Um Lösungen geht es nicht, sondern um die „Optimierung" der Fallhöhe
Donnerstag, 9. Dezember 2010 16:23
von Lars Schall
In einem Exklusiv-Interview für chaostheorien.de bespricht der Makroökonom und Buchautor Andreas Popp („Der Währungs-Countdown") den Weg zum ISO-Journalismus, den Tod des Euro und der Demokratie, aber auch, was er als Lösungen für die Finanzkrise ansieht. Insgesamt gelangt er bei der Bewertung des Ist-Zustandes zum Ergebnis: „Was wir zurzeit erleben, ist eine Phantasy-World. Das merken wir spätestens dann, wenn wir Dinge hinterfragen."
Andreas Popp, geboren 1961 in Walsrode (Lüneburger Heide), war lange Zeit Unternehmer und arbeitet heute als Dozent für Makroökonomie und ist Buchautor. Er begann seine berufliche Laufbahn 1983 im Bereich des Risiko-Managements einer Unternehmenstochter der Guardian Royal Exchange Ltd. in Hamburg und London. 1984 wechselte er zur 1959 von seinem Vater gegründeten Unternehmensgruppe, die er sukzessive erfolgreich umstrukturierte.
Im Jahr 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender dieser Unternehmensgruppe, die sich auf das Segment der physischen Investition in Gold, Silber und Platin fokussierte. Aus dieser Position zog er sich Anfang 2007 zurück, um sich ganz der Wissensmanufaktur in Schweringen zu widmen, die sich als Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik einen internationalen Namen erworben hat (siehe hierzu: www.wissensmanufaktur.net/).
Andreas Popp ist u. a. Autor des 2008 im Finanzbuch Verlag in München erschienenen Buches „Der Währungs-Countdown", in dem er das Geldsystem als „verfehlt" ansieht und sowohl von einer bevorstehende Währungsreform als auch Problemlösungen spricht.
Herr Popp, ich würde mich gerne mit Ihnen über die Finanzkrise unterhalten, aber mehr über Lösungsansätze zu derselbigen. Nichtsdestoweniger würde ich gerne mit dieser Frage beginnen, und zwar: Wie beurteilen Sie die Krisen-Vermittlung in den Medien während der letzten Jahre?
Sie ist der herrschenden Ordnung angemessen, also sauber geplant und entsprechend maßstabsgetreu durchgeführt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir keine wirklich freien Medien haben, sondern lediglich eine sogenannte Pressefreiheit, die zwar garantiert ist, aber nur dann Sinn machen würde, wenn die Presseorgane selbst frei sind. Wir haben letztlich einen Agentur-Journalismus, wo dpa und Reuters die Vorgaben machen. Dementsprechend fallen diese Informationen im Interesse des Systems aus, aber mangelhaft vom Gehalt.
Sie würden also sagen, dass wir auf einem guten Weg hin zum sogenannten „ISO-Journalismus" sind?
Natürlich, aber da sind wir schon seit langem. Das habe ich in einem meiner Bücher deutlich beschrieben, als sich damals John Swinton aus der New York Times verabschiedete, indem er sich selbst als intellektueller Prostituierter bezeichnet hatte, weil letztlich nur die Interessen ganz bestimmter Plutokraten zu vertreten sind.(i) Aber das ist ja auch nicht ganz neu. Nachricht kommt von nach-richten - da wird also etwas nachgerichtet, damit wir uns danach richten. Die deutsche Sprache ist ja sehr exakt, weshalb ich sie so gerne habe.
Sie würden schon sagen, dass man sich ab und zu mal die Eigentümerstruktur von Presseorganen anschauen soll?
Ja, die laufen nämlich letztlich immer auf eine Handvoll von Leuten hinaus, egal in welcher Eigentumsstruktur dort nach außen hin aufgetreten wird. Man darf nicht vergessen, dass die Personen, die dort erscheinen, meistens juristische Personen sind – weshalb ich ein ziemlicher Gegner von diesen Gesellschaften bin. Ich halte es für sehr wichtig, wenn Leute natürliche Personen sind, die geboren wurden und auch körperlich existieren und nicht nur als Konstrukt. Damit würden wir wahrscheinlich schon eine Menge Probleme aus diesen Verwerfungen herauslösen. Aber wenn man dann einmal diese Fäden weiter spinnt, stellt man relativ schnell fest, wie die Zusammenhänge sind und dass es letzten Endes immer wieder auf dieselben Systeme und dieselben Kapitalinhaber und deren Abhängigen hinaus läuft.
Wenn wir die Finanzkrise betrachten, kommen wir eigentlich nicht umhin, zumindest kurz auch über Edelmetalle zu sprechen. Was ist zu dieser Thematik von Ihnen zu sagen?
Also, die Edelmetalle an sich haben nichts mit der Finanzkrise zu tun, sondern sind eigentlich nur ein kapitalerhaltender Lösungsbaustein innerhalb der Finanzkrise, zumindest aus Sicht der normalen Menschen, die sich ein gewisses Vermögen erschufftet haben und es sichern wollen. Das ist eine relativ einfache Logik. Das habe ich bereits schon Anfang 2000 gesagt und damit war ich wohl einer der Ersten, auch wenn heute von vielen Wendehälsen behauptet wird, sie würden schon seit vielen Jahren Edelmetalle empfehlen. Übrigens wurde ich für meine Thesen einige Male ausgepfiffen. Die Zeit war nicht immer sehr leicht, wenn man ab und zu mal völlig deprimiert nach Hause fuhr, weil bei einem Vortrag vor hundert Leuten sechzig bis siebzig aufgestanden sind. Schön ist, dass diese Dokumente aufgenommen wurden und größtenteils noch existieren, zum Teil auch im Internet.
Die Frage ist die: Edelmetalle sind an sich nichts anderes als „Mobilien". Die Immobilie, also das Gebäude, das Grundstück, hat den Nachteil, dass es nicht transportabel, also verschieb- und verrückbar ist. Das ist bei Edelmetallen einfacher. Dadurch, dass es teilbar ist und als Geld angesehen wird, ist es eine aus meiner Sicht gute Lösung, um durch die Krise hindurch zu kommen. Allerdings möchte ich dazu sagen, dass es eigentlich schlimm ist, dass es so sein muss. Denn wir dürfen nicht vergessen, unter welchen Bedingungen die Edelmetalle durch Ausbeutung und Sklaverei in den Dritte-Welt-Ländern wirklich vonstatten geht. Diese Minenarbeiten sind ethisch und moralisch äußerst verwerflich. Ich wünschte, ich könnte etwas anderes empfehlen, habe aber leider keine andere Lösung, zumindest nicht im Moment.
Sie würden aber schon zustimmen, dass die Edelmetalle hier als Wetterfahne fungieren?
Natürlich. Wir sehen, dass die Menschen das Vertrauen in dieses System verloren haben, und das ist auch ganz gut so. Denn es gibt keinen Grund für Vertrauen. Man sieht ja, wie Frau Merkel ständig sagt: Wir brauchen Vertrauen in die Finanzmärkte. Gehen Sie mal zur Bank und sagen, Sie brauchen 100.000 Euro als Kredit. Dann fragt Sie der Banker: Was haben Sie als Sicherheiten? Und wenn Sie ihm sagen: Nichts, aber vertrauen Sie mir bitte - dann schmeißt er Sie raus.
Es ist also eine sehr einseitige Geschichte. Man erwartet von den Menschen das Vertrauen, während die Bankensysteme den Menschen bzw. Kunden misstrauen. Sie geben ja nur dann Kredite heraus, wenn sie wissen, dass Sie entsprechende Sicherheiten haben, und sie dem Schuldner zutrauen, die Zinsen (hart ausgedrückt) durch Zerstörung und Ausbeutung anderer Menschen zu finanzieren, die dadurch in die Verschuldungsspirale kommen. Aber das ist ja bekannt, dass Schulden und Guthaben dasselbe sind.
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