Aufschwungs-Absteiger
Gehören Sie auch zu den Zweiflern, die den Verheißungen unserer Politiker skeptisch gegenüberstehen: Wenn diese wie eine tibetanische Gebetmühle wiederholen, es gäbe keine Inflation und der Wirtschafts-Aufschwung käme bei den Menschen an.
Wenn ja, dann müssen Sie sich wohl von unseren Kolumnisten, Analysten und Trendforschern ähnlich wie die es beim Thema gescheiterte multikulturelle Gesellschaft nebst Überfremdung durch Denunziation dieser Bürger als sogenannte Globalisierungs-Verlierer bereits getan haben, zukünftig als Aufschwungs-Absteiger beschimpfen lassen.
Wie sollte man auch sonst Menschen bezeichnen, die einen höheren Zuwachs der monatlichen Ausgaben zu verkraften haben, als dies uns das statistische Bundesamt mit jährlichen Preissteigerungs-Raten unterhalb von zwei Prozent weiss machen will?
Oder wie sieht das mit dem Zuwachs des verfügbaren Einkommens aus. Ist dieses nicht wegen des Wirtschafts-Aufschwungs die letzten Monate kräftig gestiegen? Was – Sie stellen auf der Gehaltsabrechnung fest, dass die Einkünfte im Vergleich zum Vorjahr sogar noch etwas gesunken sind. Dann können Sie nur der Gruppe der Aufschwungs-Absteiger angehören.
Vielleicht haben Sie ja wirklich innerhalb eines Jahres eine zweiprozentige Erhöhung ihres Bruttoeinkommens erhalten. Wenn Sie Glück haben, dann sind nach Abzug der Steuer-Progression vielleicht noch 1,5 Prozent dieser Erhöhung als Nettolohn-Zuwachs übrig geblieben.
Besonders eklatant wird aber auf der Ausgaben-Seite manipuliert. Die offizielle Inflations-Statistik strotz nur so von Beschönigungen – und sie schreckt auch nicht vor dreisten Lügen zurück. Die WELT liegt in ihrem gestrigen Artikel Die große Augenwischerei mit der Inflationsrate voll im Trend der offiziellen Zahlenbeschönigerer. Denn was sich beim ersten Lesen als eine Bestätigung der These, dass die gefühlte Inflation höher sei als die amtlich gemeldete, stellt sich bei genaueren Lesen als eine Bestätigung der statistischen Inflationsermittlung heraus. Tenor: Die amtlich erhobene Inflation ist die sachlich korrekte.
Bei genauerer Analyse der Artikels kommen einen dann aber doch Bedenken: Autos wurden zwar etwas teurer, doch gerade mal um 0,2 Prozent, behauptet der Artikel. Moment einmal: Kostet nicht der Golf, der 3er BMW oder die Mercedes E-Klasse mit gleicher Motorisierung heute in etwa zehn Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Wie kommt man so auf eine jährliche Preissteigerung von 0,2 Prozent.
Hier bedienen sich unsere Statistiker zweierlei Tricks. Die erste Methode ist, die Aufwertung der Ausstattung des Fahrzeuges beispielsweise durch neue Sicherheitssysteme oder andere elektronische Gimmicks als wertsteigernd zu bewerten. Besonders eklatant wirkt sich diese Methode der Bewertung bei Computern aus, die alle 18 bis 24 Monate ihre Leistung verdoppeln aber im Preis sich praktisch nicht verändern. Hier wird statistisch angenommen, dass diese Leistungs-Steigerung bei gleichem Preis stark deflationär wirke. Oder anders herum: Der Computer mit 100 Prozent mehr Leistung müsste wesentlich mehr kosten, wie sein Vorgängermodell. Vor 18 Monaten hätte ein solches Modell wirklich anstatt 1.000 Euro noch 1.500 Euro gekostet. Da er aber immer noch den gleichen Preis hat (EUR 1.000), wird entsprechend des Leistungsgewinns eine statistische Preissenkung kalkuliert. In dem o.g. Beispiel wären das circa 20 Prozent pro Jahr. Deshalb sehen wir in der Warenkorb-Berechnung für solches Equipment auch negative Preissteigerungen von jährlich zehn Prozent und mehr. In Wirklichkeit wird die zusätzliche Leistung (z.B. Prozessor-Takt, Speicherkapazität) durch ein immer komplexer werdendes Betriebssystem und die hungrigeren Anwendungen aufgebraucht.
Die zweite Methode ist es, dass mit dem Preisanstieg bestimmte Fahrzeug-Typen von niedriger bepreisten Modellen in der Statistik abgelöst werden. Fuhr man beispielsweise noch vor 20 Jahren einen VW Golf, dann war es vor 10 Jahren nur noch ein VW Polo. Und heute überlegt man sich vielleicht, einen Dacia Logan anzuschaffen. Denn der Dacia verdrängt zuerst den inzwischen preislich unerschwinglichen VW Gold und dann seinen günstigeren Bruder Polo. Die Statistik folgt hier den Handlungen des Bürgers – ein nicht mehr leistbares Fahrzeug wird durch ein billigeres substituiert. Am Ende zahlt der Bürger wirklich de facto nicht mehr für sein PKW. Dies aber in der Statistik praktisch als keine Inflation zu kennzeichnen, ist Manipulation pur.
Diese Methode der Realitäts-Verschleierung ist natürlich besonders dreist. Nur die Statistiker selbst wissen, wie hoch die Manipulations-Dosis bei den aktuellen Inflationsdaten wirklich ist. Und sind die Zahlen dann politisch nicht opportun genug, so kann man mit Hilfe dieser Stellschrauben jederzeit den gewünschten Zielwert erreichen.
Auch interessant ist die Aussage des Berichts zur Miete: Sie macht rund 20 Prozent (Anmerkung – des Warenkorbs) aus – und auch hier gibt es seit Jahren kaum Veränderungen. Nun, diese Aussage kann sich nur auf die Kaltmiete ohne Nebenkosten beziehen. Denn die Kosten für Energie (Heizung, Warmwasser) und die kommunalen Gebühren (Müllabfuhr, Wasser und Abwasser) steigen schon seit Jahren massiv an. Aber auch wenn es um die reinen Mietzinsen geht, stimmt diese Aussage nur solange, bis man sich eine neue Wohnung beispielsweise wegen eines beruflich veranlassten Umzugs suchen muss. Dann wird man feststellen, dass der Mietzins über die letzten Jahre doch beträchtlich angestiegen ist.
Beim Goldmarkt ist heute zum Teil das eingetreten, was ich am Freitag befürchtet habe. Da der Euro aber kräftig gegen den US-Dollar gestiegen ist, war ein Test der Marke von $1.300 außerhalb des möglichen. Wir müssen abwarten, wie sich das gelbe Metall bei einem kräftigen Anstieg des US-Dollars verhalten wird. Genügend Gründe für eine Flucht in den Dollar gibt es wegen der explosiven Situation im Nahen Osten ja genug.
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"Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen!"
"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)