Eine Tochter der Deutschen Bank hat in Japan versehentlich einen Verkaufsauftrag über 150 Milliarden Euro abgegeben – und damit die Märkte... mehr...
Zu den Leuten, die diese Frage verneinen, zählt unser Busenfreund Ambrosius Evans-Pritchard vom Telegraph. Er erwartet, wie manch anderer, in Japan schlussendlich einen Übergang von der Deflation in die Hyperinflation.
Ausgangspunkt dieser Entwicklung könnte sein, dass den japanischen Rentnern das Geld ausgeht. Bisland stützen sie mit ihren Käufen noch das dortige Staatsanleihen-Schneeballsystem - das mit Schulden/BIP von 200 % bereits auf tönernen Füßen steht.
Die Staatsverschuldungs-Quote ist in Japan fast doppelt so hoch wie in Griechenland.
Lange kann das japanische Ponzi-System nicht mehr laufen, weil das Land ein Überalterungsproblem hat und die Alten, die bislang immer sparten, nun die Früchte ihres Sparens konsumieren. Nicht weil sie wollen, sondern weil sie es müssen, um ihren Lebensstandard beizubehalten. Wer erst mal 75 Jahre alt ist, spart auch nicht mehr eisern für die Zeit nach 90, sondern genießt jeden Tag nach dem Motto, dass es der letzte gewesen sein könnte. Sparen ist eher was für Jüngere.
Wegen des "Entsparens" der japanischen Rentner ist die Sparquote dort zu Lande von 15 auf 3 % zurückgegangen. Bei fortdauernder Wirtschaftsschwäche könnte sie bald auf Null gehen - und dies zu einer Zeit, in der der laufende japanische Staatshaushalt zu 50 % durch Neuverschuldung (= Staatsanleihen-Emissionen) finanziert wird.
Wenn die japanischen Rentner die Neuemissionen nicht mehr abnehmen können, muss die japanische Regierung zwangsläufig ausländische Geldgeber suchen. Denen fehlt freilich der Patriotismus, um Staatsanleihen eines deflationären Wackelstaats mit 200 % Schulden/BIP zu Spottzinsen von ca. 1 % zu kaufen.
"Der Markt" will dann angesichts der Schieflagen mehr Rendite sehen - genau so wie jetzt in Griechenland. Doch bereits bei 2 oder 3 % Zinsen auf Zehnjährige - das wäre immer noch weniger als zurzeit in USA und D. - ist das japanische Zinskartenhaus nicht mehr finanzierbar. Die laufenden Zinskosten würden fast die gesamten Staatseinnahmen auffressen.
In einer solchen auswegslosen Notlage greifen Staaten in der Regel - mangels Alternativen - zum Äußersten: Sie drucken Geld. In Japan könnte das QE dann gigantische anwachsen; auch Drucken von physischem Geld wäre denkbar.
Wie "flexibel" zuvor eisern versprochene Sicherheits-Standards in Notlagen sind, zeigt aktuell die EZB, die in den letzten Wochen sukzessive sämtliche Stabilitätskriterien in die Tonne getreten hat - und den Euro selbst dazu.
Druckt die japanische Regierung notgedrungen Yen, würde dessen Außenwert rapide sinken (Argentinien-Effekt). Evans-Pritchard rechnet mit einer Kurshalbierung des Yen zum Dollar (d.h. USD/JPY wird von derzeit 90 auf über 200 hochschießen).
Abstufungen der Ratingagenturen (bis unter den Investmentgrad) gießen dann weiteres Öl ins Feuer. "AAA" hat Japan bereits 2009 verloren. Das macht die Aufnahme neuer Kredite dann NOCH teurer - eine Abwärtsspirale. Am Ende droht den Japsen dasselbe Schicksal wie Griechenland - die Staatspleite.
Staatspleiten treten weltweit nicht gleichzeitig auf, sondern die Dominos fallen einer nach dem anderen. Daher kann auch der Dollar kurzfristig vom Japan-Kollaps profitieren. Womöglich schafft die "Bereinigung" durch Pleiten von Wackelstaaten sogar passable Rahmenbedingungen für die überlebenden, um sich aus eigener Kraft zu regenerieren.
Ob USA auch irgendwann "fallen" wird, bleibt eine Mutmaßung. Wahrscheinlich ist, dass USA - wenn überhaupt - zu den letzten "Umfallern" zählen wird. Wetten gegen den Dollar sind daher mittelfristig nicht sehr erfolgversprechend, auch dem US-Bondmarkt drohen mittelfristig vermutlich keine allzu großen Gefahren.
Greift die Risikoaversion am Ende aber auch auf USA über, schlägt tatsächlich die große Stunde der Raviolidosen.
