30.07.2009
FÖRDERBOOM IN AFRIKA
Angola steigt in die Öl-Oberliga auf
Aus Luanda berichtet Horand Knaup
Ein Land im Förderrausch: In Angola werden mit Hochtechnologie immer neue Öl-Vorkommen erschlossen. Doch der Boom erreicht nicht alle, nur eine Minderheit des vom Bürgerkrieg geschädigten Landes profitiert von dem Reichtum.
Luanda - Von weitem sieht sie aus wie ein Spielzeugturm in der Badewanne. Doch je näher der Helikopter kommt, desto deutlicher werden die Dimensionen. Am Ende schwebt man über einem Metallmonster auf hoher See, mit einer kleinen Landeplattform obenauf.
So erlebt man den Anflug auf die Ölpumpstation Dalia, die mit ihren 90.000 Tonnen Stahl, 300 Metern Länge und dem 50 Meter hohen Deck so ziemlich das Modernste ist, was Angola derzeit bieten kann.
Eine Milliarde Dollar hat sie gekostet, den Transport von Südkorea nicht eingerechnet. Dabei gehört der Koloss, der 150 Kilometer vor der angolanischen Küste im Meer steht, genaugenommen nicht Angola, sondern wird von einem Konsortium bezahlt und von dem französischen Öl-Multi Total betrieben. 240.000 Barrel Öl holt die Pumpstation täglich aus dem Meeresboden, es gibt derzeit nicht viele Anlagen auf der Welt mit einer solchen Leistung.
Genau heißt die Plattform "FPSO Dalia", was für Schwimmen, Fördern, Bunkern und Verladen steht. Technisch gesehen ist die Dalia also eine Multifunktionsanlage. Alle vier Tage kommt ein Supertanker vorbei und bunkert, was die Speicher in der Zwischenzeit gebunkert haben.
Computergelenkte Hightech-Anlage
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Angola ist gefragt bei den internationalen Ölkonzernen. Seitdem der Bürgerkrieg vorüber ist, brummt das Geschäft. Die Produktion ist von 900.000 Barrel täglich im Jahr 2004 auf heute über 1,8 Millionen angestiegen - das entspricht nahezu der Leistung des afrikanischen Branchenprimus Nigeria.
Allerdings hat Angola den Vorteil, dass das Öl zwar ähnlich schwefelarm, die politische Lage aber sehr viel stabiler ist. Es gibt keine Rebellenattacken, zudem sind die Reserven vermutlich reichhaltiger. Denn viele, vor allem tiefer gelegene Schichten, sind noch gar nicht erforscht. "Angola ist viel einfacher", sagt ein erfahrener Ölexperte in Luanda, "in Nigeria ist alles anders. Da kannst du dir heute nicht mal sicher sein, ob dein Feld morgen noch dir gehört".
Deshalb sind alle großen Konzerne nach Angola gekommen, Chevron und BP sind da, Total und Esso. Die Amerikaner haben sich schon in den achtziger Jahren von kubanischen Soldaten ihre Bohrtürme sichern lassen, die anderen kamen später, als die Dimension der Offshore-Vorkommen erkennbar wurde.
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Bohrungen lohnen sich erst ab einem Ölpreis von 65 Dollar
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Die Tiefenbohrungen in Regionen von über 1400 Meter Wassertiefe sind eine Wissenschaft für sich. Und so teuer, dass sie sich erst ab einem Barrelpreis von 65 Dollar lohnen. Der liegt nun aber seit einigen Monaten darunter. Was Ölminister Jose Botelho Vasconcelos, gleichzeitig amtierender Opec-Vorsitzender, in seinem Ministerbüro an der Hafenstraße von Luanda nicht fröhlicher macht: "Das ist eine ziemliche Herausforderung dieses Jahr", stöhnt er. "Der angemessene Preis läge bei 75 Dollar."
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Dennoch geben sich die Verantwortlichen optimistisch. Der Preis dürfte bald wieder steigen, wenn die Globalkonjunktur anzieht. Ob davon allerdings das Gros der Angolaner profitiert, ist fraglich. Denn nur zwei Prozent der Bevölkerung leben direkt oder indirekt vom Öl. Der große Rest geht leer aus, wohnt auf dem Land oder in Luandas Armensiedlungen - und leidet unter hohen Miet- und Immobilienpreisen und klagt über Früchte, Bohnen und Reis, die so teuer sind wie in Grönland.
Denn die Ölfirmen interessiert der Preis nicht, sie können die Mieten ebenso wie ihre glänzenden Autos, Geschäftsessen und Nachtclubbesuche als Produktionskosten geltend machen - und als solche dem angolanischen Staat in Rechnung stellen. Letztlich geht das Geld also dem angolanischen Steuerzahler verloren, doch das schert die Regierungselite in Luanda nicht. Denn der Überfluss nach den langen Jahren des Mangels hat ihr die Sinne betäubt.
Das freilich kann den Ölboom kaum bremsen. Langfristig sind die Perspektiven für die Förderfirmen. "Wir wissen, dass auch in 2500 Meter Tiefe noch große Vorkommen liegen", sagt der Kommandant der Dalia. "Wir wissen nur noch nicht, wie wir es rausholen."
Aber dass sie es rausholen werden, ist so gut wie sicher.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,636775,00.html An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil.
André Kostolany
MfG
Palaimon