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Der USA Bären-Thread


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Kicky:

EIRNA-Studie Hyperinflation und Weltfinanzkrise

3
31.01.09 09:30
Zitat aus dem Forum bei Goldseiten :aus der kostenpflichtigen EIRNA-Studie "Hyperinflation und Weltfinanzkrise". Die 115seitige Studie stammt aus dem Februar 2001, ist allerdings vom Inhalt nach wie vor aktuell. Es gibt eine sehr fundierte Analyse der Situation. Seit 2001 sind wir allerdings wieder ein paar Schritte weiter und alle Indikatoren sprechen für eine Hyperinflation, die aber dieses Mal von ihrer Dimension deutlich größer werden könnte als wir es bisher erlebt haben:

   * enorme Verschuldung des US-Staats
   * Verschuldung der US-Unternehmen lag 2001 bei über 45 % der US-BIP !
   * Auf jeden Dollar nominellen Wirtschaftswachstum kommen über 4 Dollar zusätzliche Schulden !
   * Die Verschuldung der privaten Haushalte (Kreditexplosion !) liegt mittlerweile bei über 100 % des Einkommens bei gleichzeitigem vollständigen Zusammenbruch der privaten Ersparnisbildung. Der Anteil der zweitklassigen Hypotheken an Kreditnehmer mit einer geringeren Kreditwürdigkeit lag 2000 schon bei über 10 %.
   * steigende Immobilienpreise
   * massives Handelsbilanzdefizit mit > 50 Mrd. Dollar je Monat
   * schwindendenes Vertrauen in den Dollar

Die Konsequenzen werden erschreckend sein:

   * Crash der amerikanischen Anleihen-, Aktien- sowie Immobilienmärkte
   * Zusammenbruch von Junkbonds (> 500 Mrd. Dollar im Umlauf in 2001)
   * massive Verarmung der Amerikaner und zusätzlich größerer Vermögensverlust aufgrund der in Aktien/Anleihen angelegten Pensionsfonds
   * massive Konsequenzen für die Weltwirtschaft, u.a.

     - Wegbruch des amerikanischen Markts (einige asiatische Staaten haben einen Exportanteil von über 25-40 % in die USA !) und Auswirkungen auf deren Wirtschaft / Währungen
     - massive Verluste durch den immer wertloser werdenden Dollar
     - Erhöhung der Ölpreise, um dem schwachen Dollar auszugleichen
     - ...

Ich gehe davon aus, dass wir uns derzeit schon in der zweiten Phase befinden und nächstes Jahr die dritte Phase haben. Die neuen Instrumente wie Hedgefonds sind in diesem Umfeld eher als Turboeffekte zu sehen, die alles noch beschleunigen werden, wenn der Zug einmal in Fahrt gekommen ist.
www.goldseitenforum.de/index.php?page=Thread&threadID=852 F
allerdings Frau Helga Zepp-Larouche www.eirna.com/html/reports/speciald.htm
eine wohl etwas fragwürdige Quelle  de.wikipedia.org/wiki/Helga_Zepp-LaRouche
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Malko07:

Meine Lageanalyse

 
31.01.09 10:56

für alle, die auf mittelfristige Sicht jetzt einsteigen wollen. Sozusagen das übliche Wort zum Sonntag    ;o)

www.ariva.de/Frueher_konnte_man_t348181

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Malko07:

Zur Hyperinflation:

10
31.01.09 11:06
Ein Zusammenbrechen von Verschuldungen führt auf die eine oder andere Art zur Bereinigung (Liquidität löst sich wieder auf) und nicht zwanghaft zu einer höheren Inflation. Solange es Waren und Dienstleistungen im Überangebot gibt, steigen auch nicht die Preise. Die Wahrscheinlichkeit ist eher dass sie fallen. Da kann noch "soviel" scheinbares Geld existieren. Die Volkswirtschaftler bezeichnen ein derartiges Szenario: Die Pferde wollen nicht saufen.

Den Unsinn den die Monetaristen der Zentralbanken mit den Zinssenkungen veranstaltet haben, hat nicht gewirkt. Den Unsinn den die Monetaristen der Goldseiten verbreiten ist auch nicht besser. Geld und die Welt sind etwas komplizierter.
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permanent:

Zur Hyperinflation:

18
31.01.09 11:39

Die Notenbanken stecken in der Liquiditätsfalle. So lange wie die Geldmenge ausgeweitet wird, die Umlaufgeschwindigkeit im gleichen Maße jedoch sinkt werden wir keine Hyperinflation sehen.

Irgendwann wird die Angebotsseite bereinigt sein, die Geldmenge weiter steigen und die Umlaufgeschwindigkeit anziehen. Dann haben wir den Zeitpunkt erreicht um in die inflationäre Phase überzugehen. Den Regierungen und Notenbanken bleibt bei dem heutigen Schuldenstand keine andere Wahl als auf diesen Punkt hinzuarbeiten. Ackerland ist in diesem Umfeld keine schlechte Wahl.

Gruß

Permanent

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permanent:

update Bankenpleiten USA

6
31.01.09 11:50

Finanzkrise

 

Zwei weitere US-Bankpleiten

 

Die Serie von US-Bankenpleiten geht im neuen Jahr ungebrochen weiter. Als Nummer vier und fünf seit Jahresbeginn traf es nun zwei kleinere Banken in den US-Bundesstaaten Utah und Florida.

 

 
Das teilte die staatliche Einlagensicherung FDIC (Federal Deposit Insurance Corp.) am Freitagabend (Ortszeit) mit. Für die gescheiterte Magnet Bank in Salt Lake City (Utah) mit einer Bilanzsumme von knapp 293 Mio. Dollar habe sich anders als in den meisten bisherigen Fällen kein Käufer gefunden. Die FDIC geht aber davon aus, dass über sie die Einlagen aller Kunden abgesichert sind. Mit der Auszahlung der Gelder werde bereits an diesem Montag begonnen.

Die Einlagen der ebenfalls zusammengebrochenen Ocala National Bank in Ocala (Florida) gehen den Angaben nach an die Konkurrentin CenterState Bank Florida. Die Kundengelder sind so ebenfalls gesichert. Das Institut hatte eine Bilanzsumme von knapp 224 Mio. Dollar. Einen Teil der Bank übernimmt auch die FDIC selbst zur weiteren Abwicklung.

Im Jahr 2008 waren in Folge der Finanzkrise insgesamt 25 US- Geschäftsbanken zusammengebrochen. 2007 waren es dagegen lediglich drei Institute gewesen.

Der bislang grösste Banken-Zusammenbruch der US-Geschichte war Ende September vergangenen Jahres die Pleite der einst führenden US- Sparkasse Washington Mutual mit einer Bilanzsumme von mehr als 300 Mrd. Dollar.

Quelle: SDA/ATS

 
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pfeifenlümmel:

Wetten dass

4
31.01.09 12:13
die Lebensversicherungen Probleme bekommen?! Früher wurden Schuldscheine gekauft , zwar mit geringer Rendite, dafür aber sicher. Wenn man aber stattdessen Derivate ( strukturierte Produkte, Strukturen ) kauft, also Wetten darauf, hängt der Erfolgvon zwei Dingen ab: Wie sicher ist der Emittent ( Lehman lässt grüßen)? Wie entwickelt sich der Zinssatz( langfristig gegen kurzfristig)?
Die langfristigen Zinsen sind stark gefallen gegenüber den kurzfristigen ( inverse Zinsstruktur ).  Nicht ideal für die Lebensversicherer!
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Malko07:

pfeifenlümmel (#37431): Die niedrigen

3
31.01.09 12:27

Renditen werden den Kapitallebensversicherern Probleme bereiten. Aber eine inverse Zinsstruktur sehe ich nicht:

Bundesanleihen:

Restlaufzeit in Jahren12345678910
Rendite in %1,211,631,992,282,532,732,903,073,243,39
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pfeifenlümmel:

Anleihen laufen auseinander

 
31.01.09 13:36
Der USA Bären-Thread 213716
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pfeifenlümmel:

zu # 37431

2
31.01.09 13:56
Werden die Schwierigkeiten der Lebensversicherer offenkundig, kommt das nächste Problem: Die Einzahlungen gehen massiv zurück. Die Auszahlungen bleiben aber!
Eine inverse Zinsstruktur bei Bundesanleihen haben wir nicht. Allerdings hat sich das Verhältnis der Zinsen ( s. o. ) zwischen Langläufern und kürzeren Laufzeiten verändert. Außerdem bieten  Firmenanleihen in dieser Zeit der Verunsicherung einen wesentlich höheren Zinsatz.
Lustig ist die verstärkte Werbung für Bundesanleihen mit einer fehlsichtigen Schildkröte ( nur halbblinde Kröten kaufen Bundesanleihen? ). Schließlich müssen die Konjunkturpakete ja finanziert werden.
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Eidgenosse:

Ein Video zur US Bad-Bank

 
31.01.09 14:02
Der Ökonom spricht hochdeutsch.
www.cash.ch/news/top_stories/...bank_als_heilmittel-712275-771
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permanent:

Yen: Das Leid der ungeahnten Stärke

6
31.01.09 14:08

Yen: Das Leid der ungeahnten Stärke

31.01.2009 , 10:00 Uhr von Finn Mayer-Kuckuk

Als der Yen plötzlich in die Höhe schoss, blieben die Anleger auf hohen Verlusten sitzen. Die durch die Anlagestrategie „Carry-Trade“ in Gang gesetzte Abwärtsspirale des Yen fand durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ein jähes Ende. Investoren gehen weniger Risiken ein, die japanische Währung strebt einem Langzeithoch entgegen. Artikel

Antworten
wawidu:

SPX weekly

11
31.01.09 16:32
Das Fazit des Januar: vier Wochen mit jeweils tieferen Schlusskursen und recht ordentlichen Volumina, zuletzt eine rote Kerze mit ultralangem Docht nach zwei roten mit langen Lunten und ein Scheitern an MA 15. Das sieht mir noch nicht einmal im Ansatz nach potenzieller Rallye aus.
(Verkleinert auf 90%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 213729
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permanent:

Warten auf die Emissionswelle

8
31.01.09 16:40

Am Primärmarkt für europäische Staatsanleihen wird es in der kommenden Woche

zum ersten Mal in diesem Jahr etwas ruhiger zugehen. Lediglich am Donnerstag stehen

Aufstockungen auf dem Programm. Aus Spanien rechnen wir mit 2,5 bis 3 Mrd.

EUR in der 5-jährigen BONO. Am selben Tag stockt Frankreich drei langlaufende

OATs über insgesamt 6 bis 7 Mrd. EUR auf, so dass knapp unter 10 Mrd. EUR neuer

langfristiger Schulden platziert werden. Die Fälligkeiten (16,4 Mrd. EUR) und Kuponzahlungen

(9,5 Mrd. EUR) kommen fast ausschließlich aus Italien. Die Inanspruchnahme

des Geldmarktes durch die europäischen Schatzämter bleibt mit knapp 18

Mrd. EUR ebenfalls weit hinter den 36 Mrd. EUR der Vorwoche zurück. Das gilt auch

für die Fälligkeiten, die sich auf 6 Mrd. EUR belaufen, nachdem es in dieser Woche 32

Mrd. EUR waren. Die Mittelaufnahme der Staaten der Eurozone seit Jahresanfang war

mit 85,5 Mrd. EUR sogar unterdurchschnittlich, besonders vor dem Hintergrund, dass

bis zu 810 Mrd. EUR im Gesamtjahr abzusetzen sind. Damit wird ein hohes Angebot in den nächsten Monaten unausweichlich.

HSBC Trinkaus

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Anti Lemming:

Postbank - Geldvernichtung nun auch physisch

5
31.01.09 17:46

FTD

"Unachtsamkeit"
Postbank verschrottet Bargeld

Gäbe es einen Preis für die dümmste Bank Deutschlands, wäre nicht nur die KfW mit ihrer Millionenüberweisung an die Pleitebank Lehman Brothers ein würdiger Aspirant. Auch die Postbank reiht sich in die Bewerberliste ein.



Die Postbank hat versehentlich einen mit 170.000 Euro gefüllten Tresor verschrotten lassen. Arbeiter im Elektrostahlwerk Hennigsdorf bei Berlin trauten ihren Augen nicht: Beim Entladen eines Schrotttransporters seien ihnen plötzlich Geldscheine entgegengeflattert, berichtete der "Hennigsdorfer Generalanzeiger" am Freitag. Der unglaubliche Fund datiere bereits vom 14. Januar.

Die Bankangestellten hatten zunächst einen Diebstahl vermutet und sie alarmierten die Kriminalpolizei. Diese habe festgestellt, dass keine Straftat vorliege, sagte ein Polizeisprecher dem Blatt. Wie es zu dem Versehen kommen konnte, erklärte die Postbank mit der Unachtsamkeit eines Mitarbeiters beim Umzug einer Filiale. Der Tresor sei vor der Übergabe an die Entsorgungsfirma nicht vollständig geleert worden.

www.ftd.de/politik/deutschland/...chrottet-Bargeld/468070.html

Antworten
Reinyboy:

Hohes Angebot in den nächsten Monaten??

2
31.01.09 17:52

Quatsch, im Januar 85,5Mrd mal 12 Monate = 1026 Mrd.

 Die Mittelaufnahme der Staaten der Eurozone seit Jahresanfang war mit 85,5 Mrd. EUR sogar unterdurchschnittlich, besonders vor dem Hintergrund, dass bis zu 810 Mrd. EUR im Gesamtjahr abzusetzen sind.

Damit wird ein hohes Angebot in den nächsten Monaten unausweichlich. (?????)

Je genauer du planst, umso härter trifft dich der Zufall
Antworten
permanent:

@Reinyboy

2
31.01.09 18:03
Wieso?

Quatsch?

Immer Y/Y somit einfach Januar 2008 mit Januar 2009 vergleichen. Hier ergibt sich eine verringerte Emissionstätigkeit im Januar. Wenn du Zahlen von Einfamilienbauten vergleichst nimmst du doch auch immer Jahresvergleiche oder nimmst du einen Mittelwert?

Gruß

Permanent
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bellmonte:

Politiker wissen, dass die Lage schlimmer ist,

10
31.01.09 19:22
Wirtschaftskrise in Deutschland
Jetzt mal ehrlich
Von Marc Brost und Bernd Ulrich | © DIE ZEIT, 29.01.2009 Nr. 06

Schlagworte: Finanzkrise
Neues aus der Krise: Die Politiker wissen, dass die Lage schlimmer ist, als das Volk glaubt. Aber zugeben wollen sie es nicht. Es ist Zeit, alle Karten auf den Tisch zu legen.

Am 8. Oktober 2008 war die Krise noch jung, man möchte fast sagen: unschuldig. An jenem Mittwochabend luden die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister die Chefs der wichtigsten Zeitungen ins Kanzleramt, um ihnen eine Botschaft zu übermitteln. Die lautete: Wir wissen zwar nicht genau, was in zwei oder drei Wochen ist, aber würden doch sehr herzlich um Ihr Vertrauen bitten und vor allem darum, dass Sie keine schlechte Stimmung machen, denn dazu ist die Lage zu ernst.

Die beiden trugen ihr Ansinnen auf beinahe schüchterne Weise vor, wahrscheinlich wussten sie, wie brüchig ihr Konzept war: den Banken einen Schirm aufspannen, ein kleines Konjunkturprogramm auflegen und den Menschen keine Angst machen, auf dass sie schön einkaufen gehen. Funktioniert hat immerhin das Letzte: Die Deutschen blieben cool und kauften zu Weihnachten wie üblich viel mehr, als sie brauchten. Ob das nun an den Zeitungen lag, sei dahingestellt, doch konnte man damals an die patriarchalische Vision glauben, dass die Eliten dem Volk nicht alles sagen – um es, mit Scheuklappen versehen, rasch durch die Krise zu führen.

Es ist zweifelhaft, ob diese patriarchalische Vision in einer demokratischen und transparenten Gesellschaft wie unserer je Sinn hatte. Sicher ist: Diese Phase der Krise ist vorbei. Die vertrauliche Äußerung eines Spitzenmannes der SPD bringt es auf den Punkt. Die Stimmung, meint er, ist besser als die Lage. Er sagt es mit Sorge, weil er fürchtet, die Leute seien zu wenig vorbereitet auf das, was bevorsteht.

Am Dienstag dieser Woche hat die Regierung bereits das zweite, noch größere Konjunkturpaket verabschiedet, während sich die zweite Welle der Bankenkrise gerade gewaltig auftürmt. Spätestens im März wird Deutschland voll von der Wirtschaftskrise erfasst, dann werden sich die Firmenpleiten häufen und die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Leute ahnen das, ihnen schwant, dass die Regierung keinen rechten Plan hat, so wenig übrigens wie die Zeitungen.

Die Wahrheit drückt sich durch. Darum wird das Land nicht mehr aus der Krise kommen, indem viele nicht alles wissen, sondern eher dadurch, dass alle alles wissen, was man wissen kann. Es ist an der Zeit, alle Karten, auch die gezinkten, auf den Tisch zu legen. Was ist die Natur der Krise, was wissen die Politiker, die Banker und die Experten, was sind die Motive ihres Handelns?

1. Diese Krise ist ohne Beispiel
Niemals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die komplette Weltwirtschaft im Abschwung. Das ist neu und hat mit der enorm gewachsenen wirtschaftlichen Verflechtung der Welt zu tun – und mit der mentalen. Es gibt eine Weltwirtschaft, es gibt aber auch ein Weltgefühl, und dieses Gefühl sagt Milliarden Menschen zurzeit: Vorsicht! Damit verschärfen sie die Krise, vor der sie sich wegzuducken versuchen.

Die Krise verläuft rasend schnell, verändert dabei unablässig ihre Gestalt und wirft ihre eigenen Regeln über den Haufen. Man sieht das zum Beispiel an Thomas Oppermann, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD. Er begründete die etwas langwierige Arbeit der Regierung am zweiten Konjunkturpaket damit, dass man ja nur noch einen Schuss frei habe. Nun aber braucht man womöglich einen zweiten Schuss. Und danach einen dritten.

Auch die Regeln der Wirtschaftsforscher gelten nicht mehr, ihre Prognosemodelle versagen. Noch im Oktober sah Klaus Zimmermann, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), "keine Anzeichen für eine Rezession"; Anfang Dezember sagte er, dass "das Konjunkturklima nach wie vor gut" sei; seit Januar nun erwartet das DIW "eine tiefe Rezession". Was sagt er als Nächstes?

Und da ist noch ein dritter Aspekt dieser Krise – ihre unglaubliche Dimension. Niemand weiß, wie viele Milliarden die Banken weltweit noch abschreiben müssen, wie viele vergiftete Wertpapiere in ihren Tresoren liegen. Schon jetzt übersteigt das Volumen alle Vorstellungen. Auf 3,6 Billionen Dollar schätzt der US-Ökonom Nouriel Roubini die Verluste des globalen Finanzsektors; die Hälfte davon soll in den USA anfallen, der Großteil der anderen Hälfte in Europa. Nur zum Vergleich: Das gesamte Kapital der US-Banken beträgt 1,4 Billionen Dollar – sie allein könnten die Verluste also nicht stemmen. All das sprengt unsere bisherigen Maßstäbe. Zerbrochen liegen sie am Wegesrand.

2. Das Ende ist noch lange nicht in Sicht
So wächst die Furcht vor einer Wiederholung der Geschehnisse der zwanziger Jahre, vor Hyperinflation, radikalen Währungsreformen, Staatsbankrott. Kaum jemand wagt diesen Gedanken offen auszusprechen, aber immer wieder hört man in Gesprächen derzeit eine Frage: Was, wenn es nicht mehr darum geht, ob einzelne Banken »too big to fail« sind – also zu groß, als dass man sie pleitegehen lassen könnte? Was, wenn das ganze Finanzsystem "too big to save" ist – also nicht mal mehr Staaten die Wirtschaft stabilisieren könnten?

Man mag sich dieses Szenario kaum vorstellen: Die Banken würden verstaatlicht, und dennoch würde den Unternehmen das Geld ausgehen. Ganze Industriezweige brächen zusammen, die Arbeitslosigkeit würde steigen – weit über 5 Millionen Menschen allein in Deutschland. In der Euro-Zone müssten Länder wie Deutschland oder Österreich den Pleitekandidaten Spanien oder Irland beispringen – um den Preis, dass überall die Verschuldung eskalierte, womöglich bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.Natürlich ist das ein extremes Szenario, der Worst Case. Aber mit jedem Tag, an dem sich die Krise weiter ausbreitet, wächst auch die Ungewissheit über den Ausgang des Ganzen.

3. Die Krise entwickelt sich schneller, als die Politik reagieren kann
Noch im November war die meistdiskutierte Frage, ob die Große Koalition genug zur Rettung der Konjunktur tue. Die Regierung hatte das erste Konjunkturpaket verabschiedet und war sich ziemlich sicher, für den drohenden Abschwung gerüstet zu sein. Heute, gerade mal zwei Monate später, geht es längst nicht mehr um die Konjunktur, um ein paar Viertelprozentpunkte Wachstum weniger oder nicht. Auf einmal geht es um Entscheidungen, von denen noch vor zwei Monaten niemand ernsthaft glaubte, sie je treffen zu müssen. Reichen 100 Milliarden Euro an Bürgschaften noch aus, um bedrohte Industrieunternehmen vor dem Kollaps zu bewahren? Wo ist die Grenze staatlichen Handelns? Gibt es eine Grenze?

Wahrscheinlich hat noch nie zuvor eine deutsche Regierung in so kurzer Zeit so viel Expertise eingeholt, wie es diese in den vergangenen Monaten getan hat. Man muss sich das Krisenmanagement als eine endlose Reihe von Gesprächen mit Ökonomen, Bankern, Lobbyisten und internationalen Spitzenbeamten vorstellen, auch als ein nicht enden wollendes Telefongespräch der Kanzlerin mit Gordon Brown, Nicolas Sarkozy, Barack Obama und, und, und.

Alles vorhandene Wissen wird gesammelt, doch die Resultate sind mager. Und so gehört es zwar zur politischen Routine, dass der Wirtschaftsminister zu Beginn eines Jahres eine konkrete Wachstumsprognose abgibt. Aber es wirkt doch ungewollt hilflos, wenn Michael Glos das voraussichtliche Wirtschaftswachstum auf zwei Stellen hinter dem Komma genau beziffert – auf minus 2,25 Prozent. Tatsächlich kann Glos sich nicht einmal bei der Zahl vor dem Komma sicher sein. Auf die kommt man nur, wenn die Konjunkturpakete der Regierung eine größere Wirkung haben als alle Konjunkturpakete der Vergangenheit. Sonst könnten es minus drei Prozent werden. Oder minus vier. Aber auch das ist Spekulation.

4. Die erste Ursache ist nicht die ganze Lösung
Wenn Experten versagen, dann hört man auf die Intuition. Die sagt uns, in einer so verworrenen Situation das Einfachste zu tun: also zurück an den Ausgangspunkt des Ganzen zu gehen, an die Wurzel allen Übels, und dort das Problem zu lösen. Diesmal aber funktioniert das nicht. Man merkt das schon, wenn man nach dem einen Ausgangspunkt der Krise forscht. Es war eben nicht nur die riesige Spekulationswelle am amerikanischen Häusermarkt. Es waren eben nicht nur gierige Investmentbanker, die Ramschkredite als hochrentable Wertpapiere verkauften. Es waren nicht nur Hedgefonds, die sich in Japan billiges Geld liehen und es in den USA oder Europa anlegten. Und es waren eben nicht nur die Chinesen, die jeden Tag US-Staatsanleihen im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar kauften und damit den amerikanischen Schuldenberg stabilisierten.

Auch Deutschland hat davon profitiert, dass die USA so sehr über ihre Verhältnisse lebten. Es waren die Amerikaner, die unsere Autos kauften und unsere Maschinen. Insofern sind auch die Deutschen an der Krise beteiligt. Sie waren Exportweltmeister, weil die Amerikaner Schuldenweltmeister waren.

5. Denen, die sich besonders sicher sind, kann man am wenigsten trauen
Für eine kurze Zeit, im Herbst des vergangenen Jahres, war es hilfreich, noch einmal John Maynard Keynes zu lesen: Im Wirtschaftsabschwung, wenn Unternehmen und Privatleute kein Geld mehr ausgeben, kann nur noch der Staat entschlossen gegensteuern. Inzwischen tut er das – aber so massiv und umfassend, dass selbst Keynesianern schwindlig wird.

Keynes mag eine Antwort darauf gehabt haben, wie sich ein Staat gegen die Rezession stemmen kann. Sogar Keynesianer ahnen, dass es den Regierungen schwerfallen wird, die riesigen Schuldenberge, die in dieser beispiellosen Weltrezession angehäuft werden, je wieder abzutragen. Das umgekehrte Problem haben die Ordnungspolitiker, die jahrelang zum Maßhalten mahnten und weniger Staat forderten und die angesichts des schieren Ausmaßes der Krise verstummten. Sie warnen zwar allmählich wieder vor den Spätfolgen der Krise, haben aber nach wie vor kein Rezept, wie ihr jetzt beizukommen ist.

Es liegt etwas zutiefst Beunruhigendes darin, dass sich die Reichweite von Erfahrungswerten und Prinzipien so verringert. Und doch müssen uns jene am meisten irritieren, die am wenigsten irritiert sind. "Die Krise ändert nichts an unserem Konzept", sagt Hermann Otto Solms, Finanzexperte der FDP, und meint damit sein Steuersenkungsprogramm. Wenn aber niedrigere Steuern das richtige Konzept im Aufschwung sind, wie können sie es zugleich im Abschwung sein? Noch dazu in einem Abschwung, der – das bestreitet nicht einmal die FDP – kostspielige Konjunkturprogramme nötig macht? Auch die CSU fordert unablässig niedrigere Steuern, aber natürlich nicht weil sie wüsste, dass das gegen diese Krise helfen würde. Vielmehr glaubt die Partei immer noch, sie habe die Wahl in Bayern verloren, weil die Kanzlerin ihr seinerzeit verwehrte, Steuersenkungen zu versprechen. Die CSU bekämpft also nicht die Krise von morgen, sie versucht immer noch die Wahlen von gestern zu gewinnen.

6. Die Krise wird immer größer, die Politik wird immer kleiner
Weil niemand weiß, wie man der Weltwirtschaftskrise Herr werden soll, wenden sich die Parteien mehr und mehr dem machtpolitischen Kleinklein zu. Da kennt man sich aus. Angela Merkel weiß nicht, ob minimale Steuersenkungen die Konjunktur ankurbeln (sie glaubt es nicht), sie weiß aber ganz sicher, dass eine kleine Steuersenkung den Frieden mit der CSU wiederherstellt. Frank-Walter Steinmeier weiß nicht, ob eine Reichensteuer etwas bringen würde (er glaubt es nicht), aber er weiß ganz sicher, dass er damit die innerparteiliche Linke befrieden kann.

Es ist Wahljahr, aber bisher hat die Weltwirtschaftskrise keinen Einfluss auf die Sonntagsfrage. Wie eingefroren liegen die Parteien genau da, wo sie sich schon vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers befanden. Noch kreiden die Bürger es den Parteien nicht an, wie sie mit der Krise umgehen. Aber noch ist die Krise auch nicht bei den Bürgern angekommen. Es ist diese seltsame Ungleichzeitigkeit, die dazu führt, dass alle Parteien mit dem wichtigsten Thema dieses Jahres noch keinen politischen Profit erzielen können. Also verlegen sie sich auf Nebenschauplätze und drohen hysterisch zu werden.

7. Die Politik hat dem Volk bisher nichts zu sagen
Die Reaktion der Deutschen auf die Krise erstaunt. Schließlich sind wir für die German angst berüchtigt, für die Fähigkeit, uns auch ohne konkrete Gefahr sehr zu fürchten. Doch anders als bei Atomkrieg, Waldsterben oder BSE bleibt die deutsche Angst bisher aus. Das ist schön, wird aber nicht so bleiben. Das Donnergrollen der Krise kommt näher, und bald werden die Leute wissen wollen, was sie tun können, um ihr zu trotzen.

Aber was können sie tun? Bei der letzten Krise zwischen 2001 und 2005 war das noch leicht. Mit der Agenda 2010 hat die rot-grüne Regierung mitgeteilt: Deutschland wird in der Globalisierung abgehängt, wenn sich nicht alle mehr anstrengen und mehr arbeiten. So taten es die Deutschen, und es wurde besser. Diesmal scheint alles unklar: Soll man mehr arbeiten oder sich auf Kurzarbeit einstellen? Soll man Geld ausgeben, um die Binnennachfrage zu stärken, oder lieber sparen, um die Verluste bei der Lebensversicherung auszugleichen? Und wenn wir über unsere Verhältnisse gelebt haben, wie die Kanzlerin sagt, warum macht diese Regierung dann so viele Schulden wie keine vor ihr?

Der Staat verbrennt das Geld der Bürger, um Fehler der Banken auszugleichen. Dieses Handeln mag alternativlos sein, weil die Kosten des Nichthandelns weit größer sein könnten. Aber in alldem liegt auch eine ungeheure Provokation, und es fragt sich, wie lange die Wähler sich das gefallen lassen. Es ist also höchste Zeit, dass die Politik sich etwas einfallen lässt, eine Botschaft, einen Appell, ein Projekt. Die Koalition muss nicht so tun, als hätte sie alles im Griff, sie braucht die Krise auch nicht mehr schönzureden, doch eines kann man von ihr verlangen: dass sie den Bürgern sagt, was sie tun sollen.

Es ist ja nicht so, dass diese Art von politics by trial and error ohne Vorbild wäre. Viel ist in diesen Tagen von der amerikanischen Wirtschaftspolitik unter Franklin D. Roosevelt die Rede und davon, wie entschlossen der damalige Präsident 1933 mit seinem New Deal die Große Depression bekämpfte. Tatsächlich aber war der New Deal kein fest umrissenes Programm, sondern mehr ein politisches Tasten und Suchen, und das über Jahre hinweg. Einige Maßnahmen widersprachen einander sogar. Was Roosevelt jedoch von Anfang an hatte, war eine überzeugende, positive Botschaft: »Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.«

8. Die Krise erzeugt neue Krisen
Die sonstigen Krisen dieser Welt werden keine Pause machen, bis die Weltwirtschaft wieder im Lot ist. Im Gegenteil. Sinkende Rohstoffpreise, der schrumpfende Handel und steigende Staatsschulden werden allerorten die Widersprüche verschärfen. Wenn im Kongo ein Warlord verhaftet wird, in Island die Regierung zerbricht oder in Griechenland Aufstände ausbrechen, so hat all das mit der Wirtschaftskrise zu tun. Was jahrelang mit Geld zugedeckt werden konnte, bricht nun auf.

In China geht das kommunistische Regime davon aus, das Land mit weniger als acht Prozent Wachstum nicht stabil halten zu können. Im letzten Quartal 2008 verzeichnete China aber deutlich weniger. So erzeugt die wirtschaftliche Depression politische Umwälzungen und Konflikte in hoher Zahl und Intensität. Die Menschheit geht durch eine heiße Phase.

9. Vom Erwachsenwerden
Die Menschheit, um einmal in großen Worten zu sprechen, macht eine neue Erfahrung. Es gibt nicht die großen Bösen, die an allem schuld sind, es gibt auch nicht die großen Weisen, die uns aus der Krise führen. Wir erleben stattdessen eine Art globaler Vaterlosigkeit, man könnte es auch Erwachsenwerden nennen. Barack Obama hat in seiner Inaugurationsrede einen schönen Satz gesagt: "Wir bleiben eine junge Nation, aber, in den Worten der Heiligen Schrift, die Zeit ist gekommen, da wir das Kindische ablegen sollten." Er meinte damit die USA. Aber es gilt für alle.
www.zeit.de/2009/06/Ratlosigkeit?page=all
Antworten
CarpeDies:

"Was gerade vor sich geht, ist unvorstellbar"

13
31.01.09 19:24
Harvard-Professor Kenneth Rogoff ist kein Fan der Bad Bank, er fordert radikalere Maßnahmen: Die Verstaatlichung von Banken. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der ehemalige IWF-Chefvolkswirt die Vorteile eines "kontrollierten Konkurses" - und warum sich Europa schneller erholen wird als die USA.

SPIEGEL ONLINE : Herr Rogoff, mit Blick auf die US-Banken macht auf dem Weltwirtschaftsforum schon ein beängstigendes Wort die Runde: Verstaatlichung. Ist das Panikmache?

Podium in Davos: "Europa könnte gestärkt aus dieser Krise hervorgehen"
Rogoff: Nein. Ich glaube, dass es dazu keine saubere Alternative gibt im Moment. Jede Bank, die Hunderte Milliarden Dollar an Staatsgeldern braucht, sollte besser verstaatlicht werden. Man sollte sie restrukturieren und dann den guten Teil schnellstmöglich reprivatisieren. Dieses Vorgehen ist wahrscheinlich bei mehreren großen Banken nötig.

Das Ziel ist nicht die Schaffung von Staatsbanken. Es geht eigentlich um ein Konkursverfahren, das der Staat komplett kontrolliert. In akademischen Zirkeln gibt es auch Vorschläge, bereits bestehende Insolvenzverfahren zu nutzen. Aber das würde fünf Jahre dauern. Das ist zu lange.

SPIEGEL ONLINE: Wie genau würde Ihre Methode aussehen?

Rogoff: Die Anteilseigner der Banken müssten ihre Anteile abgeben…

SPIEGEL ONLINE: …mit oder ohne Entschädigung?

Rogoff: Ohne. Die Top-Player im Management würden gefeuert. Und die Halter von Anleihepapieren würden ein Teil ihres Geldes in Form von Anteilen an dem neuen Institut zurückerhalten - die sie bekommen würden, wenn die Bank wieder privatisiert ist. Wie gesagt: Es ist wichtig, die Banken schnell wieder in private Hände zu geben. Wir sprechen vielleicht nur über Monate, oder über ein bis zwei Jahre.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem klingt das sehr drastisch: Sie wollen die Banken bankrott gehen lassen.

Rogoff: Was ich fordere, ist nicht radikal. Ich würde sogar sagen, dass die Forderung nach solchen Konkursen inzwischen common sense unter Wissenschaftlern ist. Ich weiß, das klingt unvorstellbar. Aber das, was gerade vor sich geht, ist unvorstellbar.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem berichtet das "Wall Street Journal", die Obama-Administration wolle es vorerst mit einem neuen Rettungspaket für die Banken versuchen – unter anderem solle eine sogenannte Bad Bank geschaffen werden, die den Geldinstituten ihre Giftpapiere vorläufig abkauft. Reicht das nicht als erster Schritt?

Rogoff: Mit einer Bad Bank würde man den Banken Tonnen an Steuergeld schenken. Vielleicht 700 oder 800 Milliarden Dollar. Das Problem ist: Das Loch im Finanzsystem ist viel größer. Wenn davon aber nur ein Teil aufgefüllt wird, werden die Banken nicht anfangen, wieder Geld zu verleihen. Zumindest nicht genug. Und darum geht es: Derzeit haben kleine und mittlere Unternehmen große Schwierigkeiten, Geld aufzutreiben.

BAD BANK - NOTANKER FÜR DEN WEG AUS DER KRISE
Die Idee
Die Bad Bank übernimmt ausfallgefährdete Geldanlagen - zum Beispiel Kredite oder Derivate - von einer oder mehreren Banken. Anschließend sorgt sie dafür, dass die auch gern als Gift-Assets bezeichneten Anlagen noch so viel wie möglich am Markt abwerfen. Die Banken können auf diese Weise ihre Bilanzen um die schwer berechenbaren Belastungen bereinigen und so das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückgewinnen. Die Befürworter einer Bad Bank hoffen, so auch den eingefrorenen Interbankenmarkt für Kredite wieder in Fahrt zu bringen.
Beispiel Schweden
Eine Bad Bank kann durchaus segensreiche Wirkung entfalten, das zeigt das Beispiel Schwedens zu Anfang der neunziger Jahre. Damals löste ebenfalls das Platzen einer Immobilienblase eine massive Bankenkrise in dem Land aus. Die Regierung garantierte daraufhin alle Einlagen der Banken, pumpte Milliarden in die Institute - und sie gründete für die zwei größten Krisenfälle Auffanggesellschaften für problematische Kredite und Hypotheken: die Securum.

Das Institut gilt heute noch als Musterbeispiel einer Bad Bank. Zwar musste der Staat den Verwerter mit Milliarden an Kapital ausstatten, doch Securum-Chef Jan Kvarnström gelang es, einen guten Teil über die Abwicklung der Assets wieder hereinzuholen. So verhinderte er etwa die Zwangsversteigerung von mehr als tausend beliehenen Immobilien im In- und Ausland. Teils wurden riskante Kreditpakete und Anlagen auch schlicht noch zu beachtlichen Preisen an Finanzinvestoren verkauft. Die bauten ebenfalls darauf, dass der Marktwert der Ramsch-Assets eines Tages wieder steigen und somit für guten Gewinn sorgen würde.
Beispiel Deutschland
Die Volks- und Raiffeisenbanken gründeten schon Anfang der achtziger Jahre ihre eigene Abwicklungsbank, als die nordrhein-westfälische Hammer Bank in Schwierigkeiten geriet. Die BAG Bankaktiengesellschaft besteht noch heute. "Ihr Partner für Problemkredite!" wirbt sie auf ihrer Internet-Seite. Die Dresdner Bank baute 2003 die "Institutional Restructuring Unit" auf für Risikokredite in Höhe von 35,5 Milliarden Euro. Die Führung der IRU übernahm niemand anders als der einstige Securum-Chef Kvarnström.
Rezept für aktuelle Krise?
Angesichts ausfallgefährdeter Kredite im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar werden die Forderungen nach einer Bad Bank in der aktuellen Finanzkrise immer lauter. Doch Fachleute bezweifeln, ob eine Bad Bank in der derzeitigen Lage noch etwas ausrichten kann.

Das dafür notwendige Kapital würde selbst bei vorsichtigen Schätzungen jeden Rahmen sprengen. Außerdem beschränkt sich die Krise nicht auf einen oder wenige Volkswirtschaften. Sie hat sich vielmehr zu einem weltweiten Flächenband entwickelt. Finanzkräftige und risikobereite Investoren, die einer Bad Bank die notleidenden Anlagen abkaufen könnten, sind deshalb kaum zu finden.

Es ist also zu befürchten, dass die Abwicklung deutlich schleppender verlaufen wird, als bei den früheren Beispielen. Hinzu kommt, dass in der derzeitigen Lage der Wert der einzelnen Papiere praktisch nicht zu ermitteln ist.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie denn, dass Barack Obama tatsächlich derart drastisch vorgehen wird, wie Sie das fordern?

Rogoff: Ich hoffe, dass Obama das Richtige tun wird. Bislang war ich immer optimistisch, habe immer gesagt, das Obama-Team verstehe die Lage und werde entschieden vorgehen. Und dass wir dann – nicht schnell, aber mit der Zeit – den Anfang vom Ende dieser Krise sehen würden. Die Wirtschaftsexperten in Obamas Team sind großartig. Ich bin sicher: Viele raten ihm, entschlossen vorzugehen. Aber ich bin sehr nervös, ob die neue Regierung nicht kalte Füße bekommt. Wir werden sehen.

SPIEGEL ONLINE: An einer Stelle hat Obama doch schon Entschlossenheit demonstriert: Er hat ein 820 Milliarden-Dollar schweres Rettungspaket für die Wirtschaft aufgelegt. Wird das nicht helfen?

Rogoff: Diese Paket ist eine gute Idee und ein Teil der Lösung. Aber das Hauptproblem ist das Finanzsystem. Es gibt keinen Kredit. Das Konjunkturpaket wird deshalb nicht genug sein.

SPIEGEL ONLINE: Sollte Obama Ihre Forderungen umsetzen und die Banken verstaatlichen– wie lange wird es dauern, bis die USA die Krise überwunden haben?

Rogoff: Ein starkes Wachstum werden wir in den USA erst einmal nicht sehen. Wir haben ja nicht nur die Finanzkrise. Die neue Regierung will mehr Einkommensgerechtigkeit, sie will den Umweltschutz verbessern und das Gesundheitssystem. Das sind großartige Ideen. Aber sie sind teuer. Es wird sicher eine Dekade dauern, bis das bewältigt ist. Ich glaube, Europa wird sich schneller erholen als die USA.

SPIEGEL ONLINE: Geht das überhaupt? Sind wir nicht viel zu abhängig von den USA?

Rogoff: Natürlich bestehen Abhängigkeiten, Europa ist ja ebenfalls in der Rezession. Aber Eure Probleme sind nicht so tiefgreifend wie unsere. Sicher: Euer Finanzsystem hat auch viele Probleme. Aber die USA müssen alles von Grund auf neu überdenken.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, diese Krise wird zu einer dauerhaften Verschiebung der ökonomischen Machtverhältnisse auf der Welt führen?

Rogoff: Es gibt keinen Zweifel, dass die ökonomische Bedeutung der USA geringer sein wird. Europa dagegen könnte gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Allerdings nur, wenn den europäischen Regierungen ein gutes Krisenmanagement gelingt.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben sich die Europäischen Regierungen Ihrer Meinung nach bislang geschlagen?

Rogoff: So weit, so gut. Aber wenn die Rezession noch schlimmer wird, wird sich herausstellen, wie gut die europäischen Regierungen kooperieren. Denn Ihr braucht ein gemeinschaftliches Vorgehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie mahnen auch immer wieder eine globale Regulierung der Finanzmärkte an. Aber mal ehrlich: Glauben Sie wirklich, dass die G20 ihre Ankündigung wahrmachen können und im April gemeinsame Regeln für das Weltfinanzsystem finden?

Rogoff: Im April nicht. Natürlich ist noch viel Zeit bis dahin. Aber die G20 sind kein funktionierendes Forum. Sie sind das beste, was wir haben. Aber trotzdem zu chaotisch. Und die Schweiz zum Beispiel, eins der wichtigsten Finanzzentren der Welt, gehört nicht dazu. Deshalb muss die Gruppe sich erst einmal neu aufstellen. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt: Wir brauchen einen globalen Regulierer und wir werden ihn in fünf Jahren haben.

SPIEGEL ONLINE: Warum reichen nationale oder regionale Aufsichtsbehörden, die kooperieren, nicht aus?

Rogoff: Wir leben in einem globalen Finanzmarkt. Wenn die USA den Cowboy-Kapitalismus leben, in dem nichts reguliert ist, fließt alles Geld in die USA. Und der Rest der Welt trägt das Risiko mit. Das genau ist passiert. Nun werden zwar die USA ihre Märkte regulieren, aber vielleicht denkt sich jetzt ein anderes Land: Warum sollen dann nicht wir das ganze Kapital nehmen? Um das zu verhindern, brauchen wie globale Regeln.

Der zweite Punkt ist: Man muss einen zu starken politischen Einfluss auf die Aufsichtsbehörden verhindern. Auf dem Weg zu dieser Krise sind die existierenden Regulierer unter starken politischen Druck geraten, möglichst lax zu agieren. Obwohl viele sehr besorgt waren. Wenn man eine neue unabhängige Institution hätte, mit gewissen regulativen Kompetenzen, würde das helfen.

SPIEGEL ONLINE: Wäre es nicht einfacher, einer der bereits bestehenden internationalen Organisationen diese Aufgabe zu übertragen? Der IWF wird in diesem Zusammenhang oft genannt.

Rogoff: Die existierenden Institutionen sind schlicht nicht richtig aufgebaut für diese Aufgabe. Nicht einmal annähernd. Ich glaube deshalb, es wäre besser, eine neue Institution zu schaffen.

Das Interview führte Anne Seith
Antworten
pfeifenlümmel:

Carpe, Dein Artikel

5
31.01.09 19:50
spricht mir aus dem Herzen. Eine Umkehr ( aus der Misere )  kann ich mir nur vorstellen, wenn die Nadelstreifenaffen, die in den Baumkronen sitzen, verjagt werden. Mit Verantwortungslosigkeit und Gier haben sie es bis hoch in die Kronen geschafft.
Ohne die harte Lösung der Verstaatlichung sitzen die weiterhin oben und richten nur Unheil an.
Antworten
aliasfelli808:

Die aktuelle

 
31.01.09 19:51
Marktphase lässt sich nur so beschreiben:

"LIFE ISNT EASY -  The battle of who care less"
Das Leben ist wie ein Papierflugzeug, sitzt du drin und es regnet dann bist du am Arsch(In Englisch klingt das besser:))
Antworten
bellmonte:

ist die welt noch zu retten

2
31.01.09 19:56
philosophische Quartett mit sloterdijk, die diskussion passt gut in die jetzige zeit!
wstreaming.zdf.de/zdf/veryhigh/080921_komplettsendung_phq.asx

das laden kann dauer,ZDF server ist wohl mikrig!;-)
Antworten
Just1:

oder

 
31.01.09 20:21
es sollen sich die sendung möglichst viele leute nicht ansehen deshalb werden steine in den weg gelegt....
Börse ist nicht 2+2=4
Börse ist -1+5=4

Sozialismus ist die letzte Stufe eines Staates vor dem BANKROTT!

warum braucht man an der börse keine toilette? ... weil hier jeder jeden bescheißt :)
Antworten
metropolis:

Für die Hausmusiker unter euch

 
31.01.09 20:25
Musik aus Aktienkursen (endet meist mit tiefem Bass)

http://www.ariva.de/Melodien_aus_Aktienkurven_t365565
Antworten
Anti Lemming:

Wenn ich mir die heutigen Beiträge durchlese...

15
31.01.09 22:34

insbesondere # 37443 von CarpeDies (Rogoff-Interview) und # 37442 von bellmonte (Zeit-Artikel), dann erleichtert mich, dass die Politiker offenbar beginnen, den Ernst der Lage zu erfassen. Es ist auch denkbar, dass sie ihn vorher schon erfasst hatten - aber zur Vermeidung einer Massenpanik die Rolle der Abwiegler und "Krisen-Beherrscher" spielten. Diese Rolle ist ihnen inzwischen über den Kopf gewachsen. Angesichts der Notwendigkeit, die HRE und womöglich noch weitere deutsche Banken zu verstaatlichen, lässt sich die Abwiegel-Rhetorik nicht mehr aufrechterhalten.

Jetzt wird Tacheles geredet. Und da lautet die Nachricht - unbeschönigt: Das Finanzsystem in USA und weiten Teilen Europas hat abgewirtschaftet und ist de facto pleite. Die von Rogoff angeregte Verstaatlichung der Banken ist nichts anderes als eine systemische Abwicklung. Der Finanzsektor geht sozusagen insgesamt unter Chapter 11. Dafür sprechen auch Rogoffs Vorschläge, dass die bisherigen Anleihen-Halter der Banken - nach der entschädigungslosen Enteignung der jetzigen Aktionäre - bei der irgendwann anstehenden Reprivatisierung (entspricht in USA dem Ausstieg aus Chapter 11) als Kompensation Anteile (d.h. Aktien) an den neuen Instituten erhalten sollen. All dies deckt sich exakt mit dem Prozedere beim amerikanischen Chapter 11.

FAZIT: Das Finanzysystem ist in vielen wichtigen Staaten, darunter USA und GB, pleite und muss verstaatlicht werden. Bailout-Lösungen scheitern laut Rogoff am viel zu großen Volumen der aufgetürmten Schulden.

Handlungs-Empfehlung: Bank-Aktien und Bank-Anleihen verkaufen - auch wenn die Kurse schon im Keller sind. Da muss man retten, was noch zu retten ist. Im Fall einer Verstaatlichung werden Bank-Aktien wertlos.

Antworten
nightfly:

sollte man das so krass

 
01.02.09 03:12
über einen Kamm scheren?
Wird die Deutsche Bank z.B. verstaatlicht werden müssen?
Oder eine ING?
Sollten sich auch die Goldmänner nicht halten können?
Wo steht dann der DAX? so ganz ohne Banken? evtl. höher als jetzt?
...
Wünsche trotzdem einen schönen Sonntag.
nf
Reichtum ist relativ.
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