Droht jetzt die Insolvenz?
Von Marcus Bark
Am Freitag (08.10.04) werden die miserablen Zahlen des Geschäftsjahres 2003/04 offiziell auf den Tisch gelegt. Fußballbundesligist Borussia Dortmund, das ist schon bekannt, hat in zwölf Monaten einen Verlust von knapp 67 Millionen Euro eingefahren. Die Verbindlichkeiten belaufen sich geschätzt auf 150 Millionen Euro.
Schwere Zeiten für Michael Meier (li.) und Dr. Gerd Niebaum
Da drängt sich die Frage auf, ob der einzige deutsche börsennotierte Fußballverein die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten wird. Oder wo die hunderte von Millionen Euro geblieben sind, die in den vergangenen Jahren auf die Konten des sechsfachen Deutschen Meisters wanderten.
sport.ARD.de hat Banken-Experten und Vertreter von Aktionären die Fragen gestellt, die nicht nur die Fans der Schwarz-Gelben bewegen. Für den Verein werden die Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), Dr. Gerd Niebaum und Michael Meier, am Freitag während der Bilanzpressekonferenz mehr zu den Zahlen sagen dürfen und erläutern, wie sie den Karren aus dem Dreck ziehen wollen.
Wo ist das Geld geblieben? Zur Erklärung: Der BVB hat im Jahr 2000 etwa 130 Millionen Euro an der Börse verdient. Hinzu kamen TV-Erlöse, Verkauf des Stadions (75,4 Millionen), Verkauf der goool.de-Namensrechte an den Gerling-Konzern (20 Millionen), Zuschauereinnahmen (höchster Schnitt in Europa), Sponsorenerlöse und kleinere Beträge.
Stefan ten Doornkaat, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) ist ratlos: " Das weiß wirklich niemand, wo das Geld geblieben ist. Außer Niebaum und Meier. Es ist natürlich einiges in Spieler geflossen, sowohl was Transfersummen als auch Gehälter angeht. Dazu kommt das ehrgeizige Projekt des Stadionausbaus." Michael Meier empfahl vor Monaten seinem Spieler Dede, der genau die gleiche Frage stellte: " Da sollen die Spieler mal auf ihre Konten gucken." Ein Bankenexperte, der nicht genannt werden will, sagte: " Es gab in den vergangenen Jahren eine dramatische Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben."
Manager Michael Meier im Interview
[wdr; 03.10.04] Droht die Insolvenz? BVB-Manager Meier fasst sich kurz: " Nein." Ten Doornkaat weist auf zwei mögliche Formen der Insolvenz hin: " Eine Überschuldung sehe ich im Moment nicht. Bei der Zahlungsunfähigkeit weiß ich es nicht, das hängt von der Liquiditätslage ab." Der Banken-Experte sagt: " Von einer Insolvenz sind die weit entfernt."
Das Westfalenstadion soll zurückgekauft werden.
Wer trägt die Schuld am finanziellen Desaster? Da gibt es für ten Doornkaat nur zwei Personen: " Die Geschäftsführer Niebaum und Meier. Wenn ich mir ansehe, was die in der Vergangenheit veranstaltet haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie das Schiff wieder flott kriegen."
Meier und auch Niebaum haben schon häufiger Fehler eingeräumt, wiesen aber zugleich auf die " schwierigen Umstände" hin, womit die Kirch-Krise, der zusammengebrochene Transfermarkt und die verpasste Qualifikation zur Champions League in der vergangenen Saison in erster Linie gemeint waren.
Was ist zur Konsolidierung nötig? Ten Dornkaat: " Kosten senken an allen Ecken und Enden. Sparen, Schulden abbauen." Für Meier hat dieser Prozess bereits begonnen: " Wir haben das Gehaltsvolumen innerhalb eines Jahres von 59 auf etwa 33 Millionen Euro gesenkt. Das soll uns erst einmal einer nachmachen."
Können Niebaum und Meier haftbar gemacht werden?
Rechtsanwalt ten Doornkaat sagt: " Zu einer Haftung der Geschäftsführer kann es nur in ganz engen rechtlichen Grenzen kommen. Der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger, dem ich nicht angehöre, prüft derzeit rechtliche Schritte gegen Niebaum und Meier."
Borussia Dortmund und die Finanzen
[wdr2; 06.10.04] Was passiert mit der Schechter-Anleihe? Meier spricht seit Weihnachten 2003, als die Finanzkrise öffentlich bekannt wurde, davon, dass der Verein eine Anleihe des Investmentbankers Stephen Schechter in Höhe von etwa 120 Millionen Euro prüfe. Vieles deutet daraufhin, dass der BVB das Geld bekommen wird. Er will damit unter anderem, so deutete Niebaum an, das Westfalenstadion zurückkaufen, für das er bis 2017 ansonsten jährlich etwa 15 Millionen Euro aufwenden müsse. Außerdem sollen Kredite getilgt werden. Ein Banken-Experte spricht von einer " eventuell sinnvollen Umschuldung. Die Anleihe birgt aber enorme Risiken, was die Zukunft angeht. Man ist zu hohen Einnahmen verdammt."
Stand: 07.10.2004, 14:41 Uhr
Von hier :
http://sport.ard.de/sp/fussball/news200410/08/bvb_bilanz.jht...



