jährlich - und zwar in Gestalt höherer Zinszahlungen auf laufende Staatsschulden infolge von Risikoscheu (unten).
Auch auf Deutschland würde bei zunehmenden PIGS-Bürgschaften der Mittelmeer- oder Schweine-Malus abfärben. Garantien bedeuten ja, dass jemand im Pleitefall dieser Länder das Recht erhält, von Deutschland Bares zu verlangen. Käufer dt. Staatsanleihen wollen dann wegen der höheren Risiken höhere Zinsen sehen.
Die eilfertige Hilfe für die Griechen aus Berlin hat einen guten Grund: Deutsche Großbanken halten im Gegenwert von 535 Milliarden Euro PIGS-Staatsanleihen in ihren Depots. Gerieten deren Kurse bei Pleitegefahr ins Rutschen, würde sich die ohnehin dünne Eigenkapitaldecke der Banken, die noch von der letzten Krise löchrig ist, schnell in Luft auslösen. Dann droht ein zweite Finanzkrise - und aus der kann der deutsche Staat bedauerlicherweise nicht mehr als "Überzahlmeister" raushelfen, weil er selbst mit im Boot sitzt. Die Folgen könnten schlimmer werden als bei der Lehman-Pleite.
Der Dumme ist wie üblich der Steuerzahler, wenn er nicht schon vorher verhungert ist.
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Wie kann der Euro stabilisiert werden?
Das ist die Eine-Billion-Dollar-Frage. Da die Ursachen in der unsoliden Haushaltspolitik mancher Mitgliedsländer liegen, müssen die zunächst ihre Hausaufgaben machen und sparen. Allerdings steckt zumindest Griechenland mit einer aktuellen Verschuldung von 125 Prozent der Wirtschaftskraft und einem Budget-Defizit von zuletzt zwölf Prozent schon so tief im Schlamassel, dass es sich kaum noch aus eigener Kraft befreien kann. Soll das Land nicht in eine Abwärtsspirale geraten, ist womöglich ein Eingreifen anderer Staaten der Eurozone erforderlich.
Was würde die Rettung Griechenlands die Deutschen kosten?
Übernimmt die Bundesrepublik Garantien für die griechischen Schulden, würde das die deutsche Kreditwürdigkeit negativ beeinflussen. Die Akteure auf den Anleihenmärkten könnten als Ausgleich für das erhöhte Risiko auch bei Bundesanleihen einen höheren Zins verlangen. Der Bund hat rund eine Billion Euro an Schulden ausstehen. Würde sich der Zins auf diese Bonds wegen des Griechenland-Effekts zum Beispiel um 0,3 Prozentpunkte erhöhen, kämen auf den deutschen Staat Mehrkosten von drei Mrd. Euro jährlich zu.
Pro Kopf würde die Rettung Hellas’ die Deutschen also nicht einmal 40 Euro im Jahr kosten. Allerdings kommen die hiesigen Steuerzahler ohnehin schon für das Gros des EU-Haushalts auf. Würde sich die Rettungsaktion auch auf andere Peripherie-Staaten wie Spanien oder Portugal erstrecken, wären die Kosten ungleich höher. Die Kapitalmärkte könnten die Bundesrepublik dann wie einen halben Mittelmeerstaat bewerten.
Würde der Euro einen Staatsbankrott in der Peripherie überleben?
Griechenland steht nur für 2,6 Prozent der Wirtschaftskraft des Eurosystems, Portugal für 1,8 Prozent und das ebenfalls angeschlagene Irland für 2,6 Prozent. Vermutlich würde die Zahlungsunfähigkeit eines dieser Länder und selbst aller drei Ländern zusammen den Euro nicht aus den Angeln heben.
Etwas anderes wäre es, würden Spanien und Italien ebenfalls von dem Abwärtsstrudel erfasst: Sie erwirtschaften 11,8 Prozent und 17 Prozent der Güter und Dienstleistungen in Euroland und müssen daher als systemrelevant für den Euro bezeichnet werden.
Allerdings gibt es einen guten Grund, weshalb es Berlin nie zulassen wird, dass es zu einem Totalbankrott im Süden kommt: Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) halten deutsche Geldhäuser für rund 535 Milliarden Euro Schuldtitel aus den Peripherie-Ländern der Währungsunion. Eine Insolvenz in Euroland wäre für sie existenzbedrohender als die Lehman-Pleite oder der Hypo-Real-Estate-Kollaps.
www.morgenpost.de/wirtschaft/...t-die-Euro-Krise-wirklich.html