Gold & Gesellschaft: Der nächste Knall
Die Bundeskanzlerin ist optimistisch in den Sommerurlaub gegangen und hat uns mitgeteilt, dass wir auch nach ihrem Urlaub mit ihr rechnen dürfen: Ob das eine versteckte Drohung war, werden wir demnächst feststellen.
Das ist aber nicht mein heutiges Thema.
Aber auch die anderen Indikatoren scheinen einen langweiligen und ruhigen Sommer zu versprechen. Beispielsweise der IFO-Geschäftsklima-Index, der in Richtung eines Rekordhochs zu tendieren scheint.
Viele sprechen schon von einem Ende der Krise. Auch die Händler an den Börsen. Wenn sie sich da nicht irren sollten.
In China wird, nachdem dort die Aktienblase erheblich Luft verloren hat, in Immobilien spekuliert. Die Wachstums-Zahlen sind dort noch viel gewaltiger als in den Blasen-Ökonomien der westlichen Welt. Wie viel Luft diese Blase noch aufnehmen kann, ist unklar. Interessant ist die Analogie zu der Entwicklung in den Vereinigten Staaten: Dort startete die Krise auch zur Jahrtausend-Wende als eine Aktien-Blase, die ebenfalls kräftig Luft ablassen musste und schließlich durch eine noch viel gewaltigere Immobilien-Blase ersetzt wurde. Da in China aber alle diese Entwicklungen im Zeitraffer-Tempo vonstatten zu gehen scheinen, können wir uns nicht die nächsten zwei bis vier Jahre beruhigt zurücklehnen.
Aber auch der Immobilien-Markt in den USA scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Zwar sind Privat-Immobilien seit Anfang 2007 um durchschnittlich 30 Prozent gefallen, Gewerbe-Immobilien sogar 40 Prozent. Aber eine Preis-Erholung konnten wir seit Ende des letzten Jahres nicht feststellen. Nur eine Boden-Bildung: Das heißt die Preise sind nicht weiter gefallen.
Aber was waren die Gründe dafür: Die halbstaatlichen Immobilien-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wurden nun ganzstaatlich und diejenigen, die eigentlich keinen Kredit mehr bekommen sollten, werden durch eine US-Behörde, die FHA, gesponsert. Die US-Notenbank hat zudem die faulen Hypothekenpapiere in ihre Bilanz genommen, so dass die Banken nicht zum Mittel der Zwangsversteigerung greifen mussten, um liquide zu bleiben. Und dann gab es noch staatliche Hilfen in Form einer Steuersubventionen, wenn sich eine Familie zum Kauf eines Hauses entschließen sollte.
Sind das nicht die besten Voraussetzungen für die nächste Abwärtsphase. Denn die staatlichen Hilfen laufen aus, die FED will nicht weiter die Hypotheken-Papiere aufkaufen und wie lange die neuen Subprime-Finanzierungen halten, weiß auch keiner.
Was die letzten Daten vom US-Immobilienmarkt uns sagen, ist aber überhaupt nicht beruhigend. Denn die Volumina der verkauften Häuser fallen derzeit gewaltig. Und das in diversen Statistiken erfasste Preis-Niveau berücksichtigt nicht die wirklich zustande gekommenen Verkäufe, sondern auch solche Transaktionen, die wegen Stornierungen gar nicht zustande kamen. In diesem Fall wird der Angebotspreis in die Berechnung des hypothetischen Kaufpreises eingerechnet. Nach diversen Schätzungen liegt die Stornierungs-Quote zwischen 20 und 30 Prozent.
Zuerst fallen die Volumina – dann fallen die Preise. Die nächste Abwärtsbewegung, auch als Double Dip bekannt, rollt auf die Vereinigten Staaten zu. Gepaart mit der explosiven China-Mischung droht uns dann ein vielleicht noch heftigerer Test für unser globales Wirtschafts- und Finanzsystem, als wir ihn die letzten zwei Jahre erleben durften. Die Staaten jedenfalls haben ihr Pulver bereits verschossen. Warten wir ab, was den Gelddruckern in den Zentralen der Notenbanken noch so alles einfällt.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Da hat man die letzten Wochen den US-Aktienmarkt auf fast 10.700 Punkte (Dow Jones Industrial Average) hochgetrieben, ohne dass es dafür eigentlich Gründe gebe. Und man hat das Gold gestern zurückgeholt, das einen Ausbruch weit jenseits der Marke von $1.200 gewagt hatte. Heute wurde ein ähnlicher Ausbruchsversuch erneut verhindert.
Warum? Die morgen um 14:30 Uhr MEZ zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktdaten für den Monat Juni lassen nichts Positives vermuten. Auch die US-Treasuries stehen fast auf Rekord-Niveau – beziehungsweise für die sich invers verhaltenden Realzinsen dieser Papiere auf dem Tiefpunkt.
Fallen die Zahlen schlecht aus, dann wird die FED wohl am Dienstag nächster Woche vermeintlich konjunkturell stabilisierende Maßnahmen ergreifen. Zu gut Deutsch: Noch mehr Geld drucken. Das würde den Goldpreis weiter anfeuern, deshalb muss man jetzt dafür sorgen, dass er unter Kontrolle bleibt. Und wenn es funktioniert, dann sogar sinken würde.
Gold stand mit der heutigen Eröffnung der Märkte in Asien unter leichten Abgabedruck. Der Preis pendelte erneut in dem engen Korridor zwischen $1.190 und $1.195. Es sieht so aus, als wenn eine (oder mehrere?) Partei(en) das gelbe Metall unbedingt unterhalb der Marke von $1.200 halten wollen.
Im frühen Londoner Handel verbesserte sich jedoch die Situation von Gold wieder etwas. Der A.M. Fix mit $1.195,50 (EUR 906,03) kam marginal stärker als gestern zur gleichen Zeit zustande. Erneut wurde in den ersten Minuten des Handels an der New Yorker COMEX ein Ausbruchsversuch nach oben probiert. Und erneut scheiterte er knapp an der Marke von $1.200.
Zum P.M. Fix wollte man dann doch nichts dem Zufall lassen und so sank Gold plötzlich auf $1.192,50 (EUR 906,02). Im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix ein Rückgang von sieben Dollar.
Bis zum Ende des Handels stieg Gold dann jedoch sogar über das gestrige Niveau an. Warten wir ab, mit welchen Überraschungen wir im Laufe des morgigen Tages rechnen müssen. Aber es war heute sowieso kein Tag für Edelmetalle, wie man an den Notierungen von Platin und Palladium ablesen konnte.
Der US-Dollarindex gab heute um 0,6 Punkte auf 80,3 nach.
www.bullionaer.de/shop/showZiemann.php/action/latest

"Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen!"
"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)