein ausgewiesener Fachmann wie Sie, die fundamentalen Eckdaten verschweigt und sich nur auf das sportliche bezieht? Das weiß jeder Fussballfan: das nächste Spiel müsse gewonnen werden, Spieler könnten sich verletzen, Spieler dürfen nicht verkauft werden, für einen Gewinn müssten sie aber verkauft werden usw. usw. usw.
Warum nennen Sie nicht einfach die wichtigen Kennzahlen, um dem geneigtem Leser die völlig unverständliche Performance der BVB Aktie zu erklären? Es muss doch einen Grund geben, warum die Aktie trotz des drohenden Abstiegs gestiegen ist?
Hier ein paar Stichpunkte:
- Das Eigenkapital ist u.a. bedingt durch die Kapitalerhöhung von 142,17 Mio. auf 287,42 Mio. Euro gestiegen. Dadurch stieg unmittelbar der Buchwert der Aktie. Der Analyst von Bankhaus Lampe nannte am 23.8.2014 den Buchwert je Aktie noch bei 2,30, dieser hat sich nun auf 3,05 je Aktie erhöht, trotz Verwässerung.
- die stillen Reserven in Form eines werthaltigen Kaders sind extrem deutlich gestiegen. Konnte man für Reus bedingt durch seine vorhandene Ausstiegsklausel nur einen Wert von 25 Mio annehmen, ist dieser nun sprunghaft auf 50 Mio gestiegen, natürlich abzüglich seines bilanzierten Wertes von z.Z. 6,8 Mio am Ende der laufenden Saison.
- die Sponsoren Einnahmen sind sprunghaft gestiegen.Beim Hauptsponsor Evonik sind es nun 20 statt 12 Mio, auf der Jahreshauptversammlung stellte sich heraus, daß die Sponsoren Einnahmen offensichtlich weitgehend unabhängig vom sportlichem Erfolg sind, sie werden im zweistelligem Millionen Bereich steigen, trotz des aktuellen Misserfolges.
- die Mindereinnahmen durch Wegfall der Champions League sind bekannt, dennoch wird man in der nächsten Saison 12 Mio Mehreinnahmen durch die Auslandsvermarktung haben.
- die Kursziele der Analysten sind z.Z. extrem weit entfernt vom tatsächlichem Kurs. Könnte es also sein, daß die aktuelle sportliche Misere bereits über alle Maßen eingepreist ist und daß es schlimmer als Platz 18 nicht mehr kommen kann, die Aktie auf derzeitigem Niveau also eher einen Kauf darstellt? Hauch & Aufhäuser nannte einen fairen Wert der Aktie bei 8 Euro, sowie ein Kursziel bei 7 Euro. Dies natürlich unter der Bedingung, daß man sich erneut für die Champions League qualifizieren würde. Nun wird dies anscheinend nicht erreicht. Aber was konkret bedeutet dies?
Gegenüber dem fairen Wert liegt die Börsenkapitalisierung momentan 368 Millionen niedriger, gegenüber dem Kursziel 276 Millionen weniger. Wieviel verdient man denn in der Champions League? Watzke nannte einen Umsatzrückgang von 40 Millionen. CFO Treß hat bestätigt, daß man auch ohne Champions League einen Gewinn generieren würde. Ist eine niedrigere Börsenkapitalisierung von ca. 300 Mio gerechtfertigt, obwohl man nur 40 Mio weniger Umsatz hat und immer noch einen Gewinn machen würde?
Frage: Was ist an diesen konkreten Zahlen und Aussagen ist Zufall und für den Investor schwer abzuschätzen? Wozu soll ein Investierter sich für Fussball interessieren, wenn von vornherein feststeht, daß man ohne Champions League Gewinne generieren würde? Oder wenn die Analysten trotz der aktuellen Misere beharrlich an dem Kursziel festhalten, wie zuletzt Seydler mit Kursziel 6 Euro?
Was soll sich denn verschlechtern können und wäre an Negativem nicht bereits hinreichend im Kurs abgebildet? Sie schreiben doch selbst, daß ein Abstieg unwahrscheinlich wäre?
Ich hätte es gut gefunden, wenn Sie wenigstens ein paar Kennzahlen aus dem Geschäftsbericht nebenbei erwähnt hätten, ansonsten ist für mich jeder Kommentar zur BVB Aktie wertlos. Eine Dividendenrendite von 2,64% zum Beispiel, obwohl nur die Hälfte des Gewinns ausgeschüttet wurde, obwohl es keine Titel gab, obwohl keine Spieler nennenswert gewinnbringend verkauft wurden. Oder die zuletzt extrem guten Zahlen zum ersten Quartal, aus denen unzweifelhaft hervorging, daß Borussia Dortmund bereits im erstem Quartal fast den kompletten Gewinn den Hauch & Aufhäuser für das Gesamtjahr prognostiziert hat, erreicht hat.
Oder die unverändert gute Personalkosten Quote, die überhaupt die Renditefähigkeit garantiert. 40% der Gehälter sind erfolgsorientiert. Bleibt der Erfolg aus, sinken automatisch die Ausgaben.
Hier die Personalkosten Quote der vergangenen Jahre, ist eine extrem wichtige Kennziffer für jedes normales Unternehmen:
2009/10 45,6%
2010/11 44,4%
2011/12 42,3%
2012/13 41,9%
2013/14 42,1%
Gegenüber den Meisterjahren ist die Personalkosten Quote also gesunken. Fakt ist, daß die Renditefähigkeit Ex-Transfers erheblich gestiegen ist. Sportlicher Erfolg?? Den hatten wir bei der Meisterschaft 2011. Dort hätte es ohne Spieler Verkäufe aber einen Verlust gegeben. Der Gewinn beim Double wäre Ex-Transfers äußerst bescheiden gewesen. Folglich sahen die Analsten zu diesem Zeitpunkt nur eine Halteposition.
Sie unterstellen sportlicher Erfolg wäre das entscheidende Kriterium. Aber sowohl die Performance der BVB Aktie als auch die den zugrunde liegenden Kennziffern sagen etwas anderes.
Keine Frage, stünde Borussia Dortmund jetzt auf Platz 1 hätten wir einen deutlich höheren Aktienkurs, wesentlich ist aber der Aktienkurs der Vorsaison, da hat man sich trotz des Misserfolges klar verbessert. Aus Gründen. Diese hätten sie benennen müssen. Es unterliegt eben nicht dem umkalkulierbarem Zufallsprinzip, welches nur der Fussballbegeisterte verstehen könnte. Wesentlich ist wie bei jeder anderen Aktie auch, der kalkulierte Umsatz, die langjährige Umsatzentwicklung, der mögliche Gewinn und die mögliche Dividendenrendite.
Deswegen hat Manchester United einen Wert von über zwei Milliarden und die Aktie von Manchester United kracht nicht zusammen, weil man mal ein Jahr nicht Champions League spielt, so wie es gerade jetzt der Fall ist.
Mit freundlichen Grüßen,
xxx